Speyer Ruhe versus Toleranz: Sind Kinder in Restaurants willkommen?

Stein des Anstoßes: Hinweis vor Restaurant auf der Insel Rügen.
Stein des Anstoßes: Hinweis vor Restaurant auf der Insel Rügen.

Heute ist Kindertag in Deutschland. Motto: Kinder brauchen Freiräume. Wie weit die jedoch gehen dürfen, ist umstritten. Der Rauswurf kleiner Gäste ab 17 Uhr aus seinem Lokal auf der Insel Rügen hat zuletzt einen Gastronomen bundesweit in die Schlagzeilen gebracht. Wie sehen das Wirte in Speyer und Umland?

Die Schuld an ungehörigem Verhalten ihres Nachwuchses gibt der Rügener Wirt den Eltern. Darin stimmen lokale Restaurant-Besitzer mit ihm überein. Dennoch wollen sie kein Kind aus ihren Betrieben vertreiben. Wie alle Befragten sagt Ulrike Braun, Chefin im „Ratskeller“: „Bei uns sind Kinder willkommen.“ Für sie sei der Spagat zwischen Toleranz gegenüber kleinen Gästen und dem Wunsch Erwachsener nach einem ruhigen Essen nicht immer einfach, räumt sie ein. „Mütter ticken heutzutage definitiv anders als früher“, berichtet sie von Disputen mit uneinsichtigen Eltern. „Wenn ein Kind unausgesetzt schreit, ist die Grenze überschritten“, meint Braun. Mit Kinder-Speisekarte, Hochstühlen und Malzeug versuche sie, kleinen Gästen den Besuch im „Ratskeller“ angenehm zu gestalten.

"Kann sie doch nicht am Stuhl festbinden"

Kinder machen Ulrike Sembries, Inhaberin des gleichnamigen Restaurants in Dudenhofen, kein Problem. „Wer sich an ihnen stört, dem ist nicht zu helfen“, macht sie ihre Position deutlich. „Unser Spielbereich im Biergarten fängt viel auf“, sagt sie. „Man kann sie doch nicht am Stuhl festbinden.“ Ähnlich sieht es Philipp Rumpf, Inhaber des „Alten Engel“ in Speyer. Für ihn geht Ausgrenzung von Kindern gar nicht, obwohl er bereits negative Erfahrungen mit Eltern gemacht hat, „die ihre Kinder nicht im Griff haben“. In solchen Fällen übernehme er die Erzieherrolle. „Klare Ansage auf die nette Art ist wichtig“, ist er überzeugt. „Auch bei erwachsenen Gästen, die sich nicht benehmen können.“ Ein Lokal zu besuchen, sollte ein Ereignis für die ganze Familie sein, so Rumpfs Philosophie. „Kinder sind die Gäste von morgen.“ Den Satz unterschreibt Silke Heyer sofort. Für ein Hausverbot für Kinder sieht die Inhaberin des Restaurants „Rheinblick“ in Waldsee keinen Grund. Sie erwarte von jedem Gast, dass er sich so verhalte, dass es andere nicht störe, betont sie. Gut erzogene Kinder würden bei ihr zuerst bedient. Einmal habe ein Kind den Weihnachtsbaum in ihrem Gastraum umgeworfen, sagt Heyer. Dass die Eltern nicht eingegriffen hätten, verstehe sie bis heute nicht.

Zum Abschied was Süßes

„Meine Mutter schenkt braven Kindern zum Abschied etwas Süßes“, berichtet Maximilian Englert, Juniorchef im „Rabennest“ in Speyer. Für ihn steht fest: „Abends haben Kinder nichts im Restaurant zu suchen.“ Es wundere ihn, dass Eltern ungehöriges Verhalten des Nachwuchses oft unterstützten. Kinder seien schon ohne Eingreifen der Eltern durch das Rabennest geradelt oder hätten Ball gespielt. „Wenn sie den Tisch mit Ketchup bemalen, fotografieren die Eltern das Kunstwerk noch“, beklagt Englert. „Mehr als einen kleinen Spielbereich anzubieten, können wir nicht tun.“ „Bei uns sind Kinder rund um die Uhr gerne gesehen“, sagt Gabi Deisinger, Inhaberin des Hotel-Restaurants „Löwengarten“. Sie verstehe Wirte nicht, die das Ruhebedürfnis ihrer älteren Gäste über den Bewegungsdrang von Kindern stellten: „Es kommt vor, dass Kinder stören, aber es gibt auch genug Erwachsene, die keine Kinderstube haben.“

Restaurantbesuch in Ruhe: Lärmende Kinder sind teilweise nicht gerne gesehen. Es gebe aber auch Erwachsene ohne Kinderstube, bet
Restaurantbesuch in Ruhe: Lärmende Kinder sind teilweise nicht gerne gesehen. Es gebe aber auch Erwachsene ohne Kinderstube, betonen Speyerer Wirte.
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