Speyer Preiswert wohnen neben dem Kloster
Zwischen Priesterseminar St. German und Kloster Karmel sollen rund 140 mittelpreisige Wohnungen, acht Häuser und eine Fläche für Einzelhandel gebaut werden. Einige Interessenten haben sich schon beim Gemeinnützigen Siedlungswerk (GSW) vormerken lassen. Die Stadt verhandelt derzeit mit Einzelhändlern.
Von der 23.000 Quadratmeter großen Gesamtfläche werden 19.000 Quadratmeter bebaut. Darauf entstehen laut GSW-Geschäftsführer Gerhard Müller acht Doppelhäuser, statt der bisher geplanten Einzel- und Reihenhäuser. Zudem wird es rund 140 barrierefreie Wohnungen mit Aufzügen geben. „Barrierefrei bedeutet aber nicht, dass es Seniorenwohnungen sind“, betont er. Derzeit gibt es laut Müller zwischen der Stadt und Investoren Gespräche über einen kleinen Lebensmittelmarkt. Die großen Ketten wie Lidl und Aldi hätten wegen der zu geringen Größe abgesagt. Seit dem Frühjahr seien Archäologen mit Grabungen beschäftigt. „Es hat sich teilweise bestätigt, dass sich unter dem Baugebiet ein fränkisch-römisches Gräberfeld befindet“, sagt Müller. Rund ein Dutzend Gräber seien gefunden worden – nicht so viele wie erwartet. Grund: „Ein Geologe hat uns darauf aufmerksam gemacht, dass auf dem geplanten Baugelände nach dem Zweiten Weltkrieg vier große Sandgruben ausgehoben wurden, die fünf bis sechs Meter tief waren. Dabei wurden die dort befindlichen Gräber zerstört“, erklärt Müller. Zudem gab es auf dem Areal ein Schwimmbad des Priesterseminars und einen Sportplatz. Ursprünglich habe die Archäologie eineinhalb Jahre veranschlagt, nun seien die Arbeiten in einem Dreivierteljahr beendet. Zeitersparnis gibt es insgesamt aber nicht, denn die Sandgruben sind mit Hausmüll verfüllt worden. „Durch die Entsorgung haben wir zusätzliche Kosten“, berichtet Müller. „Wir machen den Bodenaustausch selbst und bauen auch selbst.“ Deshalb würden dort – nicht wie früher vorgesehen – Reihenhäuser errichtet, sondern 16 Doppelhaushälften, berichtet er. Für die archäologischen Arbeiten und den Bodenaushub sei rund eine Million Euro in den Haushalt eingestellt worden. Die 16 Doppelhaushälften würden so konzipiert, dass nur kleine Fenster zur Klostermauer zeigten. Im ersten und zweiten Geschoss gäbe es keine großen Fenster und überwiegend Bäder, um die Privatsphäre der benachbarten Ordensschwestern des Klosters Karmel zu wahren. „Die Wohnbereiche liegen alle im vorderen Teil, vom Kloster abgewandt“, berichtet Müller. Die Häuser würden schlüsselfertig verkauft. Anfragen gibt es bereits. Gerhard Löchel, GSW-Prokurist und zuständig für Finanzierung sowie Verkauf, ergänzt: „Bei der Gestaltung der Häuser wollen wir auf die Wünsche der Hausbesitzer eingehen.“ Müller und Löchel betonen, dass sie nur an Menschen verkaufen wollen, die in die Häuser ziehen und nicht an Geldanleger. Im Frühjahr/Sommer 2017 soll laut Löchel die Verkaufsphase starten. Man könne sich schon vormerken lassen. Von den 140 Wohnungen wird die GSW 40 behalten, den Rest verkaufen. „Wir bewegen uns dort im mittleren Preissegment, unterhalb dessen, was auf dem Erlus-Gelände oder auf dem ehemaligen Bistumshaus St. Ludwig geplant ist“, sagt Müller. Es wird drei Geschosse und ein Staffelgeschoss geben. „Das heißt, wir haben dort auch Penthäuser“, so Müller. Die Wohnungen sollen circa 50 bis 60 Quadratmeter groß sein, die Penthäuser weit über 100 Quadratmeter. Die Flachdächer sollen begrünt werden, die Innenhöfe zum Verweilen einladen. Ein Lärmschutzgutachten ist wegen der Nähe zur B 39 erstellt worden. „Die Lärmschutzwand endet unmittelbar vor unserem Gelände und beginnt direkt danach wieder. Wir werden vermutlich aber keine Verlängerung der Wand benötigen, weil wir erhöhten Schallschutz dadurch haben, dass die Wohnbereiche von der Straße abgewandt sind“, erläutert Müller. Auf zwei Dritteln des Gebiets wird es eine Tiefgarage geben. Unter den Häusern befände sich keine. Hinzu kommen 20 bis 30 öffentliche Stellplätze. „Auf Wunsch der Stadt wird auch ein Verbrauchermarkt eingerichtet“, berichtet Müller. Die Verkaufsfläche ist 700 Quadratmeter groß. Sollte dies nicht klappen, könne er sich auch eine Bäckerei mit Café oder einen Gemüsehändler sowie Büros vorstellen. Über dem Markt sind 16 Wohnungen vorgesehen. Eine frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit habe es bereits vom 19. Februar bis 13. März 2015 gegeben, als die Pläne öffentlich ausgelegen haben. Nach der Sitzung des Bauausschusses am 28. September sollen sie noch einmal ausgelegt werden, berichtet er. Die GSW möchte auch die Wünsche des neuen Stadtteilvereins Speyer-West berücksichtigen. Müller rechnet damit, dass der Bebauungsplan bis Ende des Jahres Rechtskraft erlangt. Im Frühjahr 2017 soll das Gelände erschlossen werden mit einer Baustraße und Kanal. „Im Spätjahr 2017/Anfang 2018 wollen wir mit dem Bau beginnen“, so Müller. Er rechnet mit zwei Jahren Bauzeit. Kontakt Kauf- und Mietinteressenten können sich an den Prokuristen des Gemeinnützigen Siedlungswerks, Gerhard Löchel, Telefon 06232 600924, E-Mail g.loechel@gsw-speyer.de wenden.