Speyer
Schneise der Verwüstung
Entwurzelte Bäume, beschädigte Autos und abgedeckte Dächer: Ein kurzes, aber heftiges Unwetter hat in der Nacht zum Sonntag eine Schneise von Iggelheim über Schifferstadt bis nach Waldsee geschlagen. Die Feuerwehren waren von etwa 1 Uhr nachts bis weit in den Sonntag hinein im Einsatz.
Schifferstadt/ Waldsee. Wie zerknüllte Alufolie liegt das Blech auf dem begrünten Zwischendach. „Die Dachhaut ist wie ein Blatt Papier da oben runtergefaltet worden“, sagt Michael Pack, Referatsleiter für kreiseigenes Bauen bei der Kreisverwaltung, und blickt aus dem Fenster der Klasse 10a. „Sie ist bis zur Hälfte runtergeklappt.“ Die 0,8 Millimeter dicke Dachhaut aus Titanzink ist auf einer Seite des Schifferstadter Gymnasiums durch die vermutlich orkanartigen Böen abgedeckt worden, die in der Nacht zum Sonntag durch Teile des südlichen Rhein-Pfalz-Kreises gefegt sind. Oberlichter aus Sicherheitsglas auf dem Zwischendach sind zerschlagen. Der Teppich im Musikzimmer im Erdgeschoss ist voller Glassplitter. Im Obergeschoss stehen die Wasserpfützen auf dem Boden.
Wasser tropft in die Räume
Mitarbeiter der Kreisverwaltung und Landrat Clemens Körner (CDU) machen sich am Sonntagmittag ein Bild vor Ort. Das Treppenhaus des Gymnasiums wurde in Mitleidenschaft gezogen, denn dort sind wegen einer Sanierung die Fensterscheiben entfernt und offene Bereiche im Treppenhaus nur mit Spanplatten geschützt. Diese waren durch den starken Wind umgefallen.
Es wird wohl ein Ersatz für einige Schulräume benötigt. Denn durch das offene Treppenhaus hat es bis in den Keller geregnet. „Das Wasser tropft in die Räume“, sagt Landrat Körner im Obergeschoss und zeigt auf feuchte Stellen in einem Raum. „Diesen Trakt bis Schulbeginn wiederhergestellt zu haben, ist illusorisch“, meint er. Auf der Liegewiese des benachbarten Kreisbads ist ein Baum entwurzelt. Die Hälfte des Außenbereichs wurde vorsorglich gesperrt. Zudem besteht laut Heribert Werner, Referatsleiter Schulen, Astbruchgefahr. Ebenso im Schifferstadter Stadtwald, wo zahlreiche Bäume gebrochen und geknickt sind.
Von Iggelheim ausgehend schlugen Sturm und Starkregen etwa zwischen 0.30 und 1 Uhr eine Schneise bis nach Waldsee. „Sie ist etwa 800 Meter bis einen Kilometer breit“, schätzt Jörg Strubel, Sprecher der Schifferstadter Feuerwehr.
Giebelwand wird abgetragen
Das benachbarte Waldsee hat es in Teilen des Orts schwer getroffen, teilt Michael Jaspers, Wehrleiter der Feuerwehr der Verbandsgemeinde Rheinauen, mit. Neuhofen und Altrip seien glimpflicher davon gekommen, Otterstadt wurde ganz verschont. Mit drei Drehleitern waren die gut 50 Wehrleute bereits in der Nacht unterwegs. Unterstützung bekamen sie von den Kameraden aus Speyer und Mutterstadt. Denn gut 50 Dächer sind beschädigt, zahlreiche Bäume entwurzelt, Autos durch herabfallende Ziegel ramponiert worden. An einem Rohbau ist eine Giebelwand in Mitleidenschaft gezogen worden und musste vom THW noch in der Nacht abgetragen werden. Besonders betroffen sind nach Angaben des Wehrleiters die Neuhofener Straße in Waldsee („Dort sind mehr als 20 Dächer beschädigt“, sagt Jaspers), das angrenzende Neubaugebiet Lausbühl sowie das Wochenendgebiet. Zudem wurden Verkehrsschilder an der Auffahrt zur Bundesstraße 9 umgeweht, berichten Augenzeugen.
In Waldgebieten droht Astbruch
„Unaufschiebbare Erstmaßnahmen“ erledigten die Wehrleute am Sonntagvormittag, sagt Jaspers. Sie entfernten lose Ziegel, deckten – wenn nötig – auch notdürftig ein Dach ab. Versperrte Straßenzufahrten wurden bereits in der Nacht freigeschnitten – der Waldweg in Richtung Schlicht zum Beispiel. Trotzdem heißt es in Waldgebieten noch Obacht.
Vom Schadensbild her ähnele alles dem Tornado, der vor einer Woche über Bobenheim am Berg im Landkreis Bad Dürkheim hinweggefegt ist, sagt Kreisfeuerwehrinspekteur Patrick Janz. Obwohl die Arbeit der Wehren am Sonntagnachmittag beendet sei, gebe es im Nachgang noch viel zu tun: für Privatleute, Betriebshöfe und eben für die Kreisverwaltung, die eine große Baustelle in Schifferstadt dazubekommen hat.