Speyerer Umland
Mit dem E-Auto unterwegs: Wie kompliziert ist Laden auf dem Land?
Seit wenigen Wochen fahre ich ein E-Auto und tatsächlich ist die im Vergleich zum Verbrenner niedrige Reichweite erst einmal gewöhnungsbedürftig. Was wenn auf dem platten Land der Akkustand plötzlich einen bedenklich niedrigen Wert erreicht? Ist immer eine freie Ladesäule in der Nähe, um die Batterie wieder zu füllen? Ich mache im Speyerer Umland die Probe aufs Exempel. Mein erstes Ziel: Waldsee. Herauszufinden, wo es Standorte für Ladesäulen gibt, ist gar nicht so trivial, wie es klingt. Denn es gibt eine Vielzahl von Betreibern der Ladestationen, und fast jeder hat seine eigene App. Zwar zeigt diese in der Regel auch Standorte von Ladesäulen von Mitbewerbern an, aber hundertprozentig darauf verlassen, dass alle von einer einzigen App gefunden werden, kann man sich nicht.
In Waldsee erkennt meine App aber zum Glück gleich drei Standorte von Ladestationen. Die einzige mit Schnellladefunktion steht am Penny-Markt am nördlichen Ortsrand. Ich sehe die Säule, die zum Shell-Konzern gehört, gleich beim Einfahren auf den Parkplatz. Zum Glück gibt es hier zwei Ladekabel, denn eine andere E-Auto-Fahrerin schließt gerade eines davon an ihren Wagen an und entschwindet zum Einkaufen in den Discounter. Ich verbinde das verbliebene Kabel mit meinem Auto und starte per Ladekarte, die ich mir angeschafft habe, den Ladevorgang. Rund 40 Prozent Ladung hatte mein Akku noch. Die steigt nun zwar recht schnell, doch nach Einkaufen steht mir gerade nicht der Sinn und so ziehen sich die rund 15 Minuten, bis ich beschließe, mit 62 Prozent Akkustand weiterzufahren, dann doch ein wenig in die Länge.
Längeres Parken erlaubt
Bevor ich meinen nächsten Lade-Halt mache, fahre ich die übrigen Ladestationen ab, die mir für Waldsee und Otterstadt angezeigt werden: In Waldsee haben die Stadtwerke Schifferstadt eine Säule in der Neuhofener Straße aufgestellt. Würde ich hier laden, dürfte ich 4 Stunden parken – anstatt eine Stunde wie auf den Parkplätzen daneben. Eine weitere Säule, diesmal von den Pfalzwerken, gibt es in der Schulstraße. In Otterstadt finde ich zwei Ladestationen mit Logo der Speyerer Stadtwerke (SWS): am Friedhof und in der Ringstraße am Königsplatz. Was alle diese Säulen gemeinsam haben: Es sind Typ-2-Ladestationen. Das heißt, der Ladevorgang dauert hier deutlich länger als an der Schnellladesäule, da nur mit 22 statt mit bis zu 150 Kilowatt geladen werden kann. Aber immerhin: Die Möglichkeit, mich hier mit Strom fürs Auto zu versorgen, ist da. Und alle Ladestationen sind an diesem Vormittag tatsächlich frei.
Die Ladestationen der SWS werden mittlerweile von den Verkehrsbetrieben Speyer, einer SWS-Tochtergesellschaft betrieben. Im Speyerer Umland hat das Unternehmen außer in Otterstadt auch in Harthausen (2), in Hanhofen (1) und in Römerberg (4) Ladesäulen in Betrieb. Ein weiterer Ausbau im Umland ist laut Stadtwerken nicht geplant: Die Auslastung liege im Vergleich zum Speyerer Stadtgebiet auf niedrigem Niveau, wirtschaftlich bewegten sie sich „an der Grenze zur Rentabilität“.
Laden und einkaufen
Für mich geht’s jetzt weiter nach Dudenhofen: Auch hier stehen die verfügbaren Säulen mit Schellladefunktion auf den Parkplätzen von Supermärkten. Ich entscheide mich für die Pfalzwerke-Station vor dem Rewe-Markt. Ein Anschluss ist bereits vom Auto eines örtlichen Gewerbetreibenden belegt. Der pfälzische Energieversorger hat zwar keine eigene App zum Laden im Angebot, aber das ist kein Problem: Ladekarten anderer Anbieter funktionieren hier auch. Diesmal nutze ich die Gelegenheit dann doch für einen kleinen Einkauf. Und siehe da: Nach meiner Rückkehr nach einem Viertelstündchen ist der Akku-Stand auf 80 Prozent geklettert. Warum also nicht gleich ganz voll laden? Hier zeigt sich eine weitere Eigenheit von E-Autos: Je voller der Akku, desto langsamer wird der Ladevorgang. Bis 100 Prozent hätte ich wohl noch mindestens eine halbe Stunde warten müssen.
Auch in Dudenhofen gibt es noch etliche Ladesäulen verschiedener Anbieter als Alternativen: So betreiben die örtlichen Gemeindewerke zwei 22-kW-Ladesäulen im Ort, die per App oder Karte genutzt werden können – weitere sind angedacht. Ein paar Zahlen, wie stark diese frequentiert werden, liefert die Gemeinde auf Anfrage: Im Jahr 2024 seien es 500 Ladevorgänge an der Festhalle gewesen und 455 am Rathaus.
Freie Auswahl
Weiter geht meine elektrische Fahrt nach Hanhofen. Discounter Aldi lockt Kunden hier mit der Möglichkeit zu laden. Und die Speyerer Stadtwerke betreiben eine weitere Säule am Friedhof. Auch hier hätte ich die freie Auswahl: Keiner der Plätze ist belegt. Schnell zu laden ist im Dorf aber nicht möglich, beide Ladestationen haben nur Typ-2-Stecker. In Harthausen böte sich für mich gegenüber vom Tabakschuppen die erste Gelegenheit zum Laden: Einer der beiden Anschlüsse wird gerade von einem Auto mit Münchner Kennzeichen genutzt. Eine weitere Säule steht in der Raiffeisenstraße. Im besonders auf Nachhaltigkeit ausgelegten Baugebiet Smart City darf natürlich auch eine öffentliche Ladestation nicht fehlen – wobei hier ohnehin private Wallboxen zum Laden an manchen Hausfassaden hängen.
Da allerdings auch im Tabakdorf die Möglichkeit zum schnellen Laden fehlt, fahre ich weiter nach Schwegenheim. Dort gibt es bekanntlich viele Einkaufsmärkte und ich habe mittlerweile gelernt, dass damit auch die Chance auf ein breites Angebot an Ladestationen gut ist. Tatsächlich könnte ich hier aus dem Vollen schöpfen: Am Autohof werden mir ebenso Optionen angezeigt wie bei Rewe und Aldi. Ich entscheide mich aber für eine Schnellladestation von Aral. Viele, aber noch längst nicht alle Tankstellen der Kette sind nicht nur mit Benzin-Zapfsäulen, sondern auch mit E-Ladesäulen ausgestattet. In Schwegenheim gibt es sogar zwei eigene Ladestationen für E-Lkw. Von den zwei Säulen für Pkw ist eine offenbar defekt, zwei Elektriker beugen sich gerade über die Schaltkreise in dem geöffneten Kasten. An Säule zwei lädt gerade ein Auto, der zweite Anschluss ist zum Glück noch frei. Obwohl die Ladestation mit 300 Kilowatt die bisher leistungsstärkste bei meiner kleinen Tour durchs Speyerer Umland ist, quält sich der Füllstand des bereits gut gefüllten Akkus nur langsam nach oben. Bei 95 Prozent mache ich mich wieder auf den Weg.
Schnelle Ladestationen selten
Auf einen Abstecher nach Lingenfeld verzichte ich. Hier gibt es noch Nachholbedarf bei der Abdeckung mit Ladestationen. Nur eine einzige in der Nähe des Hallenbads wird mir angezeigt. Besser sieht es in den drei Römerberger Ortsteilen aus. Aber auch dort gilt: Schnellladen Fehlanzeige.
Bei der generellen Verfügbarkeit von schnellen Ladestationen ist Besserung in Sicht – zumindest wenn man dem Platzhirsch Pfalzwerke, der rund 330 Ladestationen in der gesamten Pfalz betreibt, Glauben schenkt. Das Unternehmen bekundet, in „qualitative Verbesserungen bestehender Anlagen, etwa durch das Repowering am Rewe-Standort in Schifferstadt“ zu investieren. Neue Standorte im Speyerer Umland seien hingegen aktuell keine geplant. Generell würden bei der Standortauswahl verschiedene Faktoren wie Verkehrsanbindung, Bevölkerungsdichte, bereits vorhandene Ladeinfrastruktur oder bestehende Partnerschaften mit Handelsunternehmen berücksichtigt.
In stärker ländlich geprägten Gegenden mit kleineren Ortschaften mag es anders aussehen, aber im Speyerer Umland musste ich mir auf meiner Tour nie Sorgen machen, mit leerem Akku liegen zu bleiben. In jedem Ort gibt es eine Lademöglichkeit, meist sogar mehrere. Schnelles Laden war ebenfalls möglich, auch wenn die Auswahl hier noch deutlich eingeschränkter ist. Die meisten E-Auto-Fahrer in den Dörfern dürften dank eigener Immobilie über eine private Wallbox zum Laden verfügen. Insofern scheint der Bedarf an öffentlichen Ladestationen – zumindest solange der Anteil an Elektrofahrzeugen nicht deutlich steigt – aktuell gedeckt.