Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel PalatinaKlassik in der Galerie Kulturraum und mit neuen Plänen

Michael Wagner singt in der Galerie Kulturraum in Speyer, im Hintergrund das PalatinaKlassik-Barockensemble unter Leo Kraemer (r
Michael Wagner singt in der Galerie Kulturraum in Speyer, im Hintergrund das PalatinaKlassik-Barockensemble unter Leo Kraemer (rechts am E-Piano).

Ein Abend der Begegnung von PalatinaKlassik mit Michael Wagner war in der Galerie Kulturraum in Speyer. Und mehr zu Leo Kraemers Gast- und Heimspielen.

PalatinaKlassik hat gleichsam ein neues Format begründet: Musik umrahmt einen kulturpolitisch relevanten Vortrag seines Vorsitzenden Michael Wagner an einem Kunstort. So war es jetzt schon zum zweiten Mal. Jetzt in der Speyerer Galerie Kulturraum. Natürlich wirkte dabei auch der künstlerische Leiter Leo Kraemer mit.

Begleitete er im November im Feuerbachhaus den Landtagsabgeordneten Michael Wagner (CDU), Vorsitzender des Ausschusses für Kultur im Landtag Rheinland-Pfalz und Tenor, bei Liedern von Schubert, war er diesmal mit dem PalatinaKlassik-Barockensemble da, also auch mit Robert Frank und Susanne Phieler (Violine) sowie Stephanie Phieler (Viola).

 Leo Kraemer beim Konzert mit Bachs Weihnachtsoratorium 2025 im Historischen Museum in Speyer.
Leo Kraemer beim Konzert mit Bachs Weihnachtsoratorium 2025 im Historischen Museum in Speyer.

Mit Johann Strauss’ II Walzer „Rosen aus dem Süden“ begann das Musikprogramm, dann sang Michael Wagner Operette und Wiener Lieder: „Ich bin nur ein armer Wandergesell“ aus Eduard Künnekes „Der Vetter aus Dingsda“, Rudolf Sieczynskis „Wien, du Stadt meiner Träume“, Robert Stolz’ „In Wien gibt’s manch winziges Gasserl“, Ralf Benatzkys „Ich muss einmal wieder in Grinzing sein“ und das Champagnerlied aus der „Fledermaus“. Der Tenor sang all diese Stücke mit großer Stimmpracht, viel Elan und Ausstrahlung – und sorgte so für ein animierendes Hörvergnügen. Einschmeichelnd war auch die instrumentale Begleitung. In der voll besetzten Galerie gab es viel Beifall.

„Klang, Farbe und Begegnung – Ein Kulturabend in der Galerie Kulturraum Speyer“ war der Titel der Veranstaltung mitten in der aktuellen Ausstellung mit Arbeiten von Angie Horlemann und Irmgard Böhmer-Saal.

„Kunst bewahrt Geschichte. Nicht nur große politische Ereignisse, sondern die Haltung einer Zeit: ihre Ängste, Hoffnungen, Träume und Brüche. Was wüssten wir über vergangene Epochen ohne ihre Bilder? Ohne die Malerei der Renaissance, ohne den Barock, ohne die Romantik, ohne die radikalen Bildsprachen der Moderne“, sagte Wagner in seinem Vortrag. „In jedem Bild begegnen sich Vergangenheit und Gegenwart, Künstler und Betrachter, individuelles Erleben und kollektive Kultur. Ein Kunstwerk ist nie abgeschlossen – es entsteht immer wieder neu im Blick des Betrachtenden.“ Und weiter: „Ohne Kunst verlieren wir nicht nur Bilder. Wir verlieren den Blick für uns selbst“. Er machte sich für ein Kulturfördergesetz im Land stark, denn „Ein solches Gesetz macht deutlich: Kultur ist keine freiwillige Leistung, sondern Teil der Daseinsvorsorge. Es bekennt sich dazu, dass Kultur einen gesellschaftlichen Wert hat – für Demokratie, Identität, Bildung und soziale Integration.“

Weltweites Musizieren

Leo Kraemer, der frühere langjährige Domorganist und Domkapellmeister in Dom, hatte zuletzt etwas freie Zeit. Im Dezember und zu Jahresbeginn hatte der 82-Jährige mit den Ensembles des Vereins PalatinaKlassik und als Gastdirigent in Mexico City, St. Petersburg und weiteren Städten rund ein Dutzend Konzerte bestritten. „Kälte macht mir weniger aus als Hitze“, nennt Kraemer einen Grund für seine winterliche Hochform.

Für die Erklärung seines nach wie vor hohen Arbeitspensums bedeutsamer als seine Kälteresistenz ist freilich auch seine unerschütterliche Überzeugung, dass die Musik wie die Kultur insgesamt ein unverzichtbarer Bestandteil der menschlichen Existenz sei. Begriffe wie Lebensmittel und Lebenselixier fallen einem denn auch im Gespräch mit Leo Kraemer in Bezug auf die Tonkunst ein. Sein Wirken als Organist, Pianist und als Dirigent begreift Kraemer als „zentrale und unverzichtbare Aufgabe.“

Berührungsängste mit Menschen anderer Kulturkreise hatte Kraemer nie, von 1971 bis 2009 Domorganist. 1980 hat er den Internationalen Orgelwettbewerb Dom zu Speyer mitgegründet und zu den Internationalen Musiktagen Dom zu Speyer weiterentwickelt. Zudem ist Kraemer als Domorganist oft im Ausland aufgetreten.

„Ich habe schon in den 1980er-Jahren als Gastdirigent mehrere Konzerte der St. Petersburger Philharmoniker geleitet“. Damals bestand noch der „Eiserne Vorhang“ zwischen West und Ost. Darüber hinaus nahm Kraemer ebenfalls in jenem Jahrzehnt eine Einladung des Serviceclubs der Rotarier und der Anthroposophischen Gesellschaft an, in Mexico City als Gast Konzerte zu leiten. Und in der Heimat trat er keineswegs kürzer: 1990 wurde Kraemer auch Domkapellmeister.

Zu Gast in anderen Kulturen

In den vergangenen Wochen hat er eine Aufführung von Bachs Weihnachtsoratorium in Mexico City geleitet, zwei ausverkaufte Konzerte in St. Petersburg, eines davon als Dirigent der Philharmoniker, das andere als Organist, und einen Auftritt in Estlands Hauptstadt Tallinn bestritten. „In Mexiko ist die Verehrung für die deutsche Kultur unbeschreiblich groß“, berichtet Kraemer. An ein Ende seines Engagements in fernen Ländern denkt er bisher nicht. Zwar seien die weiten Flugreisen anstrengend, doch machten ihm solche Auftritte nach wie vor viel Freude.

Neben seinen Aktivitäten in aller Welt hatte Kraemer jüngst mehrere „Heimspiele“ als künstlerischer Leiter des 2012 gegründeten Vereins PalatinaKlassik. Dazu zählen das Adventskonzert in der evangelischen Kirche in Neulußheim, die Aufführung der Teile eins bis drei von Bachs Weihnachtsoratorium im Historischen Museum in Speyer und das Weihnachtskonzert am zweiten Weihnachtsfeiertag in der Eußerthal.

In das neue Jahr 2026 starteten das PalatinaKlassik-Vokal- und -Brassensemble sowie Robert Frank an der Violine mit einem Neujahrskonzert in der St. Ulrich in Deidesheim. Weitere Neujahrskonzerte gab der Verein in Waldsee und in Kleinniedesheim.

Sechster Musikherbst

PalatinaKlassik veranstalten außerdem den Speyerer und den Deidesheimer Musikherbst. Vereinsvorsitzender Michael Wagner: „Seit 2012 organisiere ich jährlich circa 20 Konzerte. Eine Mammutaufgabe, die ich gerne angehe, weil mir die Kultur ein Herzensanliegen ist, und ich davon überzeugt bin, dass die Kultur ein wesentlicher Bestandteil unseres Menschseins ist.“

Michael Wagner unterstreicht, dass der Verein „Förderkreis PalatinaKlassik“ keine institutionelle Förderung von einer Kommune oder dem Land erhalte. „Mithin ist PalatinaKlassik immer auch auf die Unterstützung von Sponsoren angewiesen. Zur Zeit führe ich als Vorsitzender des Förderkreises viele Sponsorengespräche und stimme mich mit Behörden und Institutionen ab.“

Die meisten Termine für die kommende Spielzeit stehen fest: „Traditionell gastieren wir am Pfingstmontag (25. Mai) in der Abteikirche in Eußerthal“, sagt Wagner. Vom 7. August bis 11. September läuft der sechste Speyerer Musikherbst. Eröffnet wird die Reihe mit einem „barocken Feuerwerk“ im Historischen Ratssaal. „Die weiteren Planungen für den Speyerer Musikherbst sehen einen Klavier- und Orgelabend vor, ferner ein Chorkonzert in der katholischen Pfarrkirche St. Otto. Für den Abschluss ist die Aufführung von Franz Schuberts 8. Sinfonie und seiner Messe in G-Dur angedacht.“ Zeitversetzt folgt der Deidesheimer Musikherbst, den PalatinaKlassik seit drei Jahren organisiert. „Dazu laufen gerade die Abstimmungsgespräche mit den Kirchen, der Kreis- und Stadtverwaltung.“

Probenraum in Geinsheim

Für den 13. Dezember ist wieder ein Adventskonzert in Neulußheim geplant, am 18. Dezember folgt im Historischen Museum die Aufführung von Bachs Weihnachtsoratorium. „Am 20. Dezember sind wir mit einem Weihnachtskonzert in der Katholischen Pfarrkirche Geinsheim und am zweiten Weihnachtsfeiertag in Eußerthal. Zu Beginn des Jahres 2027 stehen Neujahrskonzerte an.“

Vor Leo Kraemer liegen also wieder zahlreiche Auftritte mit PalatinaKlassik. Aber nicht nur damit. Zudem leitet der gebürtige Saarländer nach wie vor den Philharmonischen Chor an der Saar und vor zwei Jahren übernahm er die Leitung der Chorsängervereinigung 1791 Geinsheim. Mit dem wohl ältesten noch bestehenden Chor in Deutschland und dem PalatinaKlassik-Vokalensemble gibt er am 21. Juni in Geinsheim ein Konzert mit Werken von Mozart und Schubert. Wobei sich Angehörige der beiden Ensembles seit kurzem regelmäßig in Geinsheim begegnen können: Der Proberaum der Chorsängervereinigung ist zugleich die neue Probestätte von PalatinaKlassik, nachdem der bisherige Standort in Speyer wegen Sanierung wegfiel.

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