Speyer Radikale Hooligans im Anmarsch

. Es waren Bilder, die Deutschland schockiert und eine Debatte über eine bisher nicht gekannte Allianz aus Fußball-Hooligans und Rechtsradikalen ausgelöst haben – noch bevor Demos der islamkritischen Pegida-Bewegung in Dresden die Schlagzeilen bestimmten. Köln war für einen Tag im Ausnahmezustand: Polizeitransporter wurden umgestoßen, Scheiben eingeworfen, Passanten und Ordnungshüter verletzt. Es gab wilde Ausschreitungen, die Polizei schien von dieser Machtdemonstration überrascht. Die Hogesa schmiedeten in Köln ein Bündnis der Gewalt und mobilisierten eine Armee von rund 3000 Randalierern – überwiegend schwarz gekleidete Männer mit Sturmhauben, Tattoos auf der Haut, Nazi-Stickern sowie Szenecodes auf den Jacken. Zustände wie in Köln befürchtet Jürgen Schmitt hier nicht. Und noch sei unklar, ob am Jahrestag der ersten Proteste von Hooligans gegen Islamisten tatsächlich mit 1000 Demonstranten zu rechnen sei. „Dazu müsste diese Gruppierung über 900 Teilnehmer von außerhalb akquirieren. Dafür fehlt das Einzugsgebiet“, sagt der Präsident des Polizeipräsidiums Rheinpfalz in Ludwigshafen. Verharmlosen will er den angemeldeten Marsch aber nicht. „Wir nehmen das sehr ernst und werden uns entsprechend darauf einstellen.“ Was durchaus angebracht scheint. Denn der von 16 enttäuschten Hogesa-Aktivisten in Fulda ins Leben gerufene Ableger, der in Ludwigshafen aufmarschieren will, gibt sich noch radikaler als seine Keimzelle. Er lehnt die Europäische Union ab, hält die Presse für „gleichgeschaltet“, Deutschland für eine „Außenstelle der alliierten Siegermächte“ und die Hogesa für eine Bewegung hohler Versprechen. „Sehr unselige Leute“, sagt Schmitt, der 50 bis 60 Personen zur Ludwigshafener Neonazi-Szene zählt – jeweils zur Hälfte Anhänger der NPD und der Organisation „Der III. Weg“. Im Dezember hatten beide Lager im Stadtteil West gegen „Überfremdung“ demonstriert. Schmitt kennt die Fußball-Hooligan-Szene sehr gut aus seiner Kaiserslauterer Zeit und stufte sie bislang „als eher unpolitisch mit rechten Tendenzen“ ein. In den vergangenen Monaten habe sich diese Klientel jedoch zunehmend von Rechtsextremisten für eine Anti-Islam-Stimmung instrumentalisieren lassen. Warum Ludwigshafen und Erfurt (15. März) für die ersten Aufmärsche ausgewählt wurden, erschließt sich dem Polizeipräsidenten nicht wirklich. Zumal diese beiden Städte weder ausgesprochene Hochburgen des Fußballs noch Zentren Rechtsradikaler seien. Offiziell angemeldet hat die Kundgebung des „Vereins Gemeinsam-Stark Deutschland“ ihr Vorsitzender aus Bremen. Schmitt hält es für möglich, dass Christian Hehl der regionale Drahtzieher ist. Der gebürtige Ludwigshafener führt den NPD-Kreisverband Rheinhessen-Pfalz und sitzt für die Partei im Mannheimer Gemeinderat. Der 45-Jährige war auch beim Aufmarsch im Stadtteil West dabei und galt bisher als maßgeblicher Organisator des Hogesa-Netzwerks für Süddeutschland. Stoppen lässt sich der Hooligan-Aufmarsch kaum, schätzt Ordnungsdezernent Dieter Feid (SPD), dem die Anmeldung am Donnerstag auf den Schreibtisch flatterte. „Ein Verbot ist nicht so einfach. Das Demonstrationsrecht ist ein hohes Gut, über den Verein haben wir kaum Erkenntnisse und sonntags sind die Geschäfte zu.“ Ob die vom Verein ins Auge gefasste Route durch die Innenstadt mit Start am Berliner Platz so genehmigt wird, ist laut Feid offen. „Wir prüfen das mit der Polizei.“