Speyer / Mainz / Worms Neue SchUM-Stipendiaten
Es ist kein Residenzprogramm wie viele andere. Beim SchUM-Artist-in-Residence-Programm geht es nicht allein um Atelierzeit und Förderung, sondern um eine künstlerische Auseinandersetzung mit den historischen Orten selbst – und mit dem reichen jüdischen Erbe der SchUM-Städte Speyer, Worms und Mainz. Die ausgewählten Projekte sollen Geschichte nicht nur reflektieren, sondern neu erfahrbar machen – und damit den Bogen in die Gegenwart schlagen.
Nach den erfolgreichen Stipendienjahren 2022 und 2024 haben die drei Städte gemeinsam mit dem SchUM-Städte e. V. erneut internationale Künstlerinnen und Künstler eingeladen, sich mit der einzigartigen jüdischen Tradition am Rhein zu befassen. In einer virtuellen Pressekonferenz wurden nun die drei von einer Fachjury ausgewählten Positionen vorgestellt: Roy Efrat, Atalya Laufer und Raphaël Fischer-Dieskau werden ab Ende April 2026 jeweils in einer der SchUM-Städte leben und arbeiten.
Roy Efrat kommt nach Speyer
In Speyer wird der aus Jerusalem stammende Video- und Augmented-Reality-Künstler Roy Efrat erwartet. Derzeit promoviert er in Medien- und Kulturwissenschaften an der Freien Universität Berlin. In seinen Arbeiten verbindet er Malerei, Performance und digitale Medien, um Fragen von Ritual, Sichtbarkeit und Transformation zu untersuchen. Sein Projekt trägt den Titel „Immersion: The Waters of Speyer“ (Eintauchen in die Wasser von Speyer) und tritt in Dialog mit der mittelalterlichen Mikwe im Judenhof. Durch Malerei, Klang und Augmented Reality will Efrat das historische Ritualbad als lebendigen Erfahrungsraum aktivieren. Besucherinnen und Besucher sollen mit Smartphone oder Tablet in eine künstlerisch überlagerte mittelalterliche Welt eintauchen können. Bilder, Bewegung, Text und Klang verschränken dabei Vergangenheit und Gegenwart - über nahezu tausend Jahre jüdischer Tradition hinweg. Jurysprecherin Regina Rose Stephan betonte bei der Vorstellung: „Roy Efrat überzeugt durch die präzise Verbindung eines konkreten historischen Ortes mit zeitgenössischen digitalen Ausdrucksformen. Seine Arbeit eröffnet einen sensiblen Dialog zwischen mittelalterlicher Mikwe und heutigen Ritualpraktiken.“
Atalya Laufer kommt nach Worms
In Worms wird die in Israel geborene Künstlerin Atalya Laufer erwartet, die nach Stationen in New York und London heute in Berlin lebt. Ihr Projekt „Frauen in und aus der Nische – und ringsherum“ rückt weibliche Präsenz und bislang wenig beachtete Stimmen in der Geschichte der SchUM-Gemeinden in den Mittelpunkt. Ausgangspunkt ist die Nische der Wormser Frauenschul und die damit verbundene Raschi-Legende – ein Ort, der für Schutz, Übergang und Weitergabe steht. In Zeichnung und Collage verbindet Laufer architektonische Spuren, historische Fragmente und spekulative Elemente zu einer neuen, weiblichen Perspektive auf SchUM. Ihr Ansatz erweitert tradierte Geschichtsbilder um einen bewussten Perspektivwechsel.
Raphaël Fischer-Dieskau kommt nach Mainz
In Mainz wird der Berliner Künstler Raphaël Fischer-Dieskau an der Schnittstelle von Performance, Klang, Skulptur und Art-Science arbeiten. Für sein Projekt will er Transportkisten als Sinnbilder von Diaspora und Erinnerung nutzen und sie in Resonanzkörper eines begehbaren Klangraums verwandeln. Liturgische Gesänge, Gebete und Kantor-Traditionen, die einst zum Alltag gehörten und durch Verfolgung verstummten, sollen wieder hörbar werden. Die Installation wird in Echtzeit auf die Besuchenden reagieren – der Raum wird zum Dialogpartner. Fischer-Dieskau rekonstruiert Geschichte nicht, er übersetzt sie in Klang.
Gemeinsam stehen die drei künstlerischen Positionen für einen reflektierten, innovativen und verantwortungsvollen Umgang mit dem jüdischen Erbe der SchUM-Gemeinden. Sie machen historische Orte zu Erfahrungsräumen – und schreiben damit Erinnerung in die Gegenwart fort.