Schwegenheim RHEINPFALZ Plus Artikel Nach fast einem halben Jahrhundert: Blaskapelle gründet Verein

Martin Kosel dirigiert die Blaskapelle seit dem vergangenen Jahr.
Martin Kosel dirigiert die Blaskapelle seit dem vergangenen Jahr.

Während mancher Musikverein mangels Mitgliedern in seiner Existenz bedroht ist, wurde in Schwegenheim vor wenigen Wochen ein neuer Verein gegründet. Wie kam es dazu?

Seit 8. Januar 2026 gibt es die Blaskapelle Schwegenheim als eingetragenen Verein. Das bedeutet allerdings nicht, dass sich die Musiker erst vor wenigen Wochen zusammengefunden haben. Tatsächlich reichen die Wurzeln mehr als 45 Jahre zurück. Wenige Jahre zuvor hatte Schwegenheim eine Partnerschaft mit der Gemeinde Gsies in Südtirol ins Leben gerufen. Kurt Kaufmann, damaliger Schwegenheimer Bürgermeister, sei beeindruckt gewesen, dass es in der Alpenregion in fast jedem Ort eine Blaskapelle gibt, berichtet Peter Schäfer, der Vorsitzende des Musikvereins. Weil 1985 das 1000-jährige Ortsjubiläum groß gefeiert werden sollte, habe sich die damalige Gemeindespitze entschlossen, eine Blaskapelle ins Leben zu rufen. Erster Dirigent sei Karl Gauweiler gewesen.

Im Februar 1980 fand die erste Probe statt. „Viele haben damals bei null angefangen“, berichtet Schäfer, der selbst Trompete spielt. Er ist einer von sieben Aktiven aus der Gründungszeit, die noch dabei sind. Damals war der heutige Vorsitzende sieben Jahre alt. Mitglieder und vor allem auch Lehrer für die Instrumente zu finden, habe eine Herausforderung dargestellt, die aber bewältigt wurde. Die Blaskapelle wurde in den folgenden Jahren fest ins Dorfleben integriert: Egal ob Straßenfest oder Maibaumstellen, egal ob Neujahrsempfang oder Kerwe – die Musiker waren immer zur Stelle. Einmal im Jahr zeigen die Mitglieder der Blaskapelle außerdem ihr Können bei einem großen Konzert. Und dann gibt es noch das Oktoberfest in der Sporthalle – die Blaskapelle hofft, es auch nach der Sanierung dort veranstalten zu dürfen. „Die Gemeinschaft, die große Bandbreite und dass man das Hobby bis ins hohe Alter betreiben kann“ – das schätzt Peter Schäfer an der Blaskapelle besonders.

Die Blaskapelle nach ihrer Gründung Anfang der 1980er-Jahre.
Die Blaskapelle nach ihrer Gründung Anfang der 1980er-Jahre.

Feste Strukturen schaffen

Einen Verein gründeten die Verantwortlichen in all den Jahren bis vor Kurzem nicht. Die Blaskapelle blieb offiziell an die Ortsgemeinde angegliedert, wie Schäfer berichtet. Über diese sei beispielsweise auch der Kauf von Instrumenten oder das Engagement von Lehrern und Dirigenten gelaufen. Warum also jetzt, nach gut 45 Jahren, der Schritt zum eingetragenen Verein: „Wir wollen uns breiter aufstellen und zukunftsfähige organisatorische Strukturen schaffen, um die Arbeit gut zu verteilen“, sagt der Vorsitzende, dem Stellvertreter Franz Edinger, Schriftführer Bernd Hoffmann, Kassiererin Susanne Thibaut, stellvertretende Kassiererin Christine Buda und Jugendleiterin Jenny Kripp zur Seite stehen. Zwar habe man sich intern bisher schon ähnlich strukturiert, aber als Verein hofft Schäfer beispielsweise, besser Helfer für Veranstaltungen rekrutieren zu können. „Die Musiker haben die Vereinsgründung alle positiv aufgenommen“, freut er sich. Die Verbundenheit mit der Ortsgemeinde bleibe selbstverständlich erhalten. „Wir haben auch die Zusage, dass wir unsere Räume weiter nutzen können“, sagt Schäfer.

Die Proberäume der Blaskapelle liegen im Gebiet Oberer Waldacker in der Eichenstraße 4. Früher sei hier eine pyrotechnische Fabrik gewesen, erzählt der Vorsitzende. Die Blaskapelle habe die ehemaligen Duschräume in Eigenleistung in den 1990er-Jahren umgebaut. Zuvor hätten die Musiker in Schulsälen proben müssen. Mit den Nachbarn im Oberen Waldacker habe es nie Probleme gegeben. Manche seien sogar enttäuscht gewesen, als die Proben nach Ende der Corona-Pandemie wieder von draußen nach drinnen verlegt wurden.

Mögen Blasmusik: (von links) Vorsitzender Peter Schäfer, Jugendleiterin Jenny Kripp und Dirigent Martin Kosel.
Mögen Blasmusik: (von links) Vorsitzender Peter Schäfer, Jugendleiterin Jenny Kripp und Dirigent Martin Kosel.

Rege Jugendarbeit

Dem neuen Verein gehören gut 40 aktive Mitglieder an. Die Gründung ermöglicht es auch, passive Mitglieder an die Blaskapelle zu binden. Knapp zehn Schwegenheimer hätten sich bereits gemeldet, die den Verein in dieser Form unterstützen wollen. Besonders positiv stimmt Schäfer das niedrige Durchschnittsalter der aktiven Musiker, das bei 37 Jahren liegt. Ein Viertel der Mitglieder sei unter 18. Um diese kümmert sich federführend Jugendleiterin Kripp. Die 35-Jährige hat 2023 eine Jugendkapelle aus der Taufe gehoben. „Wir sind mit fünf Kindern und Jugendlichen gestartet, jetzt sind es 17“, erzählt sie. Zwischen 9 und 15 Jahre alt sind die jungen Musiker. Sehr gefragt sei bereits die musikalische Früherziehung, die sie für Kinder ab zweieinhalb Jahren anbietet. Für die etwas älteren Kinder gibt es Blockflötenunterricht, bevor sich dann die Möglichkeit bietet, die verschiedenen Instrumente, die zur Blaskapelle gehören, zu lernen und zu spielen: Querflöte, Klarinette, Trompete, Saxofon, Horn, Tuba, Posaune und Schlagzeug.

Dass Erwachsene ohne Vorkenntnisse einsteigen, sei ungewöhnlich, komme aber auch vor. „Ich hatte mal ein Rentner-Ehepaar, das Trompete gelernt hat“, sagt Kripp, die auch eine mobile Musikschule betreibt. „Man ist nie zu alt, um ein Instrument zu lernen“, findet die Musikerin, deren Tochter ebenso bei der Blaskapelle spielt wie ihr Vater.

Martin Kosel ist seit dem vergangenen Jahr Dirigent der Blaskapelle und bringt viel Erfahrung mit. Er betont, dass die Jugendarbeit ohne das große Engagement von Jenny Kripp so nicht denkbar sei. Kosel hofft natürlich, dass möglichst viele junge Musiker irgendwann den Schritt zu den Erwachsenen machen. Peter Schäfer weiß aus Erfahrung, dass dies keine Selbstverständlichkeit ist. „Es ist immer schwierig, junge Leute zu den Aktiven zu überführen“, sagt er. Wenn diese ein Studium in einer weiter entfernten Stadt aufnehmen oder in den Beruf einsteigen, reiße manchmal der Kontakt ab.

In den kommenden Monaten bereiten sich Kosel und seine Musiker auf das Jahreskonzert am 9. Mai im Bürgerhaus vor. Zuhörer können dabei die volle Bandbreite des Repertoires der Blaskapelle erwarten. „Von der Löffelpolka über Bella Italia bis hin zu Lady Gaga“, umreißt der Dirigent, was es zu hören geben wird.

Termine & Kontakt

Die Blaskapelle probt immer freitags, 20 bis 22 Uhr, in der Eichenstraße 4. Kontakt: vorstand@blaskapelle.de.

x