Wochenkolumne RHEINPFALZ Plus Artikel Rebekkas Woche: Speyer tritt mit Ekel-Schulklo im Fernsehen auf

schulklos

Schimmlige Schulklos: Dagegen setzten sich Schüler eines Gymnasiums in Speyer ein. Denn es ist ernst. Die unhygienischen Nasszellen haben es sogar ins Fernsehen geschafft.

Wenn ein Missstand in den Medien landet, dann wird es ernst. Dann ist Handeln angesagt. Zumindest manchmal. Im Fall des Hans-Purrmann-Gymnasiums handelte einer schon vorher: Schülersprecher Jonas Lautenbach. Genau gesagt, wendete er sich an die Medien. Er und seine Mitstreiter hatten genug vom Ekel-Klo in ihrer Schule und organisierten einen Spendenlauf. Dazu rückte neben der RHEINPFALZ auch der SWR an.

Das Jungenklo des Gymnasiums stammt aus den 1960er-Jahren. Manche der Flecken am Boden vermutlich auch. Lautenbach spricht von Schimmel, Gestank und fehlender Ausstattung. Die Stadt hatte lange keine Pläne für eine Sanierung – fehlende Haushaltsmittel waren die Begründung. Mit dem Spendenlauf wollte die Schülergemeinschaft der Kommune finanziell unter die Arme greifen. Denn der Zustand sei untragbar, sagte Lautenbach vor dem Spendenlauf im Gespräch mit der RHEINPFALZ.

Auch politische Vertreter meldeten sich zu Wort. Zuerst der Linken-Kreisverband, dann Landtagsabgeordneter Michael Wagner (CDU). Es dürfe in einem wohlhabenden Bundesland nicht vorkommen, dass Schülerinnen und Schüler grundlegende Infrastruktur an ihren Schulen mitfinanzieren müssen, erklärt er in einer Pressemitteilung. Er verweist auf zusätzliche Mittel vom Bund unter anderem für Bildung. Wagner erwarte, dass der Stadtrat „zeitnah konkrete Unterlagen und Vorschläge“ erhalte, in welche Projekte solche Mittel in Speyer fließen sollen. Investitionsbedarf gibt es nicht nur am Purrmann-Gymnasium. An der Johann-Joachim-Becher-Schule verringern beispielsweise teure Brandschutzmaßnahmen das Budget. Dort bröckelt weiter der Putz von der Decke.

OB Seiler und das Schulklo

Am Dienstag liefen die Schülerinnen und Schüler Runden für ein besseres Klo. Mit dabei: Kameras und Reporter verschiedener Medien. Und so waren Lautenbach, Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler (SPD) und das Gammelklo am Mittwoch im „Mittagsmagazin“ der ARD zu sehen. Die Anmoderation zu den Zuständen: „Das geht gar nicht.“ Schnitt in die Jungentoilette: Abiturient Jonas Lautenbach gibt Seiler eine Führung.

Rund 500 Schülerinnen und Schüler drehten beim Spendenlauf ihre Runden.
Rund 500 Schülerinnen und Schüler drehten beim Spendenlauf ihre Runden.

Die OB schaut in die einzelnen Kabinen hinein, sieht sich alles an. Die Kloschüsseln glänzen in ihrer Rolle als Beispiel für den Zustand deutscher Schulen. Der Geruch ist förmlich sichtbar. Lautenbach präsentiert ein Waschbecken, das mit unappetitlichen Spuren bedeckt ist. Hier komme manchmal braunes Wasser raus. Seiler nickt. Manche Jungen, so Lautenbach, gingen seltener aufs Klo als nötig. Sie würden extra weniger trinken. Nachvollziehbar.

Sanierung im August

Seiler wirkt im TV-Beitrag zunächst verhalten ob der schmierigen Umgebung. Sie zeigt sich einsichtig. „Uns allen muss es peinlich sein“, sagt sie den Reportern und meint den Umstand, dass die Toiletten noch nicht saniert wurden. Diese Versäumnisse hat die Stadt wohl schon früher erkannt: Rund 100.000 Euro stünden für die Jungentoilette des Hans-Purrmann-Gymnasiums im Stadthaushalt bereit.

Eklig und unhygienisch: Die Schüler versuchen ihre Toiletten möglichst nicht zu nutzen.
Eklig und unhygienisch: Die Schüler versuchen ihre Toiletten möglichst nicht zu nutzen.

Endlich konkrete Pläne statt Vertröstung. Die Sanierungsarbeiten sollen in den Sommerferien beginnen, erzählt Seiler und steht im Toilettenraum. Was geschieht aber mit dem Geld, das die Schülerinnen und Schüler sich beim Spendenlauf verdient haben? Summen von 50 Cent bis zu 5 Euro pro Runde haben Sponsoren laut Lautenbach gezahlt. Das könne man in die Toiletten im Nebengebäude investieren, sagt der Schülersprecher im ARD-Clip. Baustellen gibt es an Schulen glücklicherweise genug.

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