Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Selbstversuch: Plastikfrei im Speyerer Umland einkaufen

Verpackt die Wurst in einer vom Kunden mitgebrachten Tupperdose, die auf einem Tablett steht: Frank Knoll, Leiter der Wurst- und
Verpackt die Wurst in einer vom Kunden mitgebrachten Tupperdose, die auf einem Tablett steht: Frank Knoll, Leiter der Wurst- und Fleischabteilung im Waldseer Wasgau. Diese Methode gibt es auch in anderen Supermärkten. Foto: Lenz

Das neue Jahr ist noch ganz frisch, die guten Vorsätze auch. Mein guter Vorsatz für 2020: Ich möchte Plastikmüll vermeiden. Doch was ist machbar, wenn man im ganz normalen Supermarkt vor Ort einkaufen möchte? Wo stößt man an die Grenzen? Und wie sieht es mit den anderen Kunden aus – praktizieren die vielleicht schon längst, was ich endlich auch entdecke?

Das zeigen ein Besuch bei Wasgau in Waldsee, wo ich mit Marktleiterin Tatjana Langner spreche, und Telefonate mit Ute Hauguth vom Edeka Hauguth in Heiligenstein, Sonja Bock vom Rewe in Schwegenheim und Franz Mühleisen vom Ottermarkt in Otterstadt – einem privaten Vollsortimenter.

Gemüsetheke: Immer mehr Netze

Los geht’s an der Obst- und Gemüsetheke. Dort gibt es in allen vier Märkten wiederverwendbare Netze. Die habe ich längst in meiner Einkaufstasche, und wenn ich sie nicht dabei habe, lege ich das Obst lose aufs Kassenband. Kein Problem. Nur Brokkoli gibt’s bei uns zu Hause schon länger nicht mehr zu essen, er ist in Folie verpackt. Und beim Salat greife ich zähneknirschend zu, auch wenn mich die Verpackung ärgert. Bio-Gurken und Paprika kommen inzwischen ohne Plastikhülle aus. Das sei allerdings ein harter Kampf gewesen, erklärt Wasgau-Marktleiterin Tatjana Langner und weist mich darauf hin, dass man bei den Verpackungen genauer hinsehen sollte. „Die Verpackung um die Kräuter sieht aus wie Plastik, ist aber aus Rohrzucker. Die können Sie samt Etikett in den Biomüll werfen.“ Allerdings habe die Folie bei empfindlichem Gemüse schon auch einen Sinn, erklärt Sonja Bock vom Schwegenheimer Rewe. Die Ware sei deutlich länger haltbar, man müsse deshalb abwägen, was das größere Übel sei: Lebensmittel wegwerfen oder die Plastikverpackung?

Die Einkaufsnetze werden von den Kunden immer mehr angenommen, erklären die Marktleiter. Nur Franz Mühleisen vom Ottermarkt hätte sich da mehr erwartet. Er möchte eine Aktion starten und seinen Stammkunden solche Netze schenken. Bei Edeka in Heiligenstein gibt es überhaupt keine Plastiktüten mehr. Wer kein Netz mitnimmt, bekommt Papiertüten.

Wursttheke: Spezielle Methode

Weiter geht es an die Fleisch- und Wursttheke. Das Selbstbedienungsregal mit den abgepackten Waren lasse ich links liegen. Ein Trend, den die Marktleiter generell bemerken. Vor allem bei jungen Leuten. Auch in diesem Bereich kann ich plastikfrei einkaufen. Wasgau, Rewe und Edeka haben dasselbe System: Frank Knoll, Leiter der Wurst- und Fleischabteilung des Wasgaus, erklärt es: Kunden bringen ihre Behälter mit, stellen sie auf ein Tablett, das der Metzger auf die Theke stellt. Fleisch oder Wurst wird dann abgewogen und in die Behälter gefüllt. Der Metzger berührt den Behälter nicht, der Kunde verschließt ihn und klebt das Etikett selbst drauf.

Einen Haken hat das System, wie mir beim Gulaschkauf klar wird: Die Fleischstücke werden in einer Plastiktüte abgewogen und in die Schüssel gefüllt. Technisch sei das nicht anders machbar, sagt Knoll. Aus technischen Gründen funktioniert diese Tablett-Methode beim Ottermarkt nicht. Während die Methode bei Edeka in Heiligenstein ganz gerne angenommen wird, könne man die Kunden bei Wasgau dabei noch an einer Hand abzählen, bedauert Knoll.

Auch anderes nehmen Kunden nur zögernd oder gar nicht an: Eier in Mehrwegboxen oder Pappkartons an der Salatbar bei Rewe. Rewe-Marktleiterin Sonja Bock macht mich darauf aufmerksam, dass ich auch beim Getränkekauf aufpassen sollte: Kunden würden nämlich oft nicht erkennen, ob es sich bei Plastikflaschen um Einweg- oder Mehrwegflaschen handele, denn Einwegflaschen werden auch in Kästen angeboten. Bei Wasgau steht über jeder Getränkesorte „Einweg“ oder „Mehrweg“. Das habe ich auch noch nicht bemerkt.

Müllvermeidung ist möglich

Ich stelle fest: Bei Gemüse, Fleisch und Getränken kann ich bewusst etwas tun, um Müll zu vermeiden. Auch Milch, Sahne und Joghurt gibt es in Glasbehältern. Beim Blick in das restliche Sortiment verliere ich ein bisschen den Mut: alles verpackt! Auch da wird sich etwas tun, ist sich Wasgau-Marktleiterin Tatjana Langner sicher. Sie zeigt mir Einmalbesteck und -Geschirr aus kompostierbaren Material, erklärt, dass Aufbackfisch inzwischen in Papier- statt Aluformen angeboten werde, und empfiehlt die Plastikhüllen von Küchenrollen und Toilettenpapier als Müllbeutel sowie Seife statt Duschgel in Plastikflaschen zu nutzen.

In anderen Ländern sei man viel weiter, sagt Langner: In Frankreich werden kompostierbare Plastiktüten angeboten, in England werde vieles in Papier ohne Innenfolie verpackt. In Deutschland brauche es halt noch ein bisschen, sagt sie. Doch es werde sich etwas tun – auch bei den Supermarkt-Konzernen. Beim Wasgau-Unternehmen seien drei Mitarbeiter für den Themenbereich Nachhaltigkeit eingestellt worden, sagt Langner.

Mein Fazit: Ich kann die Welt nicht retten, aber ich kann einen Anfang machen. Es erfordert ein Umdenken, ich muss eben Schüsseln einpacken, bevor ich zum Einkaufen gehe und genauer hinsehen. Und es gibt ja auch noch die Wochenmärkte. „Wenn das alle machen würden, wären wir ein Stück weiter“, denke ich. Beim Verlassen des Wasgaus schüttele ich vorsichtig eine Packung Müsli und stelle fest: Es raschelt laut, also keine Innenverpackung mehr. Na bitte, es geht doch.

Zur Sache: Was mit dem Plastikmüll passiert

Wenn Plastik schon nicht ganz vermieden werden kann, stellt sich die Frage: Was passiert eigentlich mit dem Plastikmüll im Gelben Sack? Das erklärt der für die Abfallwirtschaft im Rhein-Pfalz-Kreis zuständige Kreisbeigeordnete Volker Knörr (CDU). Die Gelben Säcke aus dem Rhein-Pfalz-Kreis kommen in eine Sortieranlage nach Worms. Dort werden sie automatisch sortiert in Folien, „PO-Flaschen“, Hohlkörper, Mischkunststoffe, Weißblech, Aluminium, Getränkekartons, sonstiger Verbund und Sortierreste. Die Kunststoffarten werden aufgetrennt. Rund 60 Prozent könnten, nach Aussage von Knörr, so recycelt werden. Das geschehe innerhalb Deutschlands oder zumindest in der EU. Der Rest werde in Müllheizkraftwerken verbrannt und so Energie gewonnen. Eins ärgert Knörr allerdings: „Warum kriegt es Deutschland nicht hin, Mischkunststoffe zu verbieten?“ Das landet alles in der Verbrennung, ebenso wie nicht sauber sortierte Wertstoffe. Also: Aludeckel vom Joghurtbecher trennen, sonst erkennt es die Sortieranlage nicht.

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