Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel So herrlich klingt der Frieden

Szene aus „König Keks“ in der Gedächtniskirche.
Szene aus »König Keks« in der Gedächtniskirche.

Es waren zwei fulminante Aufführungen von Peter Schindlers Musical-Oper „König Keks“ mit Kinderchören an der Gedächtniskirche unter Simone Pepping.

Peter Schindler, der wunderbare Poet und Tondichter, nicht zuletzt im Bereich Jugendliteratur, hatte auf welchen Wegen auch immer davon erfahren: In der Gedächtniskirche Speyer würde es zwei Aufführungen seiner Kinderoper „König Keks“ geben; am Wochenende, just dem Datum seines 66. Geburtstags am gestrigen Sonntag. Und aus Freude darüber meldete er sich spontan per Telefon aus Berlin im Hause Pepping-Sattelberger.

Und regelrecht gejubelt hätte er vermutlich, hätte er die Speyerer Inszenierung von Simone Pepping live miterleben können. . „König Keks“ folgt über zwei Akte hinweg den Spuren des großen Musikdramas; operiert mit Arien und Rezitativen, Songs, Chor- und Ballettszenen. Und im „Graben“ vor der weitläufigen Altarbühne agieren ein Streicher besetztes Salonorchester und eine Blechbläser-Formation nebst Querflöte und Percussion, diesmal vom Klavier aus hochinspiriert und engagiert geleitet von Robert Sattelberger.

Witzig geistreiche Texte

Schindlers witzig geistreiche Texte, erst recht seine vor „Ohrwürmern“ nur so strotzende Musik tragen über die zwei Stunden. Es gibt Schmacht und Schmelz, aber auch Groove und Pepp, denn es geht ja um den Zwist zwischen schokoladiger Süße und feurigem Pfeffer und wie beides am Ende so herrlich zusammen mundet.

Dass Prinz Nougat (Edith Schauren), der Thronfolger von „Krokantien“ nach seiner Gourmet-Reise in die Karibik erst einmal die Verkupplungsbestrebungen seines Vaters König Keks abwehren und vorsichtshalber zu einer Heldentat schreiten muss, die allerdings rechtzeitig zum Ende von Akt 1 scheitert, würzt die Handlung mit Witz, Spannung und Tempo; Ähnliches widerfährt der fernen Geliebten auf der Chili-Insel, auch sie wehrt sich erfolgreich gegen Freier aus dem Sortiment Sauerkraut-Ritter, Curry-Muskat-Sultan und Gulaschkanonen-Baron; rettet dafür ihren Liebsten mit List und Pfeffer-Salve aus der Hand eines Krümelmonster-Duos (Abel Gresch, Nora Weimer) im mystischen Baumkuchenwald. Zwischen allem aber agiert klug und engagiert der großartige Obergummibär „Gelatino“, Haushofmeister von König Keks und ein echter Nachfahre des Commedia-del-Arte-Buffetto; hinreißend pfiffig und facettenreich, einfach souverän verkörpert von Paula Schlosser.

Endlich Frieden!

Am Ende tauche Totgeglaubte auf, lässt Schindler die beiden Königsväter noch ein bisschen klangreich scharmützeln – natürlich, die Männer kapieren es mal wieder als Letzte -, bis sich auch die beiden Armeen der Gummibärchen und Salzstangen zur Hochzeitsmelange von Schoko und Chili beim Pfefferkuchenschmaus jubelnd vereinen. Endlich Frieden!

Das alles ist wunderbar, hat Tiefsinn, dabei einen hohen Unterhaltungs- und verlockenden Klangwert. Simone Pepping-Sattelberger hat diese Mammutaufgabe in geradezu exemplarischer Weise gemeistert. Es war ein Fest der schönen jungen Stimmen bei allen Solisten; und Lisa Gresch (König Keks), Semima Riehle (Baron Pfefferkorn), Ava Volkwein (Olivia Pfefferkorn) und Nougat und Gelantino, setzten auch schauspielerisch Akzente. Wie überhaupt das komplette Ensemble engagiert und selbstbewusst über die Bühne gingen.

Festschmaus für die Augen

Nicht zuletzt brauchte es auch die Phalanx der beiden Chöre – da waren schon die Kleinsten der Kurrenden mit von der Partie -, die das Szenario gleichsam bewachten und sich zu gegebener Zeit klangvoll einmischten.

Blitzsauber und punktgenau begleitete das fabelhafte Instrumental-Ensemble das Geschehen, brachte Lyrisches ebenso akkurat auf den Punkt wie den drängenden Puls der „Pfeffer“-Rhythmen.

Beseelte Produktion

Die Bühne bot einen Festschmaus für die Augen. Die üppige, überbordend farbenfreudige Ausstattung war einem zehnköpfigen Stab von Näherinnen und die auf Großleinwand projizierten Bühnenbilder hatte Simone Sattelberger szenenaffin per KI erstellt. Und die Wirkung war nachdrücklich. Alles war Einladung zum Eintauchen in Orte und Atmosphäre. Die Technik (Sebastian Müller und Greta Resch) sorgte für Ton- und ausgeklügelte Lichttechnik.

Dies war eine überaus aufwendige, von Schwung, liebevoller Detailfreude und wirklich fantastischer Einfühlung ins Sujet gleichermaßen beseelte Produktion.

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