Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Patricks Woche: Staunen und Stirnrunzeln aus der Wirtschaft

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Das drohende Aus für die Firma Mann + Hummel in Speyer ist ein schwerer Schlag auch für die städtische Wirtschaftsförderung. Die kann aber nichts dafür.

Das Speyerer Werk des Filterherstellers Mann + Hummel soll bis Ende 2028 geschlossen werden. 600 Arbeitsplätze würden damit verloren gehen: Es war eine schlimme Nachricht an diesem Donnerstag aus der Speyerer Wirtschaft. Die deutsche Industriekrise ist in der Domstadt angekommen, die seit Jahren eher positive Schlagzeilen geschrieben hatte, wenn es um sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze ging. Man fühlt sich machtlos, wenn man so etwas erfährt. Man kann kaum ermessen, wie es nun den betroffenen Mitarbeitern geht, aber Machtlosigkeit wird sicher eine Rolle spielen.

Eine solche Ankündigung aus der Firmenzentrale ruft auch in Erinnerung: In der Wirtschaft ist selten Raum für Sentimentalitäten. Klar, es muss nüchtern kalkuliert werden, aber auch in dieser Sphäre macht der Ton die Musik. Mann + Hummel hatte vor wenigen Jahren schon knallhart das Produktionswerk an seinem Stammsitz Ludwigsburg geschlossen. Und auch ich hatte ein Erlebnis mit dem Unternehmen, das Stirnrunzeln verursacht hat. Es war ein Jubiläum, das im Speyerer Werk groß und mit noch größerer Torte gefeiert wurde, an dem ich als Berichterstatter teilnahm. Die geladenen Mitarbeiter gönnten sich ein Stück von dem Backwerk, als der Werkleiter zunehmend unruhig wurde. Es waren längst noch nicht alle Teller geleert, doch er schickte sie per Durchsage zurück an die Werkbank. Eine Erläuterung des Mannes, die für mich in diesem Rahmen deplatziert wirkte: „Zwischen dem Feiern arbeiten wir noch e bissle was.“

Keine Sentimentalitäten

Wie gesagt: keine unnötigen Sentimentalitäten. Die Causa Mann + Hummel zeigt auch, dass der Einfluss lokaler Akteure auf die lokale Wirtschaft begrenzt ist. Wenn die Filterexperten behaupten, anderswo günstiger produzieren zu können, dann kann die Kommunalpolitik wenig dagegen machen. Die Entscheidungen werden in global denkenden Konzernzentralen mit Blick auf die national geprägten Kostenstrukturen getroffen. Ohne Sentimentalitäten.

Und wenn sich im beginnenden Oberbürgermeister-Wahlkampf in Speyer abzeichnet, dass das Thema Wirtschaftsförderung eine Rolle spielen dürfte, dann muss auch deren Bedeutung relativiert werden. Eine Chefin oder ein Chef im Rathaus siedelt keine Stellen in der freien Wirtschaft an und baut auch keine ab. Einfluss gibt es jedoch auf die Stimmung und die Rahmenbedingungen für Unternehmen – und deshalb werden sich Amtsinhaberin Stefanie Seiler (SPD) wie auch Herausforderer Mike Oehlmann (FDP) dem Thema vor der Wahl am 6. September gewiss ausgiebig widmen.

Was macht der Liberale?

Oehlmann ist schon in einer Zeit, in der er noch kein OB-Kandidat war, immer wieder mit Forderungen nach mehr Wirtschaftsförderung aufgefallen. Seiler widmet sich dem Thema immer lieber, seit sie mit Mario Daum einen kraftvollen Leiter der Stabsstelle Wirtschaftsförderung an ihrer Seite hat. Die beiden besuchen in hoher Taktzahl erfolgreiche Unternehmen und berichten darüber. Die Stadt hat kürzlich auch eine eigene Umfrage namens „Wirtschaftsbarometer“ erstellt und das Ergebnis erzielt, dass es den teilnehmenden Unternehmen vergleichsweise gut geht.

Im Wahlkampf dürfte spannend werden, welche neuen Akzente Kandidat Oehlmann in diesem Bereich setzen möchte. Ich habe schon einmal kommentiert: Ob die Arbeit des Wirtschaftsförderers tatsächlich die offene Flanke in Seilers achtjähriger Regentschaft ist, darf bezweifelt werden. Die CDU-Fraktion hatte das mit einer politischen Anfrage nahegelegt – und als Antwort eine lange Liste an Initiativen aus dem entsprechenden Bereich der Verwaltung aufgezählt bekommen.

Wichtige Weichenstellung

Viel genauer könnte bei der Stadtentwicklung hingeschaut werden. Die wirft die größeren Fragen auf, und diese Fragen haben immer wieder auch mit der Wirtschaft zu tun. Ein Beispiel aus dieser Woche ist die Nachricht vom Erwerb der Holtzmann-Industriebrache am Wartturm durch das Autohaus Neubeck: Der Käufer überlegt laut, wie viel Wohnen und wie viel Gewerbe künftig auf der Fläche zulässig sein sollen. Über diesen Aspekt wird schon lange diskutiert, und tatsächlich handelt es sich um eine wichtige Weichenstellung.

Es hängt vieles mit vielem zusammen. Die Stadtpolitik kann auch Weichen für die Wirtschaft stellen und muss doch viele Firmenentscheidungen einfach zur Kenntnis nehmen – mal staunend, mal stirnrunzelnd. Sollte Mann + Hummel eine große Brache im Industriegebiet West hinterlassen, wäre eine weitere Aufgabe für die Wirtschaftsförderung definiert. Aber: Auch hier könnte sie bestenfalls vermitteln, nicht vollziehen.

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