Speyer
Patricks Woche: Zeit für Speyerer Kirchen 2.0
Wenn des Leidens und Sterbens Christi gedacht wird und kurz darauf die Osterfeuer lodern, dann sind sie gefragt, die Speyerer Kirchengebäude. Die Anzahl der Gottesdienste ist an den Kar- und Ostertagen so hoch wie nie. Von Speyer-Nord bis -Süd: Man kann zwar heute eher nicht mehr davon sprechen, dass die Gläubigen in die Kirchen strömen, aber die Festtage sind und bleiben für Speyers Christen etwas Besonderes. Sie dürfen dennoch nicht davon ablenken, dass die katholischen und protestantischen Gemeinden der Dom- und Protestationsstadt immer noch mehr Immobilien im Bestand haben, als sie sich eigentlich leisten können.
Auf katholischer Seite wurde das schon lange für die einstige Kirche St. Guido erkannt, die nicht mehr existiert. St. Ludwig ist in private Hand gewechselt. Aus dem „Seppelskasten“ als ehemaligem Bistumshaus sind wie aus der Fläche neben St. Otto Wohnungen geworden. Ins St.-Joseph-Gemeindehaus sind Flüchtlinge eingezogen, und auch beim Priesterseminar sind längst Veränderungen eingeläutet: Ein Teil des Geländes am Germansberg ist mit Wohnhäusern bebaut worden, und angrenzend geht es um neue Nutzungsoptionen, wenn die Bibliothek des Seminars schließt. Die Protestanten haben schon die Heiliggeistkirche und das angrenzende Gemeindehaus aufgegeben sowie weitere Immobilien zur Disposition gestellt.
Bangen in Speyer-Nord
Da gibt es in Speyer-Nord das Hin und Her um die Christuskirche, wo Pfarrer Ulrich Kronenberg frohlockt, dass derzeit weniger mit dem Abrissbagger gedroht als in die Reparatur der besonderen Rundorgel investiert wird. Und da ist die Auferstehungskirche im Neuland, die längst nicht mehr in den Dimensionen früherer Jahrzehnte samt Gemeindezentrum benötigt wird. Die Stadtverwaltung durfte sich dort schon im Hinblick auf mögliche Jugendcafé-Pläne umschauen, derzeit könnte es aber nach RHEINPFALZ-Informationen eher auf eine Übergabe an die Freie Reformschule Speyer hinauslaufen, die wachsen will. Entschieden ist noch nichts.
Fakt ist: Neue Kirchenräume in Speyer haben in den vergangenen Jahren Juden, Muslime und evangelikale Gemeinden eingerichtet. Protestanten und Katholiken sind am Sitz ihrer pfälzischen Kirchenregierungen hingegen räumlich so üppig aufgestellt, dass nicht mehr alle Gebäude benötigt werden. Auch und gerade an Ostern bleibt festzuhalten, dass viele davon keine glanzvolle Auferstehung als Orte zum Gotteslob mehr feiern werden. Nur: Die richtige Alternative ist oft nicht so einfach zu finden. Die Entscheidungsprozesse in den Gemeinden, die längst auch wegen sinkender Kirchensteuer-Mittel ihren Gebäudebestand reduzieren müssen, sind komplex. Und Käufer stehen keine Schlange.
Tragische Fälle
Die teils geradezu tragische Entwicklung zeigt sich bei zwei früheren Kirchen, die in der Innenstadt nur wenige Meter voneinander entfernt liegen: St. Ludwig ist nach der Profanierung zunächst an einen Bauinvestor gegangen, dann an eine Privatfrau, die wegen des Brand- und Denkmalschutzes, Nachbarschaftsprotesten sowie anderen Hürden seit Jahren keine neue Nutzung hinbekommt. Die Heiliggeistkirche hingegen ist als Kulturstätte gefragt und genutzt, doch in der Frage der künftigen Trägerschaft bemühen sich Landeskirche, Stadt und weitere Akteure ebenfalls seit Jahren vergeblich um eine Antwort.
Trotzdem zeigen diese beiden Ex-Kirchen, wo es hingehen könnte: Die Stadt ist es nämlich, die als Vermittlerin auftreten sollte. Bei St. Ludwig hat sie der Eigentümerin die Option einer Traukirche aufgezeigt, auf die nun hingearbeitet wird. Bei der Heiliggeistkirche war es die kürzlich ausgeschiedene Bürgermeisterin Monika Kabs (CDU), die immer wieder zur Lösungssuche motiviert hat. Klar: Die städtische Bauabteilung unter Dezernentin und Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler (SPD) hat viele Projekte, darunter etwa die Arbeit an der Zukunft des „Stifts“ als nicht mehr im früheren Sinn benötigte profane Immobilie. Tatsächlich hat sie aber die Macht, neue Nutzungen möglich zu machen. Wenn von ihr Initiativen kämen, würden sich Bistum wie Landeskirche kaum verschließen. Die Stadt müsste dabei nicht selbst investieren, aber den Wert der Gebäude für Speyer erkennen und Interessierte zusammenbringen. Und wenn die Konversion der Kurpfalzkaserne wegen der Rückkehr der Bundeswehr ausfällt, dann könnte mit kleineren Schritten im innerstädtischen Raum dennoch einiges bewirkt werden. Speyers Kirchen 2.0: Nicht mehr benötigte Gotteshäuser könnten so mehr Chance als Bürde sein.