Speyer Speyerer Kantorei singt Mendelssohns „Paulus“

Die Speyerer Kantorei in der Gedächtniskirche
Die Speyerer Kantorei in der Gedächtniskirche

Mit einem Gedenkkonzert zum 9. November um 17 Uhr in der Gedächtniskirche Speyer startet die Speyerer Kantorei ins Winterhalbjahr und singt Mendelssohns Paulus.

Keine Musik wäre geeigneter zum Erinnern und zum Neuanfang an diesem Tag als die Musik von Felix Mendelssohn in seinem Oratorium „Paulus“, geschrieben in der Zeit der Restauration nach den napoleonischen Kriegen. Für die Kantorei folgen das Weihnachtsoratorium am 7. Dezember, das Adventskonzert bei Kerzenschein am 21. Dezember sowie die Johannes-Passion von Bach am Palmsonntag 2026.

Robert Sattelberger dirigiert.
Robert Sattelberger dirigiert.

Der „Paulus“ entstand im Zusammenhang mit den neuen bürgerlichen Musikfesten in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Eine aktive Teilnahme in Chören und Orchestern galt als Bestandteil bürgerlichen Kulturlebens. So dirigierte Mendelssohn seinen „Paulus“ auch in der Pfalz, nämlich in Zweibrücken. In diesem Geist will Dirigent Robert Sattelberger den Zeitgeist und den Schwung weiterzugeben: Sopranistin Pia Knoll, in der Vorderpfalz als Sängerin bestens bekannt, übernimmt mit dem Tenor Christopher Diffey aus Mannheim den Part des Evangelisten. Diffey feiert bald seine Premiere als „Lohengrin“ am 31. Oktober im Mannheimer Nationaltheater. Paulus ist der Bass Timothy Sharp, Gesangsprofessor an der Mannheimer Musikhochschule, die kleine Altpartie übernimmt Simone Pepping aus Speyer, es spielt die Kammerphilharmonie Mannheim mit Konzertmeister Jochen Steyer, an der Orgel sitzt Christoph Keggenhoff.

Pia Knoll ist die Sopransolistin
Pia Knoll ist die Sopransolistin

Mendelssohn spielte bei der Neuentdeckung und Pflege alter Meisterwerke eine zentrale Rolle, lernte er doch schon als Kind Meisterwerke von Bach, Händel und Haydn kennen. Die Uraufführung des „Paulus“ war an Pfingsten 1836 in Düsseldorf und wurde mit großem Beifall aufgenommen. Um die 50 Aufführungen folgten bald in Europa und den USA. „Paulus“ wurde lange mehr gespielt als der heute bekanntere „Elias“.

Singt die Alt-Partie: Pepping.
Singt die Alt-Partie: Pepping.

Das Libretto entstammt vor allem der Apostelgeschichte und beschreibt den Wandel des Saulus zum Paulus. In der Auseinandersetzung mit dieser Thematik gestaltete Mendelssohn ein Stück Autobiografie. Felix Mendelssohn war Enkel des bedeutenden jüdischen Philosophen Moses Mendelssohn. Seine Familie konvertierte in seinem siebten Jahr zur Protestantischen Kirche. Das Oratoriums „Paulus“ und dessen Botschaft von geistlicher Erweckung und Selbstfindung wurde so zur Auseinandersetzung mit einem Stück Familiengeschichte.

Tenor ist Christopher Diffey.
Tenor ist Christopher Diffey.

Das zweiteilige Werk beschreibt in kurzen Episoden das Leben des Apostels Paulus, Hauptmotiv ist die Erleuchtung und Bekehrung des Saulus.

Der erste Teil beinhaltet die Vorgeschichte mit der Verfolgung und Steinigung des Märtyrers Stephanus. Man begegnet einem wütenden Saulus, der zornerfüllt gegen die christlichen Gemeinden vorgeht. Auf der Reise nach Damaskus erscheint ihm der Gottessohn und diese Erfahrung trifft ihn in seinem Innersten. Die Stimme Gottes „Saul, was verfolgst du mich?“ erklingt als vierstimmiger Frauenchor und rückt dadurch in mystische Ferne. Saulus erblindet, fastet drei Tage und wird von Ananias, dem Gottgesandten, bekehrt. In der Arie „Gott, sei mir gnädig“ berührt die tiefe Reue des Saulus.

Timothy Sharp singt Paulus.
Timothy Sharp singt Paulus.

Der zweite Teil stellt Stationen der Missionstätigkeit des Paulus dar. Es herrscht nun eine weniger dramatische, dafür beschaulichere Grundstimmung vor. Nach seinem Tod als Märtyrer bekommt Paulus als standhaft Glaubender „Gottes Krone der Gerechtigkeit“ und als Fazit ebenso „alle, die seine Erscheinung lieben“.

Mendelssohn greift formal auf das Vorbild der Bach-Passionen zurück: Nach jedem Handlungsabschnitt steht ein betrachtender Choral. Eine Meditation aus der Distanz – dies gilt gewissermaßen für das ganze Oratorium und vermag dadurch jeden Zeitgeist zu überwinden.

Info

Karten bei allen Reservix-Stellen, www.rheinpfalz.de/ticket und in Speyer beim Capella-Verlag und der Tourist-Info.

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