Speyer
Spendenlauf am Gymnasium: Schüler sammeln für Sanierung
Mehr als 1,9 Millionen Euro hat die Stadt Speyer nach eigenen Angaben in den vergangenen fünf Jahren in den Unterhalt des Hans-Purrmann-Gymnasiums (HPG) investiert. Hinzu kamen 1,2 Millionen Euro für den Brandschutz. Eine Stange Geld, die aber nicht für die weiterhin unsanierten Jungentoiletten gereicht hat. Die Schüler sind deshalb selbst aktiv geworden.
Jonas Lautenbach, seit zwei Jahren Schülersprecher des HPG, war angespannt und zufrieden zugleich. 450 Anmeldungen hat es im Vorfeld gegeben für den Spendenlauf am Dienstag. So war die Grundidee. Die Stadt hat nun – wie Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler (SPD) als Gast der Veranstaltung erneut betonte – 100.000 Euro für die Sanierung in den Haushalt eingestellt. „Das Geld, was wir erlaufen, ist nicht weg“, stellte Lautenbach heraus. Der Spendenzweck sei symbolisch zu sehen. Beispielsweise seien die Toiletten in den Nebengebäuden, in denen die Turnhallen untergebracht sind, nicht in den städtischen Betrag einbezogen. „Wir laufen also auf jeden Fall für unsere Schule“, unterstrich er.
Doppeleffekt: Bewegung und guter Zweck
Bei Führungen durch die WC-Anlagen der Jungen wurde das Ausmaß dessen deutlich, das zu der Aktion geführt hatte. Sie sind heruntergekommen. Seit Eröffnung der Schule seien sie nicht mehr saniert worden, im Gegensatz zu den WCs der Mädchen. „Das ist schon ziemlich eklig“, bestätigt Leonard. Der Zwölfjährige ist einer der Läufer, deren Gesamtzahl sich im Laufe des Vormittags laut Lautenbachs Schätzung auf gut 500 erhöhte.
„Die Toiletten müssen einfach mal renoviert werden“, sagte Lenn (13) mit Nachdruck. Deshalb haben sich die Jungs Startnummern aufs Shirt geheftet, die von den Oberstufenschülern ausgegeben werden. „Wir werden einfach nur laufen“, kündigte Valentin (13) an. Eine bestimmte Rundenzahl hatte sich keiner vorgenommen – auch nicht Emi und Nele. Die 13-jährigen Mädchen unterstützen das Vorhaben gerne. „Das ist nur fair gegenüber den Jungs aus unserer Klasse“, meinte Emi. Cool fand sie die Aktion, auch angesichts der Möglichkeit, sich im trägen Schulalltag mal zu bewegen.
600 Meter waren als Runde abgesperrt. Zuvor gesuchte Sponsoren hatten unterschiedliche Kleinbeträge pro gelaufene Runde zugesagt. „Der sportliche Aspekt und die unmittelbare Situation haben die Resonanz ausgelöst“, betonte Lautenbach und äußerte sich begeistert über den spürbaren sozialen Geist in der Schulgemeinschaft.
Auch OB Seiler nahm das wahr. Kommunen müssten gezielt investieren, betonte sie im Gespräch mit der RHEINPFALZ. „Es gibt so viel zu tun, dass wir nur tun können, was akut notwendig ist. Das Problem ist, dass alle Schulen gleichermaßen Beachtung finden müssen“, zeigte sie auf.
Wie viel Geld beim Spendenlauf eingenommen wurde, soll in wenigen Tagen bekannt gegeben werden. Im Vorfeld hatte sich auch der Linken-Stadtverband mit einer Stellungnahme zum Toiletten-Problem zu Wort gemeldet und deren Zustand als „Armutszeugnis“ bezeichnet. Der Stadt warf er „Vertröstungspolitik“ vor. Die Sanierung müsse schnell angepackt werden.