Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Speyer: Einzelhändler äußern sich zum Verkauf von Feuerwerkskörpern

Gehört für viele Menschen einfach dazu: Feuerwerk an Silvester.
Gehört für viele Menschen einfach dazu: Feuerwerk an Silvester. Foto: dpa

Die Baumarkt-Gruppe „Hornbach“ entfachte mit ihrem Entschluss, ab 2020 keine Feuerwerkskörper mehr zu verkaufen, die öffentliche Diskussion um „Silvester-Böller“ neu. Wie handhaben es Speyerer Einzelhändler mit dem Verkauf? Die RHEINPFALZ hat nachgefragt.

„Wir verkaufen Feuerwerk und haben nicht vor, das in naher Zukunft einzustellen“, sagt eine Verkäuferin des Waffenladens „Demmer“ in der Maximilianstraße. „Unser eigentliches Spezialgebiet ist aber die Pyromunition, die aus Schreckschusspistolen abgefeuert werden kann. Das bietet einen erhöhten Spaßfaktor und kommt sehr gut bei den Kunden an.“ Das Feuerwerk aus der Mündung einer Pistole sei schon jetzt frei verkäuflich an Waffenscheinbesitzer, berge allerdings auch erhöhte Gefahren und sei deshalb in belebten Zonen wie der Speyerer Innenstadt nicht erlaubt.

Der „Spaßfaktor“ ist für Willi Oelze, Marktleiter des „Dehner Gartencenters“ in der Auestraße, kein Argument: „Wir verkaufen schon seit Jahren kein Feuerwerk mehr. Es gibt einfach zu viele Gründe, die aus ökologischer Sicht dagegen sprechen. Statt Knallern bieten wir Ersatzprodukte an, wie zum Beispiel Marzipanschweinchen oder Glücksklee.“ Das stoße bei den meisten Kunden auf positive Resonanz, so Oelze, und passe auch besser zum Marktkonzept.

Anders sehen das die Supermarktketten „Aldi Süd“ und „Lidl“. Die jeweiligen Pressestellen verkündeten auf RHEINPFALZ-Anfrage, dass die Firmen sich „in ihrer Sortimentgestaltung an den jeweiligen Kundenwünschen orientierten“ und daher zumindest in diesem Jahr weiterhin regulär Feuerwerk verkauft werde. Über die zukünftige Entwicklung könnten noch keine Angaben gemacht werden.

Ein Pressesprecher des Baumarktes „Bauhaus“, das in Speyer in der Iggelheimer Straße eine Filiale betreibt, schloss sich bezüglich des diesjährigen Verkaufes an, betonte aber, dass bereits „interne Diskussionen zu diesem Thema“ geführt werden.

„Edeka Südwest“ ließ verlauten, dass die Betreiber der Supermärkte selbst entscheiden könnten, ob sie Feuerwerkskörper verkaufen. In den beiden Speyerer Filialen in der St.-German-Straße und Am Rübsamenwühl wird demnach weiterhin verkauft, die Nachfrage sei laut beiden Märkten gegeben. Tobias Ragut, Filialleiter von „Galeria Kaufhof“ in der Maximilianstraße, fügte hinzu: „Die Kunden wollen Feuerwerk, deshalb verkaufen wir es auch.“

Zur Sache: Wo die Feuerwerk-Tradition herkommt

Feuerwerk und Silvester, das gehört für die meisten Menschen einfach zusammen. Kein Wunder, denn der Brauch, in der Silvesternacht ein Feuer zu entzünden, stammt bereits aus der Zeit der Germanen: Zwar konnten die germanischen „Feuerwerke“ noch nicht mit den Sound- und Lichteffekten der heutigen Pyrotechnik aufwarten, laut und hell waren sie dennoch.

Um Dämonen und böse Geister zum Jahreswechsel zu vertreiben, wurden Feuer entfacht, dazu lärmten die Germanen mit Rasseln und Peitschen. Die Mittel veränderten sich im Laufe der Jahrhunderte, doch die Tradition, den Nachthimmel an Silvester künstlich zu erleuchten, blieb erhalten. Immer lauter, immer größer und spektakulärer wurden die Raketen, immer breiter das Angebot.

Doch die Superlativen an „Knall“ und Optik, die es für viele jedes Jahr aufs Neue zu übertreffen gilt, haben auch Schattenseiten: Rund 8000 geschädigte Innenohren und zahlreiche andere Verletzungen durch Feuerwerkskörper, verängstigte Tiere, Unmengen an Müll und Sachschäden durch Explosionen sind die Bilanz der Jahreswechsel, Tendenz steigend. Auch ist die Feinstaubbelastung vielerorts an Neujahr so hoch wie sonst im gesamten Jahr nicht. Seit einigen Jahren steht der Verkauf von Feuerwerk in der Kritik, Umweltverbände wie die Deutsche Umwelthilfe fordern einen sofortigen „Böller-Stopp“.

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