Speyer
Reffenthal: Was hat die Bundeswehr mit ihrem „extrem guten“ Übungsplatz vor?
„Die Auslastung ist definitiv da und der Bedarf vorhanden“, sagt Oberstabsfeldwebel Carsten U. Er trägt Verantwortung für die Unterstützungskräfte des Kommandos Spezialkräfte (KSK) in Calw und ist in dieser Funktion auch regelmäßig auf dem Wasserübungsplatz der Bundeswehr in Speyer. Das KSK ist der Hauptnutzer der Liegenschaft, die im Bestand der Armee ihresgleichen sucht. Ihr Vorteil ist, dass an Land, auf stehendem und fließendem Gewässer geübt werden kann. Die Fläche mit Altrhein-, Rhein- und Angelwald-Zugang zwischen Speyer und Otterstadt hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Ein wichtiges Kapitel wurde vor genau einem Jahrzehnt geschrieben.
2014 war die Entscheidung schon getroffen, dass die Bundeswehr den Standort Speyer aufgibt. Der Abzug der 1200 Spezialpioniere aus der Kurpfalzkaserne stand bevor. Der Wasserübungsplatz sollte an die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) zurückgegeben und zur Konversionsfläche werden – bis Ende 2014 die Bremse gezogen wurde: Die Bundeswehr wollte ihn doch weiternutzen. Zunächst übernahm eine Kompanie in Saarlouis die Verantwortung für die Fläche, dann wurde diese an den Standortältesten in Germersheim abgegeben. Der setzte einen Kasernenkommandanten ein, der erster Ansprechpartner für übende Einheiten, ebenso wie für die Nachbarn von der Rudergesellschaft bis zum Jagdpächter ist. Zusammen mit einem kleinem Team und externem Wachpersonal ist er regelmäßig vor Ort.
Hubschrauber über Siedlung
Der kräftige Mann mit dem beeindruckenden Vollbart hat die Verantwortung für das Reffenthal 2023 übernommen. Er darf nach den Regeln der Bundeswehr nicht namentlich genannt werden. „Die Leute fragen sich, wo plötzlich die Soldaten herkommen“, sagt er über den Betrieb auf dem Platz. Der ist als militärischer Sicherheitsbereich zwar umzäunt und nicht zugänglich, aufmerksamen Beobachtern entgeht es jedoch nicht, wenn dort mehr Betrieb als gewöhnlich herrscht – wie in den vergangenen Jahren regelmäßig. Spätestens wenn sich über Speyer-Nord Militärhubschrauber nähern, wird vielen klar, dass die Bundeswehr trotz Abzugs in Speyer immer noch präsent ist, was übrigens auch für die weiteren Übungsplätze im Wald zwischen der Domstadt und Dudenhofen gilt.
Der Brückenbau als klassische Reffenthal-Aufgabe der Pioniere früherer Jahre hat ausgedient. Die Truppe hat sich neu ausgerichtet und in Speyer unter anderem amphibische Ausbildung im Zusammenwirken mit Helikoptern und Booten, Schulungen in ABC-Abwehr sowie Ausbildungen für das Gefecht, für Sanitäter, Pioniere, aber auch Diensthunde angesiedelt. Neben dem KSK sind mehrere Bundeswehr-Einheiten aus Bruchsal, das Luftwaffenausbildungsbataillon Germersheim, Schwere Pioniere aus Havelberg und das Jägerbataillon 291 als deutsch-französische Einheit regelmäßig vor Ort. Dazu kommen als „Mitbenutzer“ das Technische Hilfswerk, Feuerwehren, die Polizei sowie neu Taucher der Berufsfeuerwehr Ludwigshafen. Die Nachfrage steige.
Anspruchsvolle Bedingungen
„Ein extrem guter Platz“, sagt der Kasernenkommandant. Die einzelnen Bestandteile machten vieles möglich: Dazu tragen ihm zufolge die Gebäude auf dem bis in die 1990er-Jahren französischen Südteil, die vier Nato-Rampen am Rhein und der angemietete Teil des Angelwalds bei. Im Reffenthal können Hubschrauber knapp über der Wasserfläche Soldaten absetzen oder Militärboote ihren Weg hinaus auf den offenen Rhein starten. Dort wiederum kann bei kräftiger Strömung und zwischen Schiffsverkehr aller Art unter besonders anspruchsvollen Bedingungen trainiert werden. Der zum Übungsplatz gehörende Altrhein-Abschnitt dürfe bei Bedarf mit Dalben abgesperrt werden. Seit 2019 gebe es außerdem eine dauerhafte Bojen-Kette, um den angrenzenden Sportboot-Betrieb zu kanalisieren. Außerdem erfülle die Liegenschaft Funktionen im Hochwasserschutz.
Teil der Hallen abrissreif
Die Soldaten aus Calw kommen gerne nach Speyer. Die gut 100 Kilometer sind für Bundeswehr-Verhältnisse keine Distanz, wie Oberstabsfeldwebel U. betont. „Wir platzen in der Graf-Zeppelin-Kaserne aus allen Nähten“, sagt er über den Heimatstandort im Nordschwarzwald. Auf 500 Höhenmetern könne dort von Wasserfläche für Übungen nur geträumt werden. Speyer biete diese Möglichkeit – und dennoch sei unklar, wie es weitergeht. Eine grundsätzliche Entscheidung des Bundes zum Erhalt des Platzes stehe aus.
Derzeit würden noch Erfahrungen mit der Nutzung gesammelt. Der weitere Zeitplan sei nicht bekannt. Damit ist offen, was mit den Gebäuden auf der Fläche geschieht. Ein Teil sei abrissreif und wegen brüchiger Dächer gesperrt. Hallen der Franzosen aus den 1970er-Jahren seien besser erhalten und als Lager für schweres KSK-Material begehrt. Die Anzahl der weiteren Funktionsbauten an der Kreisstraße 2 ist mit einem Kompanietrakt und einer Wachstube sehr begrenzt.

