Speyer Markus-Passion im Dom

Seniorenkantorei der Dommusik bei der Speyerer Kult(o)urnacht 2025.
Seniorenkantorei der Dommusik bei der Speyerer Kult(o)urnacht 2025.

Am Samstag, 28. März, 19.30 Uhr, erklingt eine Markus-Passion im Dom zu Speyer. Johann Sebastian Bach hat sie vor 300 Jahren in Leipzig am Karfreitag aufgeführt.

Dieses schon im 18. Jahrhundert vielbeachtete Meisterwerk des Barocks zeugt eindrucksvoll von der emotionalen Kraft dieser Epoche. Erzählt wird die Leidensgeschichte Jesu gemäß dem Markus-Evangelium mit dramatischer Erzählweise und tiefreichender Musik, die Zuhörer bis heute berührt. Dramatische Rezitative, gefühlvolle Arien und einprägsame Choräle führen mitten ins Geschehen der Passion.

Als Vokalsolisten wirken Maximilian Fieth als Evangelist, Anabelle Hund (Sopran), Matthias Lucht (Altus), Nikolas Groth (Tenor) und Michael Roman (Bass) an der Aufführung mit. Unter der Leitung von Michael Marz singt die Seniorenkantorei der Dommusik Speyer und spielt die Kammerphilharmonie Mannheim.

Vorbild für Matthäus-Passion

Bach führte mehrmals diese Markus-Passion auf, die wahrscheinlich 1707 in Hamburg entstand und Gottfried Keiser (dem Vater von Reinhard Keiser) oder Friedrich Nicolaus Bruhns zugeschrieben wird. Es gibt wohl kaum ein anderes Werk eines Zeitgenossen, mit dem sich Bach so häufig und intensiv beschäftigt hat wie mit dieser Passionsvertonung. Diese hat denn auch seine Spuren in Bachs eigener Matthäus-Passion hinterlassen, die womöglich 1727 erstmals in der Thomaskirche erklungen ist. Auch hier sind die Christusworte von Streichern wie von einem Heiligenschein umgeben (das gibt es freilich auch in älteren Passionen schon), und nach Jesu Tod erklingt die Choralstrophe „Wenn ich einmal soll scheiden“. Das ist die neunte Strophe von Paul Gerhardts Lied „O Haupt voll Blut und Wunden“. Gerhardt starb heuer vor 350 Jahren.

Es sind von Bach drei Fassungen jener Markus-Passion erhalten, jeweils anders bearbeitet und ergänzt (Weimar 1713, Leipzig 1726 und 1747). Vor 300 Jahren hat Bach seine ältere Weimarer Version nur dezent verändert.

Das rätselhafte R

Von dem Opernmeister Reinhard Keiser – einige seiner Bühnenwerke waren ja beim Winter in Schwetzingen unlängst in der Region zu erleben – gibt es durchaus Passionsmusiken, so eine Brockes-Passion nach dem Text des Hamburger Ratsherren und Barockpoeten. Doch diese entstanden später und sind stilistisch anders als die Markus-Passion. Dass er lange als Autor galt, hat unter anderem mit einem Eintrag „Sig. R. Kaiser“ in Bachs Notenmaterial zu tun. An der Initiale des Vornamens wurde allerdings so viel rumkorrigiert, dass nicht mehr zu ermitteln ist, welcher Buchstabe nun gemeint ist. Doch aus biografischen und stilistischen Gründen geht die Forschung heute davon aus, dass es eher Reinhards Vater Gottfried oder der Hamburger Domkantor Friedrich Nicolaus Bruhns waren, die das sagenhafte Werk komponierten.

Eine eigene Markus-Passion ganz anderer Art hat Bach 1731 komponiert und aufgeführt. Zu der hat sich leider nur der Text, aber nicht die Musik erhalten.

Seniorenkantorei besteht seit 2024

Die Seniorenkantorei der Dommusik Speyer besteht seit 2024 und wird von Michael Marz geleitet. Sie sang schon in Gottesdiensten und bei der Speyerer Kult(o)urnacht im vergangenen Juni im Dom. Sie ist ein gemischter Chor als Angebot zum gemeinsamen Singen in der sogenannten „dritten Lebensphase“. Die Seniorenkantorei erarbeitet ein Repertoire vorwiegend geistlicher, aber auch weltlicher Chormusik aller Epochen. Sie hatte Ende 2025 80 Mitglieder.

Info

Tickets für das Konzert gibt es in der Dom-Info, den Reservix-Vorverkaufsstellen sowie online: www.rheinpfalz.de/ticket

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