Speyer Mit den „Ärzten“ auf Du und Du

Er stand schon mit Laith al Deen und Helene Fischer auf der Bühne und geht im Herbst mit Farin Urlaub von den „Ärzten“ auf Tour: Rob Solomon. Seit vier Jahren unterrichtet der in der deutschen Musikszene gefragte Posaunist an der Städtischen Musikschule Speyer.

„Früher wollte ich das nicht“, blickt der 44-Jährige gebürtige Heidelberger auf seine Entscheidung zurück, als Musiklehrer zu arbeiten. Doch diese habe inzwischen ein bisschen mehr Ruhe in sein hektisches Leben als Berufsmusiker gebracht. Sein Durst auf das anstrengende Tourleben sei mittlerweile ziemlich gestillt, denn das ständige Unterwegssein bedeute für ihn heute vor allem auch, Heimweh nach seiner Ehefrau und seinen drei Kindern zu haben, bekennt er. Dennoch ist Solomon immer noch viel unterwegs, was ihm rein praktisch durch die Rückendeckung von Musikschulleiter Bernhard Sperrfechter und die Unterrichtsvertretung eines guten Freunds und Studienkollegen möglich sei. Nachdem er im Herbst 2012 Schlagerstar Helene Fischer drei Monate lang bei 50 Konzerten begleitete, stehen dieses Jahr gleich noch zwei Tourneen an: eine mit Farin Urlaub von den „Ärzten“ und eine mit Solomons eigener Gruppe, der Ska-Band „The Busters“, der sein Herz sein 25 Jahren gehört. Die kontinuierliche Arbeit am eigenen Projekt habe ihn im Lauf der Jahre nicht nur zu CD-Produktionen und Gastspielen in fernen Ländern wie Venezuela und Japan geführt, sondern auch das Interesse national erfolgreicher Kollegen an seiner Arbeit als Musiker, Komponist und Arrangeur geweckt. So sei der Kontakt mit Farin Urlaub bei einer gemeinsamen Konzertreihe mit den „Ärzten“ entstanden. „Manchmal ist man auch aufgerufen zu begleiten, wie im Handwerksberuf“, stellt Solomon zu seiner Zusammenarbeit mit Helene Fischer fest. „Da ist nicht immer das Herz dabei“, sagt er mit Blick auf die Schlagermusik, die nicht unbedingt „seine“ ist. Dennoch schätzt er Helene Fischer als zu allen gleichermaßen freundliche, fleißige Kollegin „mit einem Hang zum Perfektionismus“. Und: „Sie hat eine wunderbare Stimme.“ „Die Ärzte“ liegen aber dann doch mehr auf seiner musikalischen Wellenlänge und kommen „supersympathisch“ rüber, findet er. „Die machen immer ein bisschen mehr für ihre Fans“, beschreibt er das Erfolgsrezept der Band – nicht nur schräge Ideen wie CD-Hüllen aus Pizzakarton in die Tat umsetzen, sondern auch stundenlanges Autogrammegeben nach dem Konzert, das auch für die Begleitmusiker nach dem Auftritt anstehe. Eine Zusammenarbeit wie diese sei aber „keine Glückssache“, unterstreicht Solomon, sondern Ergebnis des konsequenten Feilens an der eigenen Karriere. Die seine startete er als Knirps von acht Jahren mit einem exotischen Instrument: der Tuba, die er einige Jahre in der Stadtkapelle Wiesloch blies. „Am Anfang musste ich sie quer nehmen, weil ich zu klein war“, erinnert sich der Musiker lächelnd. „Ich wollte auch Melodien spielen“, begründet der in Limburgerhof lebende Musiker seinen Wechsel zur Posaune im Alter von 20 Jahren. Die Tuba, die er in Speyer ebenfalls unterrichtet, sei zwar „weitaus beweglicher, als man denkt“, und seit der Erfolgswelle ethnischer Polka-Bands auch ziemlich angesagt. Aber: „Die Posaune ist für mich das ausdrucksstärkere Instrument.“ Sieben Posaunenschüler unterrichte er derzeit, darunter zwei Mädchen. „,Ärzte’-Fans kriegen bei mir natürlich glasige Augen“, scherzt er. Doch der Einstieg findet bei ihm nicht etwa mit Popmusik, sondern ganz klassisch mit Beethoven, Mozart und Bach statt. Erst für die fortgeschrittenen Schüler gehe es dann in Richtung Pop und Jazz. Apropos Jazz: An einen der großen Momente seiner Karriere mit „The Busters“ erinnert sich der Sohn einer indischen Mutter und leidenschaftliche Koch immer noch gerne. „1994 sind wir beim Montreux Jazz Festival aufgetreten, in der Miles Davis Hall, als Ska-Band: Das war pure Magie.“

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