Speyer
Neue Anlagen für mehr Erdölförderung in Speyer
„Wir sind gerade in einer Phase, in der wir sehr viel Geld in die Hand nehmen, um Erdölförderung in Speyer auszubauen“, sagt Horst Prei. Der 55-Jährige ist seit Jahresbeginn Betriebsleiter der Firma Neptune Energy in der Brunckstraße und als Assetleiter für deren gesamte süddeutschen Aktivitäten zuständig. Neptune holt in einem Konsortium mit der Firma Palatina Geocon seit 2008 das „schwarze Gold“ aus dem Boden der Domstadt. Jetzt stehen die entscheidenden Investitionen an, um die schon lange geplante Ausweitung der Fördermengen umsetzen zu können.
Eine Gewinnung von maximal 500 Tonnen Öl pro Tag war lange Zeit die Obergrenze. Sie ist mit aktuell rund 400 Tonnen – zur Raffinerie in Karlsruhe abtransportiert mit rund zehn Lkw pro Tag – nach wie vor nicht übertroffen. Dabei hat das Land dem Konsortium schon im Herbst 2022 eine Vervielfachung genehmigt. 2500 Kubikmeter Nassöl sind seither als maximale Tagesproduktion festgelegt. „Wir waren bisher durch die Bohrungen und die Anlagen limitiert“, erklärt Prei. Bei den Bohrungen wurde im Februar eine neue, elfte Anlage mit hohen Erwartungen in Betrieb genommen. Zwei weitere Bohrungen sind voraussichtlich 2027 geplant. Sie werden laut Preis jeweils um die 15 Millionen Euro kosten.
„Meilensteine für uns“
Ein noch größerer Teil des 170-Millionen-Euro-Pakets wird jedoch in neue Aufbereitungsanlagen investiert. 20 Millionen Euro fallen für die Anlage an, deren rund einjähriger Bau jetzt auf dem Clusterplatz I in der Siemensstraße mit bisher vier Bohrungen begonnen hat. Dieselbe Summe soll es ein Jahr später für den zweiten Betriebsplatz in der Franz-Kirrmeier-Straße (sieben Bohrungen) sein. Die Vorgänger-Apparaturen stammten noch aus der Zeit des Probebetriebs und sollten zügig abgelöst werden, so Prei. „Die neuen Anlagen sind für uns Meilensteine. Sie werden uns helfen, die Produktion deutlich zu stabilisieren“, betont der Verantwortliche.
Große Tanks von rund 30 Meter Länge, Versorgungsleitungen und Wärmetauscher gehören unter anderem zu den neuen Anlagen. Deren Aufgabe besteht darin, die geförderten Bestandteile Rohöl, Lagerstättenwasser und Erdgas zu trennen und das Rohöl für den Weitertransport in die Raffinerie vorzubereiten. Auch ein Blockheizkraftwerk zur effizienten Verwertung des mitgeförderten Erdgases wird errichtet. Weitere Millionen fließen laut Prei und Firmensprecherin Silke Bender unter anderen in die Überholung bestehender Bohrungen. „Zusätzliche Flächen werden nicht benötigt, da sämtliche Arbeiten innerhalb des bestehenden Betriebsplatzes erfolgen“, betont Bender.
Projekt läuft gut
Die Erdölförderer investieren, weil sie an die Zukunft ihres Speyerer Projekts glauben. „Die Lagerstätte ist sehr gut. Sie entwickelt sich positiv und entspricht dem, was wir erwartet haben“, sagt Prei. Die Möglichkeit, aus dem roten Buntsandstein 2500 Meter unter Speyer Erdöl zu fördern, wurde vor mehr als 20 Jahren erkannt – als eigentlich nach Geothermie gesucht worden war. Mit rund 110.000 Tonnen Öl, die allein 2025 aus dem Untergrund geholt wurden (und für die laut Neptune rund 5 Millionen Euro Förderabgabe an das Land fällig werden), handelt es sich um eine der fünf größten deutschen Förderflächen.
Der aktuelle Rahmenbetriebsplan ist bis 2052 genehmigt. Aus heutiger Sicht seien 15 bis 20 weitere Jahre der Ölforderung in Speyer absehbar, erklärt Prei. Dass die zu einem internationalen Konzern gehörende Neptune Energy groß in Erdöl investiert, schließe das bundespolitische Ziel, unabhängiger von fossilen Energieträgern zu werden, nicht aus, betont Prei. In der Zukunft werde etwa die Lithiumförderung an Bedeutung gewinnen. Aber Erdöl bleibe wichtig – und die Förderung vor Ort sei nachhaltiger als der schwieriger und teurer gewordene Import. „Wegen der internationalen Verwerfungen verspüren wir gerade wieder mehr Zuspruch für unsere Arbeit“, betont der Betriebsleiter. Das gesellschaftliche Klima könne sich aber jederzeit ändern und werde ebenso wie die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen dafür ausschlaggebend sein, wie lange das Konsortium in Speyer tätig bleibt.
Dass der Ölpreis seit Beginn des Iran-Kriegs wieder deutlich gestiegen ist, verringere das Risiko der anstehenden Investitionen in der Vorderpfalz. Die Entwicklung spüle mehr Geld in die Kasse, komme aber nur für einen kleineren Teil des geförderten Öls zu tragen, sagt Prei. „Ein Gutteil der Fördermenge wurde nämlich schon vorab verkauft.“ Hintergrund auch hier: Die Abhängigkeit von Preisschwankungen verringern.
Jedes Bohrloch in Speyer kann nur für eine begrenzte Zeit genutzt werden, erklärt Prei. Am Ende der Betriebszeit steige der Wasseranteil derart, dass die Ölgewinnung über diesen Weg nicht mehr rentabel sei. Dann werde die Auflage erfüllt, die Anlage zurückzubauen. Die Premiere dafür in Speyer werde ab dem Sommer an der „Bohrung 0“ auf dem Gelände des ehemaligen Heizkraftwerks an der Nikolaus-von-Weis-Straße zu erleben sein. Rund 4,5 Millionen Euro müssten für die Beseitigung in die Hand genommen werden, bevor das Grundstück an die städtischen Verkehrsbetriebe zurückgegeben werde. Aus Loch 0 sei nie Erdöl in größerem Maß gefördert worden.
45 Mitarbeiter in Speyer
Er freue sich auf die großen Aufgaben in Speyer und könne sich dabei auf das 45-köpfige Team an seiner Seite verlassen, so Prei. Der neue Assetleiter hat eine Vakanz auf der Führungsposition beendet und ist mit langjähriger Erfahrung in der Branche in die Pfalz gekommen. Der Oberösterreicher ist Absolvent des Studiengangs Erdölwesen an der Montanuniversität Leoben in seinem Heimatland. 25 Jahre lang hat er für Wintershall Dea gearbeitet, auch als das Unternehmen zur BASF-Gruppe gehörte. International war er unter anderem in Libyen und Argentinien eingesetzt.
Das Neptune-Angebot habe er gerne angenommen, weil es eine für seine Qualifikation „ideale Aufgabe“ mit einem attraktiven Standort verbinde. Wenn er eine passende Wohnung gefunden habe, wolle er die Pendlerzeit beenden und nach Speyer ziehen, so der verheiratete Vater zweier 17- und 24-jähriger Söhne. Für seine Hobbys wie Wandern und Mountainbiken sei der Pfälzerwald gut geeignet, fürs Skifahren und Skitourengehen könnte er dann ja auf Heimaturlaub gehen.