Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Produktionsende bei TE Connectivity? So äußern sich das Unternehmen und die Politik

Traditionsstandort: Der Speyerer Standort von TE Connectivity grenzt an den Bahnhaltepunkt Nord-West an.
Traditionsstandort: Der Speyerer Standort von TE Connectivity grenzt an den Bahnhaltepunkt Nord-West an.

Gehen in Speyer, einer Stadt mit 32.000 sozialversicherungspflichtigen Jobs, 1200 Arbeitsplätze verloren? Die Ankündigungen von TE Connectivity und Mann + Hummel beunruhigen.

Am Donnerstag hat sich TE Connectivity auf Anfrage nochmals zu Wort gemeldet. „Der Standort Speyer ist von mehreren Entwicklungen betroffen, die ihn unter Druck setzen“, so ein Unternehmenssprecher zu den Gründen für die Firmenpläne, die Produktion im Elektronikwerk in der Siemensstraße bis Dezember 2028 schrittweise zu beenden. „Der Automobilmarkt in Westeuropa war zuletzt rückläufig und wird nach unserer Einschätzung in den nächsten Jahren stagnieren. Außerdem wirkt es sich aus, dass chinesische Autohersteller und -zulieferer in den deutschen Markt drängen und Marktanteile gewinnen.“

630 Beschäftigte wären betroffen, nur rund 140 Arbeitsplätze in Engineering- und Verwaltungsfunktionen blieben erhalten, wenn es das irische Unternehmen Nachbar Mann + Hummel gleich tun und die Produktion in Speyer beenden würde. Es habe andere Erwartungen an das Marktwachstum für das Speyerer Werk gegeben, so der Sprecher: „Wir hatten uns deutlich steigende Umsätze auch aufgrund der Chancen erhofft, die die E-Mobilität bietet.“ Die für den Standort erwartete hohe Wirtschaftlichkeit sei „aufgrund der Marktentwicklung nicht eingetreten“.

Zu den Details des geplanten Rückzugs aus Speyer werden dem Unternehmen zufolge zunächst Verhandlungen mit der Arbeitnehmerseite geführt. Die Ankündigung, die Speyerer Anlagen und mit diesen die Produktion bis Ende 2028 in andere Werke zu verlagern, war dem Firmensprecher zufolge unumgänglich. Zur Marktentwicklung gehöre auch eine verstärkte Internationalisierung: „Unsere Kunden erwarten, dass wir dort produzieren, wo auch sie ihre Werke haben. Ein Beispiel dafür ist Marokko, ein Land, das zudem Unternehmensansiedlungen industriepolitisch massiv unterstützt.“

„Existenzfrage am Tisch“

Speyers Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler (SPD) überzeugen solche Erklärungen nicht. Sie hat die Ankündigungen für Stellenabbau sowohl von TE als auch von Mann + Hummel kritisiert. „Wenn international agierende Konzerne Industrieproduktion aus Deutschland abziehen, weil die Bilanzlogik anderswo bessere Zahlen liefern soll, hinterlässt das Menschen, die hier ein Leben aufgebaut haben“, so Seiler. „Es hinterlässt Familien, in denen jetzt die Existenzfrage am Tisch sitzt. Und es hinterlässt eine Stadt, die seit Jahrzehnten zuverlässig die Voraussetzungen für industrielle Wertschöpfung geschaffen hat. Das ist kein Standortwettbewerb mehr, das ist die Abgabe der gemeinsamen Verantwortung für den Industriestandort Rheinland-Pfalz.“ Speyer werde sich „nicht damit abfinden, dass innerhalb von drei Wochen über 1200 Industriearbeitsplätze auf der Streichliste stehen“.

Mike Oehlmann, Oberbürgermeisterkandidat für FDP, CDU und FW, äußert sich in einer Stellungnahme erschüttert, sieht in der Krise aber auch einen dringenden Auftrag: „Speyer muss jetzt die Chance ergreifen, sich als moderner Arbeitsplatz-Standort völlig neu aufzustellen.“ Es schmerze ihn zu sehen, „wie hart arbeitende Menschen durch globale Veränderungen getroffen werden“. Speyer dürfe jetzt nicht in Schockstarre verharren. Die Wirtschaftsförderung müsse radikal auf aktive Ansiedlung getrimmt werden. „Für jeden industriellen Arbeitsplatz, der geht, müssen wir zwei neue Chancen in zukunftsfähigen Branchen schaffen“, so seine Forderung. Er erwähnt das zukunftssichere Handwerk, die IT-Branche sowie innovative Dienstleister. Dafür sei auch eine „maßvolle Flächenentwicklung“ Voraussetzung.

Transparenz gefordert

Die neugewählte Landtagsabgeordnete Marlene Gottwald (SPD) zeigt sich tief besorgt. Viele Industrieunternehmen stünden unter Druck: „Wenn globale Konzernstrategien, Kostendruck und Transformation zusammenkommen, geraten selbst leistungsfähige Standorte ins Wanken.“ Sie fordert ein klares Gegensteuern: mehr industriepolitische Verlässlichkeit, faire Wettbewerbsbedingungen und die konsequente Einbindung der Beschäftigten. „Es darf nicht sein, dass wirtschaftliche Entscheidungen einseitig zulasten der Menschen vor Ort getroffen werden.“ Sie fordere TE Connectivity auf, alle Schritte eines schnellen Arbeitsplatzabbaus auszusetzen, Transparenz über die Hintergründe zu schaffen und Alternativen ernsthaft zu prüfen.

Auch Gottwalds Landtagskollege Michael Wagner (CDU) äußert sich „in großer Sorge“. Er habe direkt nach Bekanntwerden der Nachricht die TE-Führung angeschrieben und um ein Gespräch gebeten. Aus seiner Sicht seien viele Fragen offen: „Welche konkreten Alternativen zur Produktionsverlagerung wurden geprüft, um den Standort Speyer langfristig zu sichern? Welche Rolle können Investitionen in neue Technologien, Produktlinien oder Transformationsprozesse spielen? Wie stellen Sie sicher, dass die angekündigten Unterstützungsmaßnahmen für die Beschäftigten tatsächlich tragfähig und sozial ausgewogen ausgestaltet werden?“

Zu Wort gemeldet hat sich auch die CDA Speyer, der Arbeitnehmer- und Sozialflügel der CDU. Nach den Ankündigungen von TE Connectivity und Mann + Hummel stünden binnen eines Monats mehr als 1200 Beschäftigte vor existenziellen Fragen. Kreisvorsitzender Cornelius Appelmann: „Noch sind weder wirtschaftliche noch soziale Folgen der Entscheidung absehbar. Klar ist aber bereits jetzt, dass der ganzen Region ein Kraftakt bevorsteht, um die Verluste an Arbeitsplätzen abzufangen.“ Die Gründe für den Stellenabbau sieht die CDA Speyer nicht hauptsächlich in kommunalen Fragen. Unternehmen müssten sich aber ihrer sozialen Verantwortung stellen und mit aller Kraft versuchen, die Arbeitsplätze vor Ort zu erhalten. Bund und Land müssten die politischen Rahmenbedingungen für die Wirtschaft zu verbessern.

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