Speyer Nordische Schwermut mit Hoffnungsschimmer
Mit einer deutschen Erstaufführung und einem christlichen Chorwerk hat der Projektchor des katholischen Kirchenchors St. Cäcilia Dudenhofen gemeinsam mit Streichorchester, Percussion-Gruppe, Pianist, Solosängern und -Trompeter die voll besetzte Kirche St. Gangolf bewegt. „Magnificat“ und „Requiem“ des zeitgenössischen norwegischen Komponisten Kim André Arnesen waren eine gute Wahl für das Konzert am Totensonntag.
Wer nordische Schwermut erwartet hatte, wurde nicht enttäuscht. Gleichzeitig überraschten Sänger und Instrumentalisten unter der Gesamtleitung von Silvia Körner mit hoffnungsvollen Sätzen mit ebenso eingängiger wie anrührender Musik zu wundersamen biblischen Geschichten. Mehr als 50 Chorsänger begannen „Magnificat“, den Lobgesang Mariens, verhalten. In sieben Sätzen bauten sie Gefühle der Hingabe, Freude und Hoffnung zu einer jubilierenden Messe auf. Das von Arnesen als Gebet für die Armen und Kranken geschriebene und 2010 im norwegischen Trondheim uraufgeführte Werk riss die Zuhörer auch in Dudenhofen mit. Die für Arnesen typisch melodischen Sätze wechselten vom klassischen Chorwerk zur Pop-Komposition. Lichtinszenierungen rundeten das Gesamtkunstwerk auch optisch beeindruckend ab. „Requiem“, Arnesens 2014 uraufgeführte Totenmesse, hat ihren Weg von Norwegen zunächst in die New Yorker Carnegy Hall und am Sonntag in die Kirche St. Gangolf in Dudenhofen gefunden. Ein gutes halbes Jahr haben Projektchor und Instrumentalisten für die deutsche Erstaufführung des anspruchsvollen großformatigen Werks geübt. Musiker und Dirigentin haben in siebenstimmiger Besetzung acht Sätze über Verzweiflung, Trauer, Erinnerung und Gottvertrauen emotional, fast meditativ interpretiert. Ihr „Pie Jesus“ drang in Kopf, Körper und Seele. Eindrucksvolle und gefühlvolle Soli präsentierten Pia Knoll, Almut Fingerle-Krieger, Danai Amann, Jenny Grothe, Hubert Beck und Gustav Adlhoch. Für die erkrankte Gesang-Solistin Pia Knoll war Angelika Grothe zusätzlich eingesprungen. Silvia Körner dirigierte mit Hingabe Sänger, Instrumentalisten und auch Ehemann Clemens. Der Landrat verstärkte am Sonntag die Männerstimmen im Projektchor. Mit feinem Gespür für Atmosphäre gelang es Silvia Körner, die Konzert-Mitwirkenden über sich hinauswachsen zu lassen. Die Freude an der Musik war ihnen und ihrer Leiterin besonders im zweiten Requiemsatz „Dies Irae“ (Tage des Zorns) anzusehen und anzuhören. Temperamentvoll die Darbietung von Arnesens „Sanctus“. Jede Stimme, jedes Instrument verabschiedete sich nahezu individuell mit „Amen“. Fingerle-Krieger sang „We Remember Them“ (Wir erinnern uns an sie) sehr bewegend, bevor die Totenglocke von St. Gangolf zum Abschluss eines ganz besonderen Konzerts an die Verstorbenen erinnerten.