Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Solisten bei der Johannes-Passion

Endlich singt sie in Speyer: Miriam Feuersinger.
Endlich singt sie in Speyer: Miriam Feuersinger.

Stars der Alte-Musik-Szene singen in Speyer bei den beiden Aufführungen der Johannes-Passion von Bach in der Friedenskirche St. Bernhard.

Unter Leitung von Domkapellmeister Markus Melchiori erklingt Bachs Johannes-Passion in der Friedenskirche St. Bernhard am 7. und 8. März. Es singt der KathedralJugendChor, es spielt das Orchester L’arpa festante auf alten Instrumenten. Die Solisten gehören zur Elite im Bach-Gesang. Allein Miriam Feuersinger, Georg Poplutz und Klaus Mertens belegen durch ihre Auftritte und CDs stets aufs Neue ihren ersten Rang in diesem Fach.

Zunächst eine Begriffsklärung: Wenn wir hier und auch sonst von Alter Musik reden, dann verstehen wir den Begriff als ästhetische Kategorie, nicht als simple zeitliche Einordnung. Alte Musik ist natürlich in der Regel nicht mehr die neueste, gemeint ist mit der Bezeichnung aber, dass es sich hier um eine Musik handelt, deren Rezeptionsgeschichte nicht ungebrochen ist und die wiederentdeckt wurde. Das ist ja nicht zuletzt bei den Passionen von Johann Sebastian Bach so.

Bekanntlich wurde die Matthäus-Passion 1829 von Felix Mendelssohn wiederbelebt, die erste Aufführung der Johannes-Passion in neuerer Zeit war dann 1832 in Bremen.

Die Johannes-Passion erklingt am Wochenende zwei Mal mit der Dommusik in St. Bernhard in Speyer. Den Evangelisten singt der Tenor Georg Poplutz, der schon seit vielen Jahren regelmäßig in Speyer auftritt. 2022 war er hier auch der Evangelist in der Matthäus-Passion. Er hatte die Partie damals kurzfristig übernommen und traf erst zwei Stunden vor Konzertbeginn am Aufführungsort ein. Diesmal wird er gewiss früher da sein.

Klaus Mertens bei der Johannes-Passion mit der Dommusik 2024 im Technik Museum Speyer.
Klaus Mertens bei der Johannes-Passion mit der Dommusik 2024 im Technik Museum Speyer.

Der Sänger ist einer der ersten Bach-Sänger unserer Tage, aber auch ein begnadeter Liedsänger, der schon mit dem legendären Fritz Wunderlich verglichen wurde. Das ist wahrlich kein Zufall, wie die neue Lied-CD mit Georg Poplutz belegt.

Diese heißt „Kannst du das Lied verstehn?“ (Genuin Gen 25936) und bringt Lieder von Blumen und Bäumen von – sehr erfreulich und erhellend – Komponistinnen und Komponisten von der Romantik bis zur Moderne. Poplutz teilt sich das Programm mit der Sopranistin Catalina Bertucci, die nicht zuletzt auch in der Alte-Musik-Szene einen Namen hat. Tatjana Dravenau begleitet am Klavier und hat zusammen mit Lydia Doliva ein gleichnamiges Buch (Waxmann Verlag) herausgebracht, das in interdisziplinärer Weise kenntnis- und aufschlussreiche Beiträge zu „Botanischer Bildsprache und ihren Vertonungen“ bringt.

Auf der CD wieder ein besonderes Erlebnis ist die klare und ungemein beredte Diktion in Verbindung mit erlesener Gesangskultur beim Vortrag von Georg Poplutz. Auf CD zu erleben ist der Tenor auch als Evangelist in der Johannes-Passion, aufgenommen 2017 in der Mainzer Christuskirche mit dem Bachchor Mainz unter Ralf Otto. Poplutz ist hier ein in Gesangskultur und Textausdeutung grandioser Verkündiger des biblischen Passionstextes (Naxos 8.573817-18).

Seinen hohen Rang als Bach-Sänger belegt auch die Tatsache, dass er in nächster Zeit wieder bei der Bach-Stiftung St. Gallen singt, mit deren Leiter Rudolf Lutz er jüngst auch eine sagenhafte Lied-CD aufgenommen hat. Die Bach-Stiftung St. Gallen gehört mit ihrem Kantaten-Zyklus längst zur „Champions League“ der Bach-Interpretation und bekommt nicht umsonst in diesem Jahr die renommierte Bach-Medaille beim Bachfest in Leipzig verliehen.

Georg Poplutz am 7. Oktober 2023 im Dom zu Speyer bei Helge Burggrabes „Lux in tenbris“.
Georg Poplutz am 7. Oktober 2023 im Dom zu Speyer bei Helge Burggrabes »Lux in tenbris«.

Diese Bach-Medaille der Stadt Leipzig erhielt 2019 auch der Bass-Bariton Klaus Mertens, ebenfalls gleichsam ein „Artist in Residence“ bei der Speyerer Dommusik. Mertens wird in diesem Monat 77 Jahre alt und ist der weltweit einzige Sänger, der alle Bass-Partien von Bach gesungen hat. Mit Ton Koopman hat er die meisten davon auch aufgenommen. Mertens sang 2024 die Bass-Arien bei der Aufführung der Johannes-Passion mit der Dommusik in Speyer im Technik Museum. Zwischenzeitlich hat er, in privatem Rahmen allerdings nur, in Speyer wieder in gewohnter Weise als Bach-Sänger geglänzt.

Zu der kaum mehr überschaubaren Diskographie von Klaus Mertens gehört auch eine CD mit Dialogkantaten von Bach. Bei dieser ist Miriam Feuersinger seine Partnerin. Die Sopranistin aus Bregenz leitet in ihrer Heimat eine Konzertreihe „Bachkantaten in Vorarlberg“. Da singt immer wieder als Tenor Georg Poplutz mit.

Miriam Feuersinger sang schon in der Pfalz: in Neustadt oder Kirchheim. Nun ist sie endlich auch in Speyer zu hören. Sie gehört in ihrem Fach zu den ersten Sängerinnen unserer Tage. Nur zwei von vielen möglichen Hinweisen mögen für ihre Bach-Kompetenz stehen. Im Dezember sang sie mit den Münchner Philharmonikern Bach unter Andrea Marcon (ein anderer Solist war in diesem Programm Altus Matthias Lucht). Am 13. März wird sie unter Marcon in Basel mit La Cetra in der Matthäus-Passion singen. Sie arbeitet auch viel mit der Stuttgarter Bachakademie unter Hans-Christoph Rademann zusammen. In dessen Projekt „Vision.Bach“ mit den Kantaten des ersten Leipziger Jahrgangs war sie bei vielen Konzerten dabei. Und davon gibt es ja auch CD-Einspielungen. Das ist allemal „Champions League“ in Sachen Bach.

Die anderen drei Solisten

Zwei Tage nach der ersten Johannes-Passion 1724 führte Bach zu Ostern seine schon aus Weimar stammende Kantate „Der Himmel lacht, die Erde jubilieret“ BWV 31 auf. Sie endet in der Gewissheit der Auferstehung mit Sopran-Arie und Choral über den eigenen Tod: „Letzte Stunde brich herein“. Rademanns Aufnahme mit der Gaechinger Cantorey (Hänssler Classic 23032) von BWV 31 ist absolut sensationell. Und wenn Miriam Feuersinger die erwähnte Sopran-Arie singt, ist auch am Endgerät ein Bach-Gesang zu erleben, wie er inniger, tiefer und schöner nicht vorstellbar ist. Am 28. März singt Miriam Feuersinger mit der Gaechinger Cantorey unter Hans-Christoph Rademann beim Stuttgarter Bachfest dann die Sopran-Partie in der h-moll-Messe.

Auch die anderen drei Solisten der Speyerer Passionskonzerte gehören zur Spitzengruppe der Sängerinnen und Sängern im Bach-Fach: Der Bassist Markus Flaig, der schon 2024 in Speyer den Christus gesungen hat, die Altistin Elvira Bill, die auch bei „Vision.Bach“ der Bachakademie dabei war und demnächst sowohl bei „Bachkantaten in Vorarlberg“ als auch bei der Bach-Stiftung St. Gallen singt, und der Tenor Florian Cramer.

Info

Die Johannes-Passion von Johann Sebastian Bach erklingt in der Friedenskirche St. Bernhard in Speyer am Samstag, 7. März, 19 Uhr und Sonntag, 8. März, 16 Uhr. Vorverkauf ist in der Tourist-Info Speyer, www.reservix.de, beim RHEINPFALZ-Ticket Service und in der Dom-Info.

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