Speyer „Sofort in das Land verliebt“
Sie bringt Kindern das Lesen bei und lebt bei Ordensschwestern in einem Kloster. „Das klingt alles viel spießiger, als es eigentlich ist“, sagt Meike Herbert. Die Speyererin verbringt ein Jahr als Freiwilligendienstlerin in Masaka, in der Nähe von Kigali, der Hauptstadt Ruandas. Dabei lehrt sie nicht nur, sie lernt auch viel für ihr Leben.
„Ich habe gelernt, mich an den kleinen Dingen im Leben zu freuen und nicht wegen Sachen, die fehlen, zu ärgern“, sagt die 20-Jährige. Damit meint Herbert beispielsweise fließendes Wasser und Strom – keine Selbstverständlichkeit in Europas Nachbarkontinent. Im Gegenzug gebe es im Partnerland von Rheinland-Pfalz aber auch viel Positives. Sie sei überwältigt von der Natur, den saftig grünen Feldern, den Bergen und Hügeln. Und dann sind da auch noch die Menschen. „Ich habe bisher keinen Ruander kennengelernt, der nicht gerne Musik hört und dazu tanzt.“ Zudem seien die Leute lockerer und offener. Davon könnten die Deutschen „sich ruhig mal eine Scheibe von abschneiden“, findet Herbert. Doch nicht alles ist positiv: „Auch wenn die Hauptstadt sehr gut entwickelt scheint, gibt es hungernde Kinder, die zusätzlich nicht zur Schule gehen können.“ Zudem habe sie einige Kinder in zerlumpten Kleidern gesehen, „was mich natürlich geschockt hat“. Knapp sechs Monate nach ihrem Abitur am Kaiserdom-Gymnasium im März 2017 ist sie für ein Jahr nach Ruanda gereist – von August bis August. Für die 20-Jährige ging damit ein Traum in Erfüllung. Sie sei bereits 2014 im Zuge eines Schüleraustauschs in Ruanda gewesen. „Ich habe mich sofort in das Land verliebt.“ Nun ist sie zurückgekehrt, um dort zu arbeiten. In der St. Vincent Pallotti Primary School in Masaka (einer Grundschule) sind Herbert und ihre Mit-Freiwillige Barbara aus Regensburg verantwortlich für die Bibliothek. Zusätzlich geben die beiden Leseunterricht in den zweiten und dritten Klassen. Eine Arbeit, die ihr sehr viel Spaß macht, wie sie betont. Auch, wenn sie deshalb nicht viel Freizeit hat. Der Tag in der Schule beginnt um 7 Uhr und endet, nach je einer Frühstücks- und Mittagspause, um 17 Uhr. „Danach bleibt eigentlich keine Zeit mehr, groß etwas zu unternehmen.“ Das sei aber kein Problem, die Ordensschwestern, in deren Kloster sie lebt, hätten sich einiges von der Lebensart der Ruander abgeschaut. „Man wird umsorgt, es ist immer jemand für dich da, außerdem sind sie total lustig und lieben es, wenn es etwas zu feiern gibt.“ Über den Orden der Pallottinerinnen ist Herbert auch zu ihrem Jahr in Ruanda gekommen. Über eine Freundin ihrer Mutter habe sie von dem Orden erfahren. Motto: „Mitleben, mitbeten, mitarbeiten und Brücken bauen“. Seit 1988 habe der Orden mehr als 500 Menschen in die Welt entsendet, erläutert die Speyererin. Die Freiwilligen sollen „mit den Menschen vor Ort kommunizieren, sich auf das Land einlassen und die Landessprache lernen.“ Also wirklich eine Brücke zwischen den Menschen aus beiden Welten aufzubauen. Der Auslandsaufenthalt wird zu 75 Prozent vom Entwicklungsministeriums gefördert. Das letzte Viertel tragen die Pallottinerinnen, die sich laut Herbert über Spenden freuen. Spendenkonto Empfänger: Pallottinerinnen/MaZ; Verwendungszweck: 17-18/003 + Spender-Adresse; IBAN: DE52 7509 0300 0102 1839 35; BIC: GENODEF1MO5.