Speyer
Neuer Verantwortlicher für den Dom: Muss den Besuchern künftig mehr erklärt werden?
Der neue Domdekan ... über den Dom: Die größte romanische Kirche der Welt sei nicht nur ein Gotteshaus, sondern auch ein bedeutendes architektonisches, künstlerisches und kulturelles Erbe, betont Georg Müller. „Der Dom soll nicht nur für Katholiken ein Anziehungspunkt sein, sondern für alle, denen er etwas bedeutet.“ Das Interesse sei ungebrochen, aber immer mehr kämen ohne Vorwissen zu der besonderen Kirche. „Für sie entscheidet sich oft erst im Inneren, was der Dom für sie ist.“ Seine Erfahrung: „Er lässt niemanden kalt.“ Er wolle als Domdekan dafür stehen, dass die in ihren ältesten Teilen vor fast 1000 Jahren errichtete Bischofskirche auch künftig auf diese Weise erlebt werden kann.
… über seinen Weg in die Verantwortung: Müller ist ein Kind des Bistums Speyer. Geboren in Dahn, aufgewachsen als Sohn eines Forstamtsleiters in Merzalben in der Südwestpfalz. Nach dem Studium mit Promotion in München, Rom und Münster war er als Priester schon mehrfach im Umfeld des Doms tätig: als Domkaplan, als theologischer Referent und persönlicher Sekretär von Bischof Karl-Heinz Wiesemann sowie später als oberster Kirchenrichter im Bistum. Zwischenzeitlich trug er als Pfarrer Verantwortung für die Gemeinden in Oppau und Schifferstadt. Seit 2022 ist er Domkapitular und arbeitet in der Dompfarrei Pax Christi mit. „Speyer und der Dom sind mir nicht fremd, und ich bin hier vielen nicht fremd“, betont er.
… über seinen neuen Auftrag: Seine Aufgaben als Kirchenrichter und als Beauftragter für die Klöster und Orden im Bistum behält Müller bei. Dazu kommt nun die Verantwortung für das Vermögen, die Finanzen und die Immobilien des Domkapitels. Von seinem in den Ruhestand gegangenen Vorgänger Christoph Kohl übernimmt er das Amt des Domdekans, aber nicht die Zuständigkeit für die Gottesdienstplanung und die Musik im Dom. Hierbei unterstützen ihn weitere Domkapitulare. „Ich merke schon, wie die Termine und die Arbeit zunehmen“, sagt Müller. Er halte als Repräsentant künftig auch den Kontakt etwa zur Stadt, zum Dombauverein und zur Kaiserdom-Stiftung. Bei baulichen Themen und bei der Außendarstellung des Doms könne er sich auf sein Mitarbeiterteam um Hedwig Drabik und Friederike Walter verlassen.
… über die Möglichkeiten zum Dombesuch: „Wir bekommen das derzeit gut hin“, sagt Müller. Es sei ein immerwährender Spagat, den sakralen Raum „nicht mit Schildern zuzupflastern“ und doch die jährlich mehr als 800.000 Besucher aus aller Welt gut zu informieren. „Das wird nicht einfacher in Zeiten, in denen das Wissen über Liturgie und Kirchenarchitektur abnimmt.“ Informationen könnten heute zudem „unauffällig“ über Audioguides oder digitale Hilfen vermittelt werden. Es werde zwar geprüft, ob solche Möglichkeiten noch ergänzt werden können. Insgesamt gelte es aber, die „schlichte Großartigkeit“ des Doms zu erhalten. „Die Architektur spricht für sich.“ Die touristische Erschließung auch mit Krypta und Aussichtsplattform laufe gut und sei kostendeckend. Der Dom sei ein Anziehungspunkt, aber nicht überlaufen.
… über die Zukunft: Er sei nicht der Typ dafür, bewährte Modelle vom Kopf auf die Füße zu stellen, betont Müller. Dem Speyerer Dom würde das auch nicht gerecht. Viele Herausforderungen beim baulichen Unterhalt seien ohnehin längst definiert mit der noch mehrere Jahre andauernden Sanierung der Osttürme, aber auch mit einem Projekt wie der Erneuerung des Ölbergs, das auf Spenden angewiesen sei und nur schrittweise über die Bühne gehen könne. 2026 werde es an diesem Denkmal an der Südseite wieder Fortschritte geben. Bei alldem sei mit rückläufigen Zuschüssen vom Bistum zu rechnen. Dessen Sparkurs betreffe auch den Dom, aber man versuche, seiner Bedeutung gerecht zu werden. In der Gremien- und Netzwerkarbeit werde er deshalb auch ein Spendensammler für die Kathedrale sein müssen, so Müller – er nehme diese Rolle an.