Speyer / Mannheim / Novara Matthias Lucht singt Musik von Isabella Leonarda

Matthias Lucht und das Ensemble in der Unionskirche in Mannheim bei dem Konzert mit Musik von Isabella Leonarda.
Matthias Lucht und das Ensemble in der Unionskirche in Mannheim bei dem Konzert mit Musik von Isabella Leonarda.

Matthias Lucht hat mit seinem Ensemble „Arion palatino“ ein spannendes Programm mit Musik der Komponistin und Ordensfrau Isabella Leonarda erarbeitet.

Der Altus Matthias Lucht ist eng mit der Speyerer Dommusik verbunden. Er singt regelmäßig in Gottesdiensten und Konzerten im Dom und wirkt als Stimmbildner. Er hat derzeit ein besonders spannendes Programm im Repertoire: Musik der italienischen Ordensfrau, Komponistin und Musikerin Isabella Leonarda. Das ist außerordentlich hörenswert.

Als Isabella Leonarda 1620 geboren wurde, führte gerade Claudio Monteverdi die Musik am venezianischen Markusdom zur Blüte und eröffnete der Tonkunst neue Welten. Als sie 1704 starb, hatten Bach und Händel schon erste wichtige Werke komponiert und war Vivaldi schon Violinlehrer am Ospedale della Pietà. Ihr Leben umspannt also Frühling und Blüte des musikalischen Barocks.

Wenn von großen Namen der barocken Musik die Rede ist, muss ihr Name fürderhin ebenso genannt werden wie der der sagenumwobenen Mrs. Philharmonica, der von Barbara Strozzi oder der von Élisabeth-Claude Jacquet de La Guerre.

Originelle Anlage und kunstvolle Satzkunst

Die in Novara im Piemont Geborene trat mit 16 Jahren dem Orden der Ursulinen bei. 19 Bände mit über 200 Werken hat sie veröffentlicht, darunter ihr op. 16 mit Violinsonaten von höchst origineller Anlage und kunstvoller Satzkunst.

Drei davon waren in einem Konzert in der Mannheimer Unionskirche zu hören. Dort widmete das neu gegründete Ensemble „Arion palatino“ um Matthias Licht ein ganzes Programm unter der sehr passenden Überschrift „Unerhört – Ungehört“ der Musik von Isabella Leonarda. Es spielten in sehr lebendiger, klangschöner und rhetorisch brillanter Weise Emanuele Breda und Andrea Seeger, Violine, Ena Markert, Viola da Gamba, und Jürgen Banholzer, Cembalo.

Zusammen mit Matthias Lucht, der mit erlesener Tongebung und Linienführung sowie ausgefeilter Diktion sang und ein idealer Sänger für diese Werke ist, musizierten die Instrumentalisten fünf geistliche Konzerte der Isabella Leonarda auf deren eigene lateinische Texte, die in einer sehr sinnlichen poetischen Sprache von einer mystischen Jesusliebe künden. Die Ordensfrau als mystische Braut Christi. Das abschließende Stück war ein Hymnus auf die Gottesmutter, fast eine Paraphrase des Salve Regina.

Sinnliche Poesie und Musik

Die Sinnlichkeit ihrer Poesie überträgt Isabella Leonarda in eine betörend schöne und vielgestaltige Musik, die den Geist der neuen barocken Klangrede mit ausdrucksvoller Empfindung und Spielfreude verbindet.

„Arion palatino“ hat sich zur Aufgabe gemacht, vergessene barocke Kompositionen und Komponistinnen einem breiteren Publikum zu präsentieren.

Eine Aufführung des Isabella-Leonarda-Programms in Speyer wäre sehr zu wünschen – und es gäbe auch ideale Räume dafür, nicht zuletzt die barocke Klosterkirche St. Magdalena in unmittelbarer Nachbarschaft der Dommusik.

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