Speyer Mit Mitte 30 im Dom gefirmt: Als Erwachsene zum Glauben gefunden

Als Erwachsene im Dom gefirmt: Daniel Winzer und Isabell Ofer.
Als Erwachsene im Dom gefirmt: Daniel Winzer und Isabell Ofer.

Für Daniel Winzer und Isabell Ofer war 2025 ein besonderes Jahr als gläubige Christen. Sie haben im Dom das Sakrament der Firmung empfangen – in höherem Alter als andere.

Daniel Winzer und Isabell Ofer haben auf Umwegen zu Gott gefunden, wie sie berichten. Der Glaube wurde erst im Laufe ihres erwachsenen Lebens zu einem wichtigen Begleiter. Sie gehörten zu den 103 Frauen und Männern, die im November im Dom von Bischof Karl-Heinz Wiesemann gefirmt wurden. Dabei handelt es sich um ein Sakrament, das sonst die meisten Katholiken im Jugendalter empfangen. 25 der Teilnehmer an dem besonderen Gottesdienst sind laut Bistum konvertiert, sieben stammen aus den beiden Nachbarbistümern Freiburg und Limburg.

Vom Islam zum Christentum

Einer von ihnen ist Daniel Winzer aus Speyer, ein wissbegieriger junger Mann. Geboren und aufgewachsen in Leipzig, hat er sich schon früh für Geschichte, vor allem im militärischen Bereich und aus filmischer Sicht, interessiert. Dabei kam er auch mit spirituellen Themen in Berührung – beispielsweise mit den Kreuzzügen. Im Religionsunterricht begann der heute 35-Jährige, sich mit dem Glauben auseinanderzusetzen, „aber in meinem Umfeld hatte Gott keine Rolle gespielt, sodass ich mich damit nicht weiter befasste. Aber eine spirituelle Ader spürte ich schon“, erinnert sich der Sachse, der sich als Jugendlicher zunächst dem Islam zuwandte. Mit Anfang 20 gewann das Christentum für ihn wieder an Bedeutung.

In einer TV-Sendung lernte er den ehemaligen katholischen Priester und Psychoanalytiker Eugen Drewermann kennen. „Er hat mir einen greifbaren Zugang zu Gott und der Bibel eröffnet“, betont der gelernte Restaurantfachmann, der 2012 in die Pfalz zog und seit 2014 in einem Metallveredelungsbetrieb in Altlußheim als Anlagenfahrer in der Produktion angestellt ist. Vor einigen Jahren nahm der Wahl-Speyerer an einer Führung durch die Gedächtniskirche teil, besuchte die Gottesdienste und führte auch mit der zuständigen Pfarrerin immer wieder Gespräche. Schließlich fasste er den Entschluss, sich taufen zu lassen. 2021 wurde er evangelischer Christ. Doch damit war seine spirituelle Reise noch nicht zu Ende.

Der Tod von Papst Franziskus an Ostern dieses Jahres läutete erneut eine Wende in seinem Leben ein. „Er war ein nahbarer Seelsorger“, so der 35-Jährige über das verstorbene Kirchenoberhaupt. Winzer kaufte sich ein Buch über Franziskus, beschäftigte sich mit seiner Theologie und trat einer WhatsApp-Gruppe bei, die Interessierten den Katholizismus näherbringt. Im Sommer konvertierte er schließlich zur katholischen Kirche. „Mich fasziniert ihre mehr als 2000 Jahre alte Geschichte, ihre Universalität, die Sakramente, die feierliche Eucharistie und die Rituale“, bekräftigt er.

Schicksalsschlag folgt auf Schicksalsschlag

Auch Isabell Ofer hat sich dazu entschlossen, sich firmen zu lassen. Dass die heute 38-Jährige diesen Schritt geht, war für sie lange Zeit undenkbar. Denn die Neustadterin, die in Landau geboren wurde, musste in ihrem noch jungen Leben schon einiges erleiden. Viele Jahrzehnte glich es einem Kampf, der sie physisch und psychisch an ihre Grenzen brachte. Ofer wurde katholisch getauft und wuchs bei ihren Großeltern auf, weil sich ihre Mutter aus gesundheitlichen Gründen nicht um sie kümmern konnte. Teilweise wohnte sie auch bei ihren Eltern, was zu einer inneren Zerrissenheit führte.

Gleichzeitig fühlte sie sich bereits in ihrer frühen Kindheit in der Rolle, „alle bei Laune halten zu müssen“. Denn die Ehen sowohl ihrer Eltern als auch ihrer Großeltern waren nicht glücklich. Ihre liebevolle Großmutter habe ihr einen Zugang zum Glauben eröffnet. Sie habe zum lieben Gott gebetet, „dafür zu sorgen, dass sich die beiden Paare nicht so viel streiten“.

Nach ihrer Erstkommunion wurde sie Messdienerin. Es folgten Jahre voller Schicksalsschläge. Mit 14 wurde ihr die Firmung verwehrt, als sie der Verantwortlichen mitteilte, dass sie an zwei Vorbereitungsterminen verhindert ist. „Ich war oft total verzweifelt, entfernte mich immer mehr von Gott, der mir ja sowieso nicht half“, schildert sie ihre damalige Gefühlslage. Als junge Erwachsene begleitete Ofer ihre beiden Großeltern bis in den Tod – einige Jahre später auch ihren krebskranken Vater. Mit 27 erhielt sie selbst eine schwerwiegende Diagnose, und ein Jahr später ihr Lebenspartner, den sie ebenfalls pflegte und der mittlerweile in einer Einrichtung lebt. Und als ob das nicht schon genug wäre, wurde die promovierte Neuropsychologin auch noch von einem Auto angefahren und verletzt.

Mitte November 2024 kam schließlich die Wende. „Plötzlich fiel es mir wie Schuppen von meinen Augen, ich blickte auf mein bisheriges Leben, und mir wurde bewusst, dass ich in all den Jahren von ihm beschützt und behütet worden bin“, schildert Isabell Ofer diesen besonderen Moment. „Er hat mich nie losgelassen.“ Seit dieser Erkenntnis spüre sie eine intensive Verbindung zu Gott. Auch das habe zu ihrem Entschluss geführt, sich firmen zu lassen.

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