Speyer
OB-Wahl 2026 in Speyer: FDP-Mann ist auch Kandidat der CDU
FDP-Stadtrat Mike Oehlmann (48) werde als unabhängiger Kandidat zu der Wahl am 6. September antreten und die Unterstützung der CDU Speyer erhalten. Das hat der Kreisvorstand der Christdemokraten am Mittwochmorgen auf Anfrage mitgeteilt. Die 14 Mitglieder hätten in einer Sitzung am Dienstagabend einstimmig beschlossen, Oehlmann aufzustellen. Der FDP-Politiker selbst hatte seine Kandidatur im Februar angekündigt.
„Mit dieser Entscheidung bringt die CDU Speyer ihr klares Vertrauen in die Persönlichkeit, Kompetenz und Integrationskraft von Mike Oehlmann zum Ausdruck“, heißt es in der Pressemitteilung. Der Kreisvorstand sei davon überzeugt, dass der bisher als Inhaber einer Versicherungsagentur tätige Kandidat „die besten Voraussetzungen mitbringt, um die Stadt Speyer verantwortungsvoll, bürgernah und zukunftsorientiert als Oberbürgermeister zu führen“.
„Kraft der bürgerlichen Mitte“
CDU-Kreisvorsitzende Sylvia Holzhäuser wird wie folgt zitiert: „Unser Ziel ist es, die politische Kraft der bürgerlichen Mitte in Speyer mit einem gemeinsamen Kandidaten zu bündeln, den notwendigen Wechsel an der Spitze der Stadt herbeizuführen und damit tragfähige Perspektiven für unser Speyer zu entwickeln.“ Oehlmann sei eine Persönlichkeit, die unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen wieder zusammenführen könne und für Stabilität, Verlässlichkeit sowie Respekt stehe.
Holzhäuser bestätigt auf Nachfrage, dass das auch als Kritik an Amtsinhaberin Stefanie Seiler (SPD) verstanden werden könne. Die CDU hatte sich zunächst um eine Kandidatur aus ihren eigenen Reihen bemüht und bezieht nun – nachdem diese nicht zustande kam – Position bezüglich der beiden bereits bekannten Bewerber: Oehlmann sei ihr Kandidat, Seiler nicht. Der seit 2019 amtierenden OB wirft Holzhäuser unter anderem vor, eine Spaltung im Stadtrat herbeigeführt und Vertrauen verspielt zu haben.
Oehlmann stehe dafür, zukunftsorientierte Themen in einer verantwortungsvollen Weise anzupacken, die man bei Seiler zuletzt vermisst habe. Es gebe dafür viele Beispiele, so Holzhäuser, die als eines davon den Ärger um das gastronomisch genutzte Podest vor der Postgalerie nennt.
„Kein Notnagel“
Der CDU-Chefin ist wichtig, dass Oehlmann kein „Notnagel“ bei ihrer Kandidatensuche sei. Er habe schon lange auf einer Liste der Christdemokraten gestanden, und es habe im Dezember auch schon erste Gespräche mit ihm gegeben. Ihre Partei habe nicht vor der Landtagswahl am 22. März entscheiden wollen, letztlich habe sich aber wegen der überzeugenden Personalie Oehlmann die Frage nach einem Kandidaten aus ihren Reihen nicht mehr gestellt. Vorige Woche hatte sich der 48-Jährige dann dem engeren CDU-Kreisvorstand und weiteren an der Kandidatensuche beteiligten Parteifreunden vorgestellt. Die entscheidende Sitzung am Dienstag zog sich über mehrere Stunden hin, weil zunächst ohne Oehlmann getagt und dieser dann hinzugerufen wurde, um Fragen zu beantworten. Sie selbst habe den Findungsprozess resümiert, Oehlmann habe überzeugend seine Themenschwerpunkte wiedergegeben, berichtet Holzhäuser aus der Sitzung.
„Das gibt enormen Rückenwind“, kommentierte am Mittwoch auf Anfrage Mike Oehlmann die Zusage. Er habe mit dieser CDU-Entscheidung bis vor einiger Zeit nicht gerechnet und wäre vor seiner Kandidatur auch bereit gewesen, eine CDU-Bewerbung zu unterstützen, damit sich etwas ändert. Er sei „immer gesprächsbereit und offen“, das würde er auch im Fall eines Wahlsiegs beibehalten. Er wolle die Lager, die sich in der Speyerer Politik aufgetan hätten, schließen. Er wolle allen Wählern ein Angebot machen und schon vorab mit allen politischen Gruppierungen das Gespräch suchen. Er sei für weitere Unterstützung offen. Eine formelle Unterstützung der AfD würde er nicht annehmen, sagte er auf Nachfrage.
Oehlmann hatte im Februar seine Kandidatur erklärt und damit teilweise harte Kritik an der Stadtverwaltung unter OB Seiler geübt. Er warf ihr Organisationsversagen vor, vermisste Fairness und erkannte eine „finanzpolitische Geisterfahrt mit Ansage“. Er selbst wolle „Mut zur Modernisierung“ ins Rathaus bringen, so Oehlmann. Vorige Woche haben schon die Freien Wähler Speyer angekündigt, seine Kandidatur zu unterstützen. Sie äußerten in einer Pressemitteilung Vertrauen in den FDP-Politiker. Sie sehen die Domstadt „politisch in einer schweren Krise“. Stefanie Seiler (42) hatte sich 2018 in einer Stichwahl mit 52,4 Prozent der gültigen Stimmen gegen Vorgänger Hansjörg Eger (CDU) durchgesetzt.
