Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Russenweiher: Warum Hunderte Fische sterben mussten

Still ruht der See: Am Morgen des 12. September dümpeln tote Fische am Ufer des Russenweihers, während im Hintergrund Feuerwehr
Still ruht der See: Am Morgen des 12. September dümpeln tote Fische am Ufer des Russenweihers, während im Hintergrund Feuerwehr und THW Seewasser versprühen, um die restlichen Fische zu retten.

Vor zwei Wochen ist der Russenweiher „umgekippt“. Wie das geschehen konnte, damit hat sich der Speyerer Umweltausschuss beschäftigt. Demnach haben mehrere Faktoren zu dem Unheil beigetragen. Ausgestanden ist die Misere allerdings nicht.

Was genau ist passiert?
Im Verlauf des 11. September kam es im rund 1,9 Hektar großen Russenweiher im Speyerer Süden zu einem akuten Sauerstoffmangel, Hunderte Fische verendeten, Algen breiteten sich auf dem Stillgewässer aus. Der Einsatz von Feuerwehr und THW, die Seewasser versprühten und damit wieder mit Sauerstoff anreicherten, verhinderte, dass das Leben im Weiher erlosch.

Was führte dazu, dass der Weiher „umkippte“?
Die Verwaltung sieht mehrere Ursachen. Zum einen habe die über längere Zeit hohe Lufttemperatur sowie der niedrigere Wasserpegel dazu geführt, dass sich der verbliebene Wasserkörper aufheizte und dadurch weniger Sauerstoff enthielt, führte die städtische Beigeordnete Irmgard Münch-Weinmann (Grüne) aus. Obendrein hätten Angler und Anwohner in einer gemeinsamen, „nicht mit der Unteren Wasserbehörde abgesprochenen Aktion“ Wasserpflanzen ausgerissen und damit Sediment vom Seegrund aufgewühlt. Dies habe das Wasser zusätzlich getrübt und für einen weiteren Sauerstoffverlust gesorgt. Zudem seien Pflanzenteile im See verblieben und hätten sich dort zersetzt, was noch mehr Sauerstoff verbrauchte. Den Ausschlag habe schließlich der Regen gegeben: Kaltes Niederschlagswasser habe auf dem erwärmten Seewasser eine Sperrschicht gebildet und den Sauerstofftransport unterbrochen.

Mehr zum Thema

Wasser marsch: Belüftungsaktion am Russenweiher.
Speyer

Russenweiher: Kritik von früherem Vorsitzenden der Anglerfreunde

Was war mit den eingesetzten Lüftern los?
Laut Münch-Weinmann sind im Russenweiher sechs Lüfter platziert, die für Sauerstoffnachschub sorgen sollen. Von diesen hätten sich zum Zeitpunkt des Umkippens jedoch nur drei im See befunden, die anderen waren schon seit Längerem zur Reparatur im Baubetriebshof. Von den drei Geräten im See seien zwei mit Pflanzenteilen verstopft gewesen, so dass nur eines funktionierte. Derzeit seien wieder fünf Lüfter in Betrieb.

Wie sieht die Zukunftsprognose für den Russenweiher aus?
Das Landesamt für Umwelt in Mainz gehe davon aus, dass sich der Weiher durch die herbstlichen Temperaturen weiter mit Sauerstoff anreichere und sich selbst regeneriere. Wichtig bleibe nach wie vor, den Nährstoffeintrag in den See gering zu halten, also tote Fische zu entfernen und auch keine im und am See lebenden Tiere zu füttern.

Wie können Fischsterben künftig verhindert werden?
Ökologen der damaligen Uni Koblenz-Landau haben in den Jahren 2017 und 2018 den See untersucht. Ergebnis: Das relativ flache und stark vom Zustrom nährstoffreichen Grundwassers beeinflusste Gewässer befinde sich in einem fortschreitenden Prozess der Verlandung. Insofern „war diese Entwicklung zu erwarten“, so Münch-Weinmann. Um den Fortbestand des Weihers zu sichern, müsse für eine dauerhafte Belüftung gesorgt werden. Eine externe Firma soll daher mit der Wartung der Lüfter beauftragt werden. Auch solle ein Konzept erstellt werden, wie die Wasserpflanzen und Uferbereiche gepflegt werden könnten, da vom dichten Bewuchs an den Rändern organisches Material in den See gelange.

Könnte Ausbaggern helfen?
Das Gutachten der Ökologen habe eine Entnahme der meterdicken Sedimentschicht am Seegrund kritisch bewertet. Dies sei ein erheblicher Eingriff in das Ökosystem und könne die Wasserpflanzen schädigen, wodurch es zu einem verstärkten Algenwachstum kommen könne, heißt es in der Studie. Zudem sei der Schlamm sehr wahrscheinlich als Sondermüll zu entsorgen. Das mache die Maßnahme sehr teuer. Auch sei unklar, ob sich Kampfmittel aus dem Zweiten Weltkrieg im See befänden. Besser sei es, den Fischbestand zu verringern und abzufischen. Ein Umsatz von Fischen sei genehmigungspflichtig und teuer.

Welche Pflichten kommen auf die Angler zu?
Die Anglerfreunde Speyer haben das Gewässer seit 1982 als Angelgewässer gepachtet. Ein Gewässerbeauftragter des Vereins müsse die Entwicklung des Sees im Auge behalten und regelmäßig Wasserproben nehmen, um den Sauerstoffgehalt zu messen. Dies solle in einem neuen Pachtvertrag festgeschrieben werden, so die Umweltdezernentin. Frank Hoffmann (CDU) warnte davor, den Vereinsmitgliedern zu viel aufzubürden: „Die Angler sind nicht Teil des Problems.“

Wie sehen es die Angler?
Helmut Claus, seit 35 Jahren bei den Anglerfreunden aktiv und in der Nachbarschaft des Russenweihers aufgewachsen, sieht als Grundproblem, dass der See keinen Zu- und keinen Ablauf habe und sich dadurch mit Nährstoffen anreichere. Die Lüfter seien leider häufig außer Betrieb gewesen. Und die 1983 installierte Fontäne habe nur selten genutzt werden können, weil sich Anwohner über deren Lärm beklagt hätten, und sei schließlich abgebaut worden. Eine Entkrautungsaktion seitens der Angler habe es dieses Jahr nicht gegeben, widerspricht Claus der Verwaltung. Der Verein mähe zwar an den Uferbereichen, lege jedoch nur einige Zugänge zum See frei. Zu mehr reiche die vorhandene Arbeitskraft nicht aus. Da auch die Stadt bisher zu wenig unternommen habe, sei der See ringsum stark zugewachsen. Laut Münch-Weinmann könne man über den Einsatz eines Mähbootes nachdenken.

x