Speyer
Schutzstreifen für Radfahrer werden gelobt
Radwege, Radfahrstreifen, Schutzstreifen – welches sind die Unterschiede?
Radwege sind baulich von der Straße getrennt und verlaufen oft zwischen Gehweg und Fahrbahn. Wenn sie mit blauen Verkehrsschildern markiert sind, sind sie benutzungspflichtig. Radfahrstreifen sind Fahrradwege, die sich auf der Straße befinden. Sie werden von der Kfz-Fahrbahn mit einem durchgezogenen Strich abgetrennt und zum Beispiel durch Piktogramme gekennzeichnet. Schutzstreifen gelten hingegen als Teil der Fahrbahn. Ihre Abtrennung erfolgt durch eine unterbrochene, gestrichelte Markierung. Autofahrer dürfen sie ausnahmsweise befahren, etwa um Lkw oder Bussen im Gegenverkehr auszuweichen. Sie dürfen aber nicht auf Schutzstreifen halten oder parken.
Wie oft kommen die verschiedenen Formen von Radwegen in Speyer vor?
Im Speyerer Stadtgebiet gibt es nach Auskunft der Stadtverwaltung derzeit rund 20 Kilometer reine Radwege, etwa 35 Kilometer gemeinsame Geh- und Radwege sowie rund 1,5 Kilometer Schutzstreifen. Radfahrstreifen gibt es (noch) nicht. Dazu kommen einige Fahrradstraßen, in denen Radler auf der gesamten Fahrbahn Vorrang haben: rund um das St.-Vincentius-Krankenhaus/Doppelgymnasium und in der Mühlturmstraße. In Tempo-30-Zonen werden in der Regel keine neuen Streifen oder Radwege angelegt.
Wie fällt die Abwägung im Straßenverkehrsamt aus, wenn es um die unterschiedlichen Möglichkeiten geht?
Die jeweilige Entscheidung hängt laut Stadt „maßgeblich von den örtlichen Gegebenheiten, insbesondere der Fahrbahnbreite, ab“. Für einen Radschutzstreifen sei eine Fahrbahnbreite von mindestens 7,50 Metern erforderlich. Für einen Radfahrstreifen würden 10,20 Meter benötigt – zuzüglich eines 0,75 Meter breiten Sicherheitsbereichs, falls Parkplätze am Fahrbahnrand vorhanden sind. „Aufgrund der oftmals engen Straßenverhältnisse in Speyer können Fahrradstreifen in vielen Bereichen nicht angeordnet werden“, so eine Verwaltungssprecherin. Stattdessen könne dann auf Schutzstreifen gesetzt werden, um den Radverkehr sichtbar zu führen und das Bewusstsein im motorisierten Verkehr zu stärken.
Was heißt das für künftige Planungen?
In der Bahnhofstraße endet der Radweg künftig bei der Einmündung Obere Langgasse stadteinwärts ein Stück früher, und es kommt mit dem Umbau der Bushaltestelle ein neuer Schutzstreifen hinzu (ähnlich auf der gegenüberliegenden Seite). Es gab auch schon Pläne, ab dem Bahnhof auf Schutzstreifen zu setzen, die derzeit aber nicht weiterverfolgt werden. Ein neuer Schutzstreifen ist laut Stadt auch in der Landauer Straße, Kreuzung Karolingerstraße/Schwerdstraße, vorgesehen. Für Radfahrstreifen gebe es keine Pläne – und auch keinen Platz: dafür sei „in den meisten Fällen eine Änderung des Straßenquerschnitts erforderlich, was üblicherweise nur bei einem Vollausbau erfolgt“.
Funktionieren die Schutzstreifen?
Sie werden als guter Kompromiss wahrgenommen. Die Stadtverwaltung wertet sie grundsätzlich positiv – „auch wenn nicht mehr alle Schutzstreifen aufgrund ihres Alters den derzeit gültigen Regelwerken in Bezug auf die Breite entsprechen“. Beispiel: Obere Langgasse, wo die erwünschten 1,50 Meter je Richtung nicht erreicht werden. Weitere Schutzstreifen gibt es beidseitig – aber nicht auf der gesamten Länge – im Hirschgraben, in der Karl-Leiling-Allee und in der Lindenstraße. Nur in einer Fahrtrichtung wird auf sie in der Schützenstraße, Iggelheimer Straße und Industriestraße/Klipfelsau gesetzt. Sie leisten laut Stadt einen Beitrag zur Sicherheit des Radverkehrs: Radlern werde ein Abstand zu parkenden Fahrzeugen sowie zu Fahrbahnrändern, Bordsteinen und Sinkkästen ermöglicht. Auch der Sachbereich Verkehr der Polizeiinspektion Speyer befürwortet sie: Wo die Stadt entsprechend plane, unterstütze das die Polizei. Ihr sei in dieser Hinsicht bislang „keinerlei Fehlverhalten der motorisierten Verkehrsteilnehmer“ gemeldet worden.
Sehen das auch Fahrrad-Lobbyisten so?
Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) vertritt für die Radverkehrsplanung ohnehin die Maxime „Runter vom Radweg, rauf auf die Straße“, wie der Speyerer Verbandsvorsitzende Werner Zink erläutert. In Speyer freue er sich deshalb über jeden neuen Schutzstreifen. Er sehe – etwa in der Landauer Straße – noch mehr Möglichkeiten dafür. Wenn er selbst mit seinem Zweirad innerhalb der gestrichelten Linien unterwegs sei, kämen ihm zwar Autofahrer teilweise recht nah, er habe aber noch keine wirklich gefährlichen Situationen erlebt, so Zink. Auch wenn in der historischen Domstadt wegen der Straßenquerschnitte nicht immer die gewünschte Regelbreite erreicht wird, gelte für ihn: „Besser solche Streifen als gar keine.“
Mitmachen
Was halten Sie von Schutzstreifen für Radfahrer auf Speyers Straßen? Und welche Verkehrsmittel nutzen Sie vorrangig? Schreiben Sie uns an redspe@rheinpfalz.de.
