Speyer / Schwetzingen
Schwimmschule raus aus dem Bademaxx: Kinder verlieren Trainingsplätze
„Überall wird davon geredet, dass viel zu wenige Kinder schwimmen können. Seit Jahren predigen Politik und DLRG, sogar mit öffentlicher Werbung, dass Kinder dringend schwimmen lernen müssen. Und dann bringt eine Stadt so eine Aktion, die zirka 200 Kindern erst mal die Möglichkeit nimmt, schwimmen zu lernen“, sagt Jochen Hirt. Seine Kinder lernen beziehungsweise haben bei Wasserwelten – einem Anbieter für Schwimmkurse aus Schwetzingen – gelernt, wie man sich sicher im Wasser bewegt. Das war bis zuletzt im Bademaxx in Speyer möglich. Doch damit ist Schluss: Die Schwimmschule darf ihre Kurse dort nicht mehr anbieten. Jochen Hirt muss mit seiner Tochter nun nach Hockenheim ins Schwimmbad fahren, wo sie weiter bei Wasserwelten schwimmen lernen kann. Das bedeutet für den Speyerer: „längere Fahrtdauer, höhere Fahrtkosten und höherer Eintritt ins Bad für die Eltern, die ihr Kind zum Kurs bringen“.
Hirt geht es aber nicht um seine Kinder, sondern vielmehr um das „generelle Problem“, dass in der Stadt ein Schwimmangebot für Kinder wegfällt. Er ist der Meinung, dass die Stadtwerke als Betreiber des Bademaxx’ dieses Angebot nicht von heute auf morgen mit genauso vielen Plätzen und ausreichend qualifizierten Trainern ersetzen können.
Wasserwelten: 50 Kinder betroffen
„Wir sind über das Ende der Zusammenarbeit mit dem Bademaxx sehr traurig“, sagt Svenja Heinz, Sportwissenschaftlerin, ehemalige Leistungsschwimmerin und Geschäftsführerin von Wasserwelten, auf RHEINPFALZ-Anfrage. Die Schwimmschule, die vom ehemaligen Leistungstriathleten Henry Brauer vor 16 Jahren gegründet wurde, hat drei Jahre lang Schwimmkurse im Bademaxx angeboten. Das Aus bedeutet, dass bei zirka 50 Kindern die Schwimmausbildung abgebrochen beziehungsweise unterbrochen werde. „Unser Vertrag mit dreijähriger Laufzeit wurde von Seiten des Bademaxx gekündigt. Es fanden noch kurze Vertragsverhandlungen statt. Das Bademaxx wollte uns jedoch vorschreiben, welche Preise wir für unsere Kurse verlangen dürfen und uns somit in unserer unternehmerischen Freiheit einschränken. Dem haben wir nicht zugestimmt“, berichtet Heinz. Für Wasserwelten macht die „überraschende Entscheidung“ nach Angaben der Chefin einen finanziellen Schaden im fünfstelligen Bereich aus sowie den Verlust von drei Trainern, die nur in Speyer Kurse anbieten wollten.
Heinz’ Angaben zufolge hat Wasserwelten ein eigenes Schwimmkonzept entwickelt. Dabei werden Quereinsteiger innerhalb weniger Wochen zum Schwimmtrainer ausgebildet – Schwimmverbände nennen eine Ausbildungszeit von zwei Jahren. „Mit Vorerfahrung und Zeit der Bewerberinnen können wir beispielsweise binnen vier Wochen Anfängerschwimmtrainer ausbilden“, sagt die Wasserwelten-Geschäftsführerin. Die Ausbildung richtet sich zum Beispiel an Personen, die nebenberuflich als Schwimmtrainer tätig werden wollen, oder Mütter, die die Ausbildung und die Trainingszeiten an ihren individuellen Bedürfnissen und die ihrer Familie ausrichten könnten. Die Qualität sei gewährleistet: „Es gibt mehrere schriftliche und praktische Prüfungen, bis wir jemanden als Trainerin oder Trainer einstellen“, sagt Heinz.
Stadtwerke störten sich an den Preisen der Kurse
Sonja Daum, Sprecherin der Stadtwerke (SWS), sagt auf Anfrage, dass der Dreijahresvertrag mit der Schwimmschule ausgelaufen sei und sich die Stadtwerke die Entscheidung zur Beendigung nicht leicht gemacht hätten. „Ausschlaggebend waren die aus unserer Sicht höheren Kurspreise, häufigere Ausfälle sowie ein Kurskonzept, das im Rückblick nicht unserem Ansatz entspricht“, sagt Daum. Das Kurskonzept von Wasserwelten sei als aufeinander aufbauendes System („Kettenkurse“) angelegt. Das bedeute, dass Kinder nach einem Einstiegskurs in weitere Folgekurse wechselten und so über einen längeren Zeitraum Plätze belegten. „Unser Ansatz ist es jedoch, mehreren Kindern möglichst früh einen Zugang zum Schwimmenlernen zu ermöglichen“, sagt die Stadtwerke-Sprecherin. Der Betreiber des Bademaxx’ will nach Angaben von Daum künftig stärker „auf eigenständig organisierte Kurse mit klaren Lernzielen, moderatere Preise und das Ziel, mehrere Kursplätze für Einsteiger zu schaffen“, setzen.
Dafür bietet das Bademaxx seit Mitte April zunächst fünf eigene Schwimmkurse an. Ein 1:1-Ersatz des bisherigen Angebots sei nicht vorgesehen, sagt die Stadtwerke-Sprecherin. Ziel sei jedoch, in ähnlichem Umfang beziehungsweise darüber hinaus Kurse anzubieten. Neben den eigenen Kursen stellt das Bademaxx seine Wasserflächen noch anderen Anbietern zur Verfügung. „Wir sind damit breit aufgestellt“, sagt Daum. Anbieter seien Schulen, Kitas und Vereine (DLRG, Wassersportverein Speyer). Zudem biete Ines Lause-Hassel Workshops für Eltern an, um ihren Kindern selbst das Schwimmen beizubringen – zusätzlich zu ihrem Online-Angebot. Die Stadtwerke können nach Angaben ihrer Sprecherin allerdings nicht beziffern, wie viele Schwimmkurse und Plätze es gibt und wie die Wartezeiten sind, da viele Angebote in eigener Verantwortung der jeweiligen Anbieter organisiert werden und sich Umfang sowie Laufzeiten unterscheiden.