Speyer
Sonja Hermann stellt im Feuerbachhaus aus
„Avanti“: Unter dieses Motto hat Hermann ihr Leben gestellt. Dem Betrachter gewährt sie in großen und kleinen Formaten Einblicke in Prozesse, die herausfordern und zu neuen Sichtweisen auf herausfordernde Zeiten führen. Und zu neuen Techniken. „Ich bin für Öl zu ungeduldig geworden“, erklärt Hermann den Wechsel zu Acryl, zu anderen Motiven und Farben.
Mit sehr persönlichen Bildern wie „Ich“, „Neue Wege“ oder „Vertrauen“ erzählt die Künstlerin von eigenen Höhen und Tiefen, von oft schmerzhaften Erkenntnissen und Chancen für Veränderung. „Perspektiven“ gibt es immer, lernt der Betrachter vor Hermanns Arbeiten.
Sie male, seit sie denken könne, sagt die gebürtige Wienerin und überzeugte Wahl-Speyerin. Seit 2005 arbeitet Hermann zudem als Lehrerin für Bildende Kunst, Philosophie und Ethik am Gymnasium am Kaiserdom der Stadt. Drei ihrer im Feuerbachhaus ausgestellten Arbeiten sind „Speyer-Bilder“, die für inneres Aufatmen, für Licht am Ende des Tunnels stehen.
Keine Stagnation
Mutig trägt Sonja Hermann nach außen, was sie bewegt, verletzt und wieder gestärkt hat. Der Zugang zu ihrer Kunst habe sich gravierend verändert, beschreibt die Künstlerin Entwicklungen, die Stagnation ausschließen.
Seit dem Studium der Bildenden Kunst an der Nürnberger Akademie und der Weimarer Bauhaus-Universität ist auch in Sonja Hermanns Leben viel geschehen. Eindrucksvoll erzählen ihre Bilder davon.
Im Zentrum ihrer künstlerischen Auseinandersetzung hätten zunächst Landschaftsbilder, Figürliches und abstrahierte Akte gestanden, berichtet Hermann. Mittlerweile lässt sie mehr Nähe zum Betrachter und gleichzeitig mitten ins eigene Herz zu.
„Das Herz ist geflickt“, weist sie auf das Bild, das den Titel der Ausstellung trägt: „Avanti“. So wie in diese Arbeit hat Sonja Hermann auch in andere beispielsweise mit schriftlich angedeuteten Botschaften eingegriffen und damit die Aussage verstärkt.
Ergebnisse der eigenen Auseinandersetzung mit Herausforderungen, mit Annehmen und Loslassen weisen dem Betrachter bislang nicht eingeschlagene Wege aus Isolation und scheinbarer Ausweglosigkeit.
„Keine leichte Kost“
Hermanns Bilder erfordern den zweiten Blick, zwingen zum sich Einlassen und Zulassen der Emotionen, die die Künstlerin auf die Leinwand getragen hat. Vieles bleibt in der Andeutung und gibt damit Raum für eigene Gefühle und Fantasien. Jegliche Deutung überlässt Hermann dem Betrachter.
„Meine Inhalte sind keine leichte Kost“, beschreibt die Künstlerin das, was derzeit nach langer Pandemie-Pause die Wände des Feuerbachhauses schmückt.
Geplant war Hermanns Ausstellung bereits vor zwei Jahren. Gut, dass Besucher jetzt die Möglichkeit erhalten, in beeindruckende Arbeiten wie „Mein Körper gehört mir“ eintauchen zu können. Sonja Hermanns Farbwelten öffnen den Blick.
Ausstellung
Zu sehen vom 5. August bis 15. Oktober im Feuerbachhaus Speyer, Allerheiligenstraße 9. Geöffnet Dienstag bis Freitag ab 16 Uhr, Samstag 11 bis 14 und ab 17 Uhr, Sonntag 11 bis 14 Uhr. Eröffnung 5. August, 19 Uhr. Zur Begrüßung spricht Hans-Georg Arnold, zu Einführung Sonja Hermann.