Interview
Raketen über Dubai: Pfälzerin fühlt sich trotzdem sicher
Frau Daum, wo befanden Sie sich, als die USA und Israel den Iran angegriffen haben?
Ich war am Samstag zu Hause in Dubai. Grundsätzlich versuche ich, den permanenten Nachrichtenstrom eher zu vermeiden, da dieser häufig sehr stark auf negative Entwicklungen fokussiert ist. Informiert wurde ich zunächst durch eine Freundin, die mir aus Vorsicht schrieb, ich solle angesichts der regionalen Entwicklungen die Nachrichten verfolgen und die Hinweise der lokalen Behörden beachten. Fast zeitgleich meldete sich auch meine Vorgesetzte in unserem Arbeitschat und erkundigte sich, ob alle in Sicherheit seien. Daraufhin habe ich mich näher informiert.
Wo sind Sie zurzeit und wie geht es Ihnen? Wie fühlen Sie sich?
Ich bin weiterhin in Dubai. Mir geht es gut, auch wenn die Situation natürlich emotional belastend war. Am Samstag blieb es zunächst ruhig, doch am späten Nachmittag wurde es beunruhigend, als ich zum ersten Mal die Detonationen der abgefangenen Raketen hörte. Es war ein sehr lautes Geräusch, das ich so noch nie erlebt hatte. Man konnte es nicht nur hören, sondern auch im Gebäude spüren – die Fenster vibrierten leicht. Das war im ersten Moment erschreckend.
Viele von uns haben in dieser Nacht kaum geschlafen. Am Sonntagmorgen waren erneut Detonationen zu hören. Wir wurden sowohl von den lokalen Behörden als auch von unseren Unternehmen gebeten, möglichst zu Hause zu bleiben, remote zu arbeiten, Reisen zu vermeiden und unnötige Wege zu reduzieren.
Waren Sie seitdem nicht mehr draußen?
Doch, ich bin dennoch kurz zum Supermarkt gegangen, um Einkäufe selbst zu erledigen und Lieferdienste nicht zusätzlich möglichen Risiken auszusetzen. Die Stimmung draußen war ruhig, aber wachsam. Es herrschte keine Panik, sondern eine Mischung aus Aufmerksamkeit und Vertrauen. Weniger Menschen waren unterwegs, viele blickten aufmerksam zum Himmel – aber die Atmosphäre blieb gefasst.
Seitdem ist es wieder ruhig. Die Behörden haben mehrfach kommuniziert, dass die Situation unter Kontrolle ist. Diese klare und transparente Information hat dazu beigetragen, dass sich die allgemeine Anspannung deutlich gelegt hat.
Was haben Sie seit Samstag erlebt?
Neben der anfänglichen Verunsicherung war es vor allem eine Phase intensiven Austauschs unter Freunden und Kollegen. Man hat sich gegenseitig informiert und versichert, dass es allen gut geht. Besonders beeindruckt hat mich das Krisenmanagement der Vereinigten Arabischen Emirate. Das Verteidigungssystem hat effektiv funktioniert, gleichzeitig wurde sehr transparent und regelmäßig kommuniziert – über offizielle Kanäle, soziale Medien und Pressebriefings. Die Informationen waren ruhig, klar und sachlich. Darüber hinaus wurden für Betroffene und Reisende am Flughafen schnell Unterstützungsmaßnahmen organisiert. Es gab Hotlines, kontinuierliche Updates und Hilfsangebote für Menschen, deren Flüge betroffen waren. Auch eine kostenlose Hotline für psychologische Unterstützung wurde bereitgestellt. Zudem wurde mehrfach betont, dass die Versorgung gesichert ist und ausreichend Lebensmittel sowie grundlegende Güter verfügbar sind.
Wie empfinden Sie das Krisenmanagement vor Ort in dieser außergewöhnlichen Situation?
Was besonders deutlich wurde: Es ging sichtbar um alle Menschen im Land – nicht nur um Staatsbürger, sondern um alle, die hier leben und dieses Land ihr Zuhause nennen, sowie Touristen und Urlauber. Die Behörden haben sehr klar vermittelt, dass für die Sicherheit und Versorgung aller gesorgt wird. Gleichzeitig war eine große gesellschaftliche Solidarität spürbar. Menschen boten spontan Hilfe an, öffneten ihre Häuser für Reisende, die am Flughafen gestrandet waren, und erkundigten sich gegenseitig nach dem Befinden. Man hatte das Gefühl, dass wirklich jeder auf jeden achtet.
Gerade in einer solchen, in dieser Form noch nie zuvor erlebten Ausnahmesituation diese Ruhe und Souveränität zu bewahren, empfand ich als außergewöhnlich. Es war keine demonstrative Gelassenheit, sondern eine sehr klare, kontrollierte und transparente Führung. Dieses Handeln hat das Vertrauen nicht erst geschaffen, sondern deutlich verstärkt. Bei vielen – Emiratis wie auch Nicht-Emiratis – war ein starkes Gefühl von Geschlossenheit und Stolz spürbar. Auch ich teile dieses Gefühl und bin stolz darauf, dieses Land mein Zuhause nennen zu können. Für mich persönlich ist diese Form von Leadership in ihrer Klarheit, Konsequenz und Verantwortungsübernahme etwas, das ich in dieser Ausprägung bisher in keinem anderen Land erlebt habe.
Wie geht es für Sie weiter?
Ich bin optimistisch, dass die diplomatischen Gespräche wieder aufgenommen werden und sich die Lage in der Region rasch stabilisiert. Aktuell plane ich nicht, nach Deutschland zurückzukehren. Ich gehe davon aus, dass sich die Situation zeitnah beruhigen wird und der Alltag hier wieder vollständig normal weitergehen kann.
Zur Person
Dr. Britta Daum ist 35 Jahre alt und in Otterstadt aufgewachsen. Sie hat Betriebswirtschaftslehre und Internationale Beziehungen, Sprachen und Geopolitik in Mannheim, Straßburg und Toulouse studiert und im Fach Politikwissenschaft promoviert. Sie hat unter anderem in Paris und Madrid gelebt und arbeitet jetzt in Dubai und Saudi-Arabien als Energie- und Nachhaltigkeitsstrategin für Accenture, einer der weltweit größten Dienstleister für Unternehmens- und Strategieberatung.