Speyerer Umland RHEINPFALZ Plus Artikel Neue Zählung für Atlas Deutscher Brutvögel: Welche Arten sind noch da?

Vogelzählung kurz nach Sonnenuntergang bei Dudenhofen: Mit Rufen aus einem Bluetooth-Lautsprecher versuchen Thomas (links) und O
Vogelzählung kurz nach Sonnenuntergang bei Dudenhofen: Mit Rufen aus einem Bluetooth-Lautsprecher versuchen Thomas (links) und Otfried Dolich, ein Rebhuhn anzulocken.

Keine Vogelzählung ist so umfassend wie die Bestandsaufnahme für den Altas Deutscher Brutvogelarten („Adebar“). Derzeit läuft die Erhebung wieder – auch im Raum Speyer.

Kaum jemand kennt die Vogelwelt rund um Speyer besser als Thomas und Otfried Dolich. Die beiden Brüder aus Hanhofen zählen seit Jahrzehnten in jedem Frühjahr die Vögel, die in mehr als 200 Nistkästen im Allmendwald brüten. Darüber hinaus haben sie sämtliche auf dem Gebiet der Gemeinde gesichteten Vogelarten in einer sogenannten Gebietsfauna veröffentlicht. Insofern verwundert es nicht, dass sich die Brüder mehr als zehn Jahre nach der „Adebar“-Premiere auch an „Adebar 2“ beteiligen.

„Wir haben im vergangenen Jahr die Erhebung für ,Adebar 2’ im Bereich westlich von Speyer begonnen“, sagt Thomas Dolich, der seit Langem in Neuhofen wohnt, während sein Bruder Otfried nach wie vor in Hanhofen lebt. Tatsächlich ist „Adebar 2“ in Rheinland-Pfalz im vergangenen Jahr gestartet und soll noch bis 2029 laufen. Nach Auswertung der Ergebnisse ist für das Jahr 2030 die Veröffentlichung des neuen Atlas Deutscher Brutvogelarten geplant, wie Ulrike Klöcker mitteilt. Sie koordiniert bei der Gesellschaft für Naturschutz und Ornithologie Rheinland-Pfalz (Gnor) das „Adebar“-Projekt im Land.

1389 Individuen aus 90 Vogelarten festgehalten

Der Hintergrund: Die „Adebar“-Kartierung basiert auf dem Netz der Topografischen Karten (TK) im Maßstab 1:25.000 und ihren vier Quadranten, den sogenannten TK/4. Wobei ein TK/4 eine Fläche von rund 30 Quadratkilometern umfasst. Zum Vergleich: Die Gemarkung von Speyer ist 42,7 Quadratkilometer groß. Nach Angaben von Ulrike Klöcker gibt es allein in Rheinland-Pfalz ungefähr 620 TK/4 mit Kantenlängen von fünf mal sechs Kilometern. Die Kartiersaison für Vögel beginnt ihren Angaben zufolge jeweils im Februar und läuft bis höchstens Ende Juli.

Thomas und Otfried Dolich haben für das TK/4 „6616_3 Speyer“, das sich von Hanhofen im Westen, Speyer im Osten, Harthausen im Süden und Böhl-Iggelheim im Norden erstreckt, im vergangenen Jahr 1389 Individuen aus 90 Vogelarten festgehalten. In diese Daten sollen wohlgemerkt nur Brutpaare Eingang finden.

Um diese aufzuspüren, sind die Dolich-Brüder in ihrem Quadranten mehrfach bestimmte Strecken zu verschiedenen Zeiten abgelaufen und haben die Gesänge unterschiedlicher Vogelarten über Lautsprecher abgespielt. Ist ein männlicher Vertreter der jeweiligen Art in der Nähe, fliegt er in der Regel herbei und versucht, den vermeintlichen Rivalen durch seinen eigenen Gesang aus seinem Revier zu vertreiben.

Engagement von weiteren Ehrenamtlichen nötig

Die Dolichs haben den Ablauf und die Ergebnisse ihrer Zählungen bei der Sitzung des Arbeitskreises Pfalz der Gnor Anfang März in Hanhofen vorgestellt. Daran nahmen Vogelfreunde aus verschiedenen Teilen der Pfalz teil, die sich an „Adebar 2“ beteiligen wollen. Das Engagement von weiteren Ehrenamtlichen ist dringend nötig, wie Projekt-Koordinatorin Ulrike Klöcker bemerkt. Denn bis dato ist Rheinland-Pfalz mit rund 25 Prozent vergebener TK/4 das Schlusslicht unter allen Bundesländern. Baden-Württemberg und Bayern sind mit 32 und 29 Prozent jedoch nicht weit entfernt. Top sind Berlin mit 97 Prozent und Sachsen mit 91 Prozent.

„Jeder Beitrag zu ,Adebar 2’ zählt“, betont Ulrike Klöcker. Wer sich an der Zählung beteiligen will, die vom Land Rheinland-Pfalz gefördert wird, kann sich an die Gnor oder den Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA) wenden. Der DDA koordiniert das Projekt auf Bundesebene.

Vogel des Jahres auch im Raum Speyer selten

Thomas und Otfried Dolich haben zwar im Frühjahr die Bearbeitung eines neuen Quadranten im Raum Mutterstadt übernommen, doch ab und zu sind die beiden auch noch zwischen Hanhofen und Speyer zugange. „Wir unternehmen bei einigen wenigen Arten noch Nacherhebungen“, erklärt Thomas Dolich.

So waren sie beispielsweise vor wenigen Tagen kurz nach Sonnenuntergang zwischen Dudenhofen und Römerberg unterwegs, um Rebhühner anzulocken. Denn von dieser Art, deren Bestand erheblich zurückgegangen ist, hatten die Brüder im vergangenen Jahr nur ein Brutpaar registriert. In dem Fall war das Unterfangen jedoch nicht von Erfolg gekrönt. Der Vogel des Jahres 2026 ist offenbar auch im Raum Speyer eine Seltenheit.

Info

Weitere Informationen zu „Adebar 2“ findet man im Netz unter www.adebar.dda-web.de. Dort gibt es auch eine Übersicht mit allen Quadranten – solchen, die bereits bearbeitet werden, und solchen, die noch nicht vergeben sind. Auch die Gesellschaft für Naturschutz und Ornithologie Rheinland-Pfalz (Gnor) bietet Informationen zu dem Projekt an: www.gnor.de/adebar-2.

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