Harthausen
Siegfried Keller bei Kunstwettbewerb erfolgreich
„Lebensfreude und Spaß“: Das symbolisieren die beiden Skulpturen, die ein wenig wie eine Kreuzung zwischen Schnecke und Spirale aussehen. Siegfried Kellers Werke bilden den kindlichen Purzelbaum nach, der „natürliches, ursprüngliches Spielen von Kindern“ ist. Denn Spielen bereitet nicht nur Tierkinder auf das Leben vor, sondern ganz genauso auch Menschenkinder. Die Leichtigkeit des Spielens – und hier des Purzelbaums – lehrt Kinder, sich unter anderem bei Stürzen abzurollen. So betrachtet sehen die Spiralenschnecken tatsächlich wie eine Rollbewegung aus.
Die beiden Figuren aus heimischem, witterungsbeständigem, beigefarbenem Sandstein sind für die Kita St. Nikolaus in Kirchen (Sieg) gefertigt. Sie sollen zum Erkunden, Draufkrabbeln, Lümmeln und Erfühlen der unterschiedlichen Oberflächen anregen. Auch verschiedene Lichteinfälle werden durch das bruchsichere, bunte Glas ermöglicht.
Kunst in Kitas liegt im Trend
Aktuell werden Skulpturen für viele Kitas gestaltet, beobachtet Keller. Auch die Ausschreibungen von „Kunst am Bau“, an denen er teilnimmt, beinhalten viele Aufträge für solche Einrichtungen. In Rheinland-Pfalz wird dazu „ein Wettbewerb ausgelobt“, an welchem schon „20 bis 30 Künstler“ teilgenommen haben. „Ein Quäntchen Glück gehört neben dem Können dazu“, um wie Keller als Sieger aus so einem Wettbewerb hervorzugehen. „Aktuell habe ich sechs Wettbewerbe gewonnen“, vor allem für Kitas und Grundschulen. Einer davon mit den „Purzelbäumen fürs Leben“. Die Statuen, die über zweieinhalb Tonnen wiegen, „sind fast fertig, aber von baulicher Seite verzögert es sich noch“.
Die Materialien für seine Kunstwerke sind unterschiedlich. Stahl, Polychrom, Sandstein, aber auch Glas kommen zum Einsatz. „Es gibt einen kleinen Steinbruch in der Nähe von Bitburg, dessen warme, schöne Anmutung ich sehr gern habe“ und der wie Holz aussieht. Sandstein ist sehr unterschiedlich in Haptik und Färbung. Auch beinahe regenbogenfarbene Exemplare gibt es – ein Kunstwerk aus einem solchen Sandstein, das „Tor zur Sonne“, steht am Ortseingang von Harthausen und fängt in seiner Schale in einem bestimmten Winkel die Sonne ein. Manchmal kommen auch Diabas und Granit aus Europa bei seinen Werken zum Einsatz. Für Kitas und Schulen fokussiert das Bundesland bei Kunstwerken „eine spielerische und interaktive Auseinandersetzung mit der Kunst“. Das Material für solche Wettbewerbe ist freigestellt, muss aber auch in der Verarbeitung Sicherheitsstandards entsprechen. Das ist einer der Gründe, warum Keller organische, runde Formen ohne Fallhöhe wählt. Und die Materialien selbst sollen möglichst nachhaltig sein.
Skulptur auch für beeinträchtigte Kinder geeignet
Was die Jury erwartet, kennt Keller aus eigenen Teilnahmen an Wettbewerben sehr gut. Aber er ist mittlerweile auch selbst Teil der Jury und im „Berufsverband Bündnis Kunsthandwerk Rheinland-Pfalz“ aktiv. Für die Purzelbäume wurde ein Modell in Hanglage gesucht. „Das hat mir die Idee eingegeben, denn Kinder neigen zu Purzelbäumen.“ Auch blinde Kinder oder Kinder mit Autismus können an einem solchen Kunstwerk Spaß haben, wenn sie es intensiv haptisch untersuchen oder anschauen, denn der Stein ist ein „Handschmeichler“ mit sich verändernden Strukturen.
Keller selbst meint, er habe mit seinem Lebenslauf Glück gehabt, denn er kommt aus einer Familie, dessen Vater Steinmetz war und der auch Interesse für Kunst hatte. „Ich habe mich nach und nach reingearbeitet und war früh auf Ausstellungen, zum Beispiel im historischen Tabakschuppen.“ Seitdem folgten weitere Ausstellungen unter anderem in Mainz und ein kurzer Aufenthalt in der Schweiz bei einem Bildhauerbetrieb. Selbstständig als Meister mit einem eigenen Steinmetz-Betrieb ist er seit 1992 und gestaltet seitdem künstlerische Grabmale und Restaurierungen, „auch anspruchsvolle“. Er macht gern bei Wettbewerben mit, um sich der Herausforderung zu stellen – „das ist wie eine Challenge für mich“.
Kunst sei „Nahrung für die Seele“
Wenn ihn Zweifel überkommen oder er sich nicht so gut – zum Beispiel – mit der Schriftgestaltung auskennt, tauscht Keller sich mit anderen aus. Für aktuelle Projekte hat er schon mehrere Ideen. Kunst sei „sehr wichtig und fundamental“ für den Menschen. „Der Mensch lebt nicht nur vom Brot allein“, die Kunst sei „Nahrung für die Seele“, meint er. Gerade auch für Kinder sei sie wichtig, denn die Schule sei durch die Hervorhebung der rationalen Fächer zu sehr beschnitten. Kinder bräuchten einen Ausgleich, bei dem sie ihre Fantasie frei entfalten könnten, so Keller.