Leichtathletik RHEINPFALZ Plus Artikel Neuer Teilnehmerrekord beim Brezelfestlauf

Übernimmt sofort die Spitze und gibt sie nie mehr her: Kidus Gebremeskel (rechts im weißen Trikot).
Übernimmt sofort die Spitze und gibt sie nie mehr her: Kidus Gebremeskel (rechts im weißen Trikot).

Alte Bekannte, bemerkenswerte Leistungen und ein paar Unverbesserliche, das ist der Brezelfestlauf durch die Innenstadt. Warum bei der Tombola einer doppelten Grund zum Feiern findet. 2025 muss der Organisator eine Bauchentscheidung treffen.

Mit über 1500 Startern hat es beim Brezelfestlauf von Vorwärts Speyer am Sonntag einen neuen Teilnehmerrekord gegeben. Allein 800 von ihnen begaben auf die fast 8000 Meter durch die Innenstadt: „Wir mussten sogar einige zurückweisen“, sagte Vorsitzender Thomas Zürker im Gespräch mit unserer Zeitung.

350 nahmen den Fun Run über 2600 m in Angriff. Einen nie gefährdeten Start-Ziel-Sieg feierte der Äthiopier Kidus Gebremeskel (Regensburg) in 26:03, 20 Minuten. Hand in Hand liefen die nächsten beiden vom TV Maikammer gemeinsam ins Ziel. Die elektronische Zeitnahme kannte keine Gnade: Gunnar Baar (26:43,48) vor Eric Nies (26:43,76), Sieger von 2022 und Zweiter des vergangenen Jahres.

Erfolgreiche Rülzheimer

Der Mechtersheimer Jugendliche Tim Müller folgte als Vierter. Tanja Hellmann (ebenfalls LG Rülzheim) lag bei den Frauen vorn (28:31,55). Adeline Haisch (LG Region Karlsruhe, 29:51,52) und Larissa Eckrich (30:03,62) belegten die Plätze. Eine Stunde vor dem Startschuss zum Hauptlauf kehrte Leben auf der Maximilianstraße ein.

Bambini trotten mit Medaillen in den Händen Richtung Start am Altpörtel zurück. Die Hauptläufer traben sich ein. Das Technische Hilfswerk bezieht Position. Die Cafés füllen sich, die Sitzgelegenheiten im Schatten auch. Biertischgarnituren stehen bereit. Schon die Startnummer angeheftet, radelt eine Frau zum Ausgangspunkt. Andere halten die Zahlen, bedruckt oder beschriftet mit Vorname, richtig oder falsch geschrieben, zwischen den Fingern.

Letzte Stärkung

Ein letzter Zug Stärkungsgel, das kleine schwarze Gerät zur Erfassung der Laufdaten am Oberarm, jetzt geht’s los. Der Streckenposten mit der roten Fahne weist einer Gruppe Pedalritter freundlich den Weg außenrum. Fast unbemerkt unter dem Läuten der Domglocken setzt sich das Feld in Bewegung. Das Vorausfahrrad kommt.

Die Passanten verlassen fluchtartig ihren Kaffee und stürzen an den Straßenrand, feuern den Tross mit Juchzen an, recken Plakate in die Luft, mit wem sie es denn halten, verteilen Bananen und Wasser. Die Aktiven trinken es noch. Schon kühlen sie damit. „Es gibt Fünfjahreswertungen“, erklärt Zürker am Mikrofon: „35 bis 39 Jahre. 40 bis und so weiter.“

Etwas nervt

Etwas muss er wohl hundert Mal sagen: „Rechts laufen, die Schnellen kommen.“ Die Innenbahn gehört den Flottesten. Noch etwas stört, weil eigentlich unerlaubt: Stöpsel im Ohr, die das Hören der Durchsagen verhindern. Die Absolventen der Vorläufe beißen bereits in die Finisher-Brezel. Die Zeit drängt.

Wer nach 45 Minuten nicht auf die letzte Runde geht, ist raus. Der Umzug naht: „Strengt euch an, die 45-Minuten-Marke. Genieße deine letzte Runde, lächeln dabei“, ruft der Organisator: „Lächeln beim Zieleinlauf, so stell ich mir das vor.“ Jetzt ändert er seine Meinung, fordert dazu auf, links zu laufen, rechts in Richtung Zieleinlauf freizulassen.

Große Kunst

Bella Ciao dröhnt es aus den Boxen, abgelöst von: „Warum willst du laufen, wenn du fliegen kannst.“ Sie allen kommen am Dom an, der Sehgehandicapte mit Begleitung, der Mann illegalerweise mit Kinderwagen, die Frau im Dirndl, der mit den langen Hosen, der mit seiner Kleinen an der Hand: „Das ist die Kunst beim Laufen, auch wenn’s einem dreckig geht, ein Lächeln aufs Gesicht zu zaubern.“

Sie setzen zum Endspurt an, winken ins Publikum, klatschen mit den Lieben ab: „Lächeln, die Zuschauer haben es verdient, dass ihr gut ausseht. Sie sieht aber noch gut aus. Sie hätte schneller laufen gekonnt. Freu dich, jetzt kann das Brezelfest beginnen.“ Die 25 Angehörigen der Lebenshilfe Worms, ob mit Rollator oder Blindenstock, verbessern meist ihre Zeiten und warten zwischen ihren Auftritten in Mainz sowie der Heimat schon im Schatten auf Siegerehrung und Tombola. Einer schafft Fun- und Hauptlauf.

Herzlichen Glückwunsch

Geburtstagskind Denis aus Angelbachtal gewinnt eine Laufausrüstung im Wert von 200 Euro. Alle stimmen Happy Birthday to you an. Wer zu jung für Bier ist, erhält Socken. Der Papa zuckt mit den Schultern. Und Zürker? Überlegt, ob er 2025 zu seinem 70. noch mal selbst die Schuhe schnürt oder angesichts der Strapazen es doch lieber bei der Moderation belässt.

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