Speyer
Orgelkonzert von Helmut Deutsch
Das Orgelkonzert von Helmut Deutsch, Stuttgarter Professor für künstlerisches Orgelspiel, hat in der Speyerer Gedächtniskirche für die Passionszeit die Reihe der Gastspiele prominenter deutscher Orgellehrer glanzvoll beendet.
Deutsch ist in Speyer kein Unbekannter, hat er doch den internationalen Orgelwettbewerb gewonnen, der 1991 in Speyer stattgefunden hat. Seine Leidenschaft für das Instrument hat er auch nach mehr als 35 Jahren nicht verloren. Das spüren die Zuhörer sofort, als er zunächst an der Klais-Orgel im Altarraum Platz Klais nimmt.
Mit seinem Auftritt wurde ein weiteres Glanzlicht in der verdienstvollen Reihe des Gipfeltreffens der Orgelprofessoren gesetzt, denn der angesehene Musiker wurde in ihn gesetzten Erwartungen voll gerecht und begeisterte durch seine überlegende Gestaltungskunst an der Königin der Instrumente, genauer deren beide Vertreterinnen in der Gedächtniskirche der Protestation. Deutsch ist zudem bekannt für seine Virtuosität und die Klarheit seines Orgelspiels – und auch diese Tugenden macht er bei seinem Konzert in Speyer offenkundig.
Bach in Liszts Version
Er begann das Konzert mit der Fantasia in c-moll von Johann Sebastian Bach in einer authentischen, stilsicheren Interpretation.
Bachs berühmte Passacaglia in c-Moll spielt er in der Fassung Liszts von 1875, die ihren Ursprung in Alexander Wilhelm Gottschalgs Repetitorium für Orgel, Pedalklavier und Harmonium findet. Und dabei konnte er ideal mit seinem technischen Vermögen und der Sicherheit seines Zugriffs auf das berühmte Werk glänzen.
Das letzte Stück an der Chororgel war dem Orgelbüchlein von Bach entnommen. „O Mensch, bewein dein Sünde groß“, das lutherische Kirchenlied von 1530, ist eine Passionsbetrachtung in Liedform, in der die Leidensgeschichte Jesu erzählt wird. Deutsch verstand es vorzüglich, mit seinem genau ziselieren Spiel die Gedanken- und Ausdruckswelt dieser Komposition zu vermitteln.
Monumentalwerk der Orgelliteratur
Zum Schluss dann eines der Monumentalwerke der Orgelliteratur: „Der 94. Psalm“ in c-moll von Julius Reubke, dem mit 24 Jahren an Tuberkulose früh gestorbenen Liszt-Schüler. Dazu wechselte Deutsch natürlich von der Chor- zur großen Orgel auf die Empore der Gedächtniskirche. Kirchenmusikdirektor Robert Sattelberger las zunächst den Text des 94. Psalms vor, was das Erleben der Musik in besonderer Weise intensivierte. Deutsch blieb dem Werk nichts an Ausdruck, Leidenschaft, Klangkraft und Tiefgründigkeit schuldig.
Termine
Am nächsten Sonntag, 29. März, dem Palmsonntag, ist dann in der Speyerer Dreifaltigkeitskirche um 18 Uhr die Aufführung der Johannespassion von Johann Sebastian Bach unter der Leitung von Kirchenmusikdirektor Robert Sattelberger. Karten gibt es bei allen reservix-Vorverkaufsstellen oder der Tourist-Info.
Bei seinem Orgelkonzert zum Karfreitag, 3. April, 18 Uhr spielt der musikalische „Hausherr“ Robert Sattelberger in der Gedächtniskirche Werke von Bach und Franz Liszt (Evocation), der Eintritt ist frei.
Orgelgastspiele sind dann am Pfingstsonntag, 24. Mai, 18 Uhr, in der Gedächtniskirche mit Martin Schmeding (Leipzig). Bei „Geist – Feuer – Tanz“ erklingen Werke von Durufle („Veni creator“), Bach, Ravel, Reger oder Messiaen (Pfingstmesse). Und am Sonntag, 9. August, 18 Uhr, kommt in die Gedächtniskirche dann Gunter Kennel (Berlin) mit Bach, einem eigenen Werk und anderen.