Speyer
Passionskonzert der Speyerer Kantorei
Der Speyerer Kirchenmusikdirektor Robert Sattelberger hat sich mit Kantaten zu Passion und Ostern sowie dem Violinkonzert E-Dur von Johann Sebastian Bach den Wunsch erfüllt, ein eigenständiges Osteroratorium zu kreieren. Die Speyerer Kantorei, das Collegium musicum Speyer, Solo-Violine und vier Solisten haben am Sonntag in der Dreifaltigkeitskirche mitgewirkt.
Barbara Mauch-Heinke spielt die erste Geige. Entrückt lässt sie die Musik mit geschlossenen Augen in sich eindringen, ihr Einsatz gelingt auf dem Punkt, die zwölf Orchester-Kolleginnen folgen der Konzertmeisterin freudig.
Im Mittelpunkt des Konzertes am Palmsonntag stehen Kantaten, die Johann Sebastian Bach zu Beginn seiner Weimarer Zeit als Konzertmeister dort um 1714 komponiert hat.
„Himmelskönig sei willkommen“ BWV 182, eine Kantate zum Palmsonntag begrüßt die Zuhörer mit wunderbarem Klang und bestätigt die Experimentierfreude des jungen Bach am Anfang des 18. Jahrhunderts.
Das Konzert war ein musikalischer Hochgenuss zum Start in die Karwoche. Wie gut, dass weiland in Weimar, anders als in Leipzig, in der Passionszeit die Figuralmusik ruhen musste,
Solo-Bass Florian Sauer singt nach dem Chor mit mehr als 40 Sängerinnen und Sängern vom Gottessohn, der sich zum Heil der Welt geopfert hat. Begleitet wird er ganz großartig von Cello und Kontrabass. Dalila Djenics Alt dringt bewegend in den Kirchenraum, Tenor Thomas Dorn fleht in seiner Arie Jesus eindringlich an, ihn „durch Wohl und Weh“ mitziehen zu lassen.
Der Kantate folgt mit „Weinen, Klagen, Sorgen, Zagen“ BWV 12 eine zweite, die für Jubilate, den dritten Sonntag nach Ostern komponiert wurde. Sattelberger leitet Instrumentalisten und Sänger mit leichter Hand, sorgt am für Ruhe, mal für Bewegung, verschafft Gänsehaut-Momente. Mit Körper, Herz und Seele gelingt es dem Kirchenmusikdirektor, sein Osteroratorium nachhallen zu lassen. Den berühmten ersten Chor hat Bach später zum Crucifixus der h-moll-Messe umgearbeitet und den durchlaufenden Bass dann 13 Mal statt zwölf Mal wiederholt.
Dreiklangmelodik und rauschende Sequenzen bestimmen Bachs wunderschönes E-Dur-Violinkonzert, bei dem Barbara Mauch-Heinke eine exzellente Solistin war.
Die zum Abschluss gespielte Kantate „Christ lag in Todesbanden“ BWV 4 gehört zu Bachs frühesten Kirchenkompositionen. Sie ist eine Choralkantate auf das Osterlied, das Martin Luther im Jahr 1524 geschrieben hat. Jede Strophe des bildreichen Textes schließt mit einem Halleluja. Sopranistin Angelika Lenter tritt hier zu den Gesangssolisten und singt im Duett der hohen Stimmen geradezu himmelsgleich gemeinsam mit Dalila Djenic.
Bereits vor Beginn der Karwoche ist es damit mit der Speyerer Kantorei, dem Collegium musicum sowie herausragenden Solisten unter der Gesamtleitung Sattelbergers in der Dreifaltigkeitskirche Ostern geworden.
Aus Musik zum Hören, Sehen und vor allem Fühlen besteht Robert Sattelbergers Osteroratorium. Großartige Soli und ein überaus niveauvolles Chor-Erlebnis begeistern das Publikum so sehr, dass beim großen Applaus regelrecht Jubelrufe aus den Kirchenbänken dringen.