Speyer
Neujahrskonzerte mit den Ensembles von PalatinaKlassik in Waldsee und in Germersheim
Es hat längst Tradition in Waldsee: Das Neujahrskonzert mit dem PalatinaKlassik-Barockensemble unter Leo Kraemer im katholischen Pfarrzentrum. Wie beliebt diese Veranstaltung ist, lässt sich auch daran ablesen, dass das Konzert stets nahezu bis ganz ausverkauft ist. Voll war auch am Tag zuvor die Stadthalle Germersheim beim Neujahrskonzert dort mit PalatinaKlassik.
Am Sonntag in Waldsee waren nur mit Mühe noch wenige freie Stühle in den Reihen auszumachen. Stets bietet das Programm eine Mischung von Barock und Klassik im ersten Teil, und einiges von der anspruchsvolleren leichten Muse nach der Pause. Und vor heiteren Überraschungen kann man nie sicher sein – wie auch dieses Mal, als ein Landtagsabgeordneter zeigte, dass er nicht nur Reden halten, sondern auch singen kann.
Das Barockensemble besteht aus vier Streichern plus Cembalo, mit dem herausragenden Ersten Geiger Robert Frank, den Schwestern Susanne (Violine) und Stephanie (Viola) Phieler, und Roland Kuntze, Violoncello. Kraemer leitete das Ensemble vom Cembalo aus.
Glänzende Unterhaltung
Sie begannen das Konzert mit der Sinfonia in d-moll von Ignaz Holzbauer. Die Sinfonia in drei Sätzen ist ein festliches Stück Musik für die Hofgesellschaft Karl Theodors, eigentlich für ein Orchester komponiert. Die Übertragung auf ein Kammerensemble nahm ihr jedoch nichts vom festlichen Charakter. Glänzende Unterhaltung für ein anspruchsvolles Publikum am Hof zu Köthen war auch das Violinkonzert in E-Dur von Bach, mit Frank als Solisten. Bach wurde hier offensichtlich von Vivaldi beeinflusst. Eine logische Folge war dann Mozarts Salzburger Sinfonie in D-Dur KV 136.
Die „Rosen aus dem Süden“ eröffneten den zweiten Teil des Konzerts, ein Konzertwalzer von Johann Strauß aus seiner Operette „Das Spitzentuch der Königin“. Diese Operette ist vergessen, der Walzer ist ein Dauerblüher. In die gleiche Kategorie der Hitliste der Unterhaltungsmusik Ende des 19. Jahrhunderts gehört auch der Csardas von Vittorio Monti. Monti war zwar Italiener aus Neapel und leitete ein Orchester in Paris, aber sein Csardas mit Zigeunergeigenschmelz ist ungarischer als jeder echte aus Ungarn, zumindest in den Kategorien der zeitgenössischen Unterhaltung.
Der echt argentinische Tango eines Dänen war perfekte Ergänzung, Jacob Gades „Jalousie“ von 1925, komponiert als Filmmusik für einen Stummfilm. Echt wienerisch ohne Anführungszeichen war dann die Folge der drei Charakterstücke „Liebesleid“, „Liebesfreud“ und „Schön Rosmarin“ von Fritz Kreisler.
Gelungene Überraschung
Damit – und mit sehr viel Beifall – wäre das Konzert eigentlich zu Ende gewesen, als sich jedoch aus dem Publikum etwa ein Dutzend Chormitglieder des PalatinaKlassik-Vokalensembles nach vorn auf die Bühne begaben, darunter Michael Wagner, CDU-Landtagsmitglied, und Vorsitzender von PalatinaKlassik. Er war später gekommen, nach fünf Neujahrsempfängen an diesem Nachmittag. Er besitzt einen geschulten Tenor – und kurzfristig zusätzlich einen guten Sopran, ganz ohne Geschlechtsumwandlung.
Mit dem Chorensemble sang er das Trinklied aus Verdis „La Traviata“ mit sich im Duett – seine Frau, die den Sopran singen sollte, war indisponiert - und das Champagnerlied aus der „Fledermaus“ von Johann Strauß. Der Beifall war verdient gewaltig.
„Messias“ und „Elias“
Ernste Musik und leichte Muse brachte auch am Tag zuvor das Neujahrskonzert des Vereins zur Förderung von Kunst und Kultur im Kreis Germersheim in der ausverkauften Stadthalle. Hier leitete Leo Kraemer die PalatinaKlassik-Kammerphilharmonie und das -Vokalensemble. Die große Besetzung erlaubte im ersten, quasi spirituellen Teil Ausschnitte aus zwei der gewichtigsten und tiefgründigsten Oratorien der Musikgeschichte: Händels „Messias“ und Felix Mendelssohn Bartholdys „Elias“. Vom „Messias“ war der Anfang, von „Elias“ der Schluss zu hören. Dazu gab es einige Stücke aus der Mitte. Natürlich durfte das „Halleluja“ Händels nicht fehlen. Kraemer, mit beiden Werken selbstverständlich eng vertraut, animierte seine Ensembles zu rhythmisch straffen und impulsiven Wiedergaben. Soli übernahmen mit warmem Sopran Ekaterina Kuridze und sehr beweglichem Tenor Fabian Kelly.
Auch in Germersheim folgte die leichte Muse nach der Pause mit einem bunten Strauss populärer Werke – und auch hier standen das Trinklied aus „La Traviata“ und „Im Feuerstrom der Reben“ aus der „Fledermaus“ auf dem Programm. Die Damen des Chors mit bunten Schals und die Herren mit stilvollem Zylinder passten sich auch optisch diesen Evergreens an. Auch in Germersheim war das Publikum begeistert. Schon zum zweiten Mal hatte PalatinaKlassik dieses traditionelle Neujahrskonzert gestaltet.