Römerberg Mack-Preise der Mack-Stiftung verliehen
Gleich zwei Preisträger gibt es dieses Jahr bei der Verleihung des Mack-Preises: das Atelier „Molemol“ der Lebenshilfe Speyer-Schifferstadt und das Programm MUS-E der International Yehudi Menuhin Foundation zur Errichtung von vier MUS-E Klassen in der Siedlungsschule-Grundschule in Speyer Nord. Der Preis von je 5.000 Euro wurde im Zehnthaus Römerberg an die Preisträger überreicht.
„Ich bin überzeugt, dass wir wichtige Impulse setzen“, sagt Mitgründer und Vorsitzender von MUS-E Deutschland Werner Schmitt in seiner Dankesrede. Er hofft, dass das Programm sich in der Pfalz etabliert und „ständig weiterwächst.“ Da es über private Mittel finanziert werde, sei eine solide Finanzierung Voraussetzung für Wachstum. Die gleichzeitige Ehrung von „Molemol“ sei ein „wichtiges Symbol“, um „allen Menschen gleichberechtigte Teilhabe“ zu ermöglichen. Die Inklusion sei auch ein wesentliches Merkmal für MUS-E. „Ich kann mir eine Synergie beider Bereiche – Molemol und MUS-E – vorstellen“, so Schmitt, der sich für „die große Anerkennung“ bedankt.
Einfühlsames Miteinander als Kraftquelle
„Ein einfühlsames Miteinander ist die Kraftquelle für die Herausforderungen des Lebens“, sagt Gerhard Wissmann, Vorsitzender der Lebenshilfe Speyer-Schifferstadt. Deswegen freue er sich sehr über die Ehrung. Menschen mit Handicap zu fördern und in ihrem Selbstbewusstsein zu stärken, sei das Ziel der Lebenshilfe. Dazu gehöre auch ein „vielfältiges Angebot“. „Es gelang, die Mitglieder von Molemol nach ihren Fähigkeiten und Neigungen auszubilden. Es geht nicht um uns. Es geht einzig und allein darum, Menschen mit Behinderung für eine bessere Teilhabe zur Seite zu stehen.“ Karin Bury, Leiterin des Projekts „Molemol“, und ihre Künstler*innen freuen sich „alle sehr, weil das schon der zweite Preis in diesem Jahr ist“. Sie wollen weitermachen und planen schon eine Ausstellung zum 60-jährigen Bestehen der Lebenshilfe 2024. „Das soll umfassend werden: Alle Gruppen der Lebenshilfe werden sich daran beteiligen“, so Bury.
„Ziel ist, die Welt ein klein wenig besser zu machen“, sagt Winfried Sommer, Vorsitzender der Mack-Stiftung, die den Preis auslobt. „Oder wenigstens Schlimmeres zu verhindern. Zumal in Zeiten, in denen die Jugend von Verlustängsten und Depressionen geprägt ist.“ Der Preis geht auf Elisabeth Mack-Usselmann und Michael Mack zurück: Elisabeth Mack-Usselmann war eine renommierte Speyerer Künstlerin, deren Kunstwerke in „Mack’s Kunstdepot“ in Speyer aufbewahrt werden. Ihr Sohn Michael Mack hat sich in den Disziplinen Alterspsychiatrie und Depressionsforschung einen Namen gemacht. Demnach werden abwechselnd Projekte in den Disziplinen Bildende Kunst, Kulturanthropologie, Philosophie und Literaturtheorie auf der einen Seite und Alterspsychiatrie und Depressionsforschung auf der anderen Seite ausgezeichnet.
Kreativität fördern
Der Humanist und Musiker Yehudi Menuhin gründete vor 30 Jahren MUS-E. Das Programm sensibilisiert Kinder durch Künste, fördert die Kreativität, den Selbstwert und die Toleranz. Es wird vor allem in Brennpunkten eingesetzt. Vier MUS-E Klassen in der Siedlungsschule–Grundschule könnten mit Spenden und dem Preisgeld eingerichtet werden. „Es ist das einzige internationale Programm, das so lange existiert“, ein breites Spektrum für Kreativität bietet und die unterschiedlichste Herkunft der Kinder berücksichtigt, heißt es unter anderem in der Begründung des Preises. „Molemol“, ein Programm für geistig Behinderte, fördert das kreative Malen und hat sich „seit 15 Jahren hochprofessionell entwickelt“. Die Künstlerinnen und Künstler nehmen an nationalen und internationalen Ausstellungen teil.
Oliver Roland, der die Laudatio für MUS-E gehalten hat, betont die nachhaltigen Auswirkungen des Projekts und dass es „systemisch in Klasse, Schule und Familie hineinwirkt“. Kinder entwickeln dadurch soziale Fähigkeiten, Empathie und Widerstandsfähigkeit. MUS-E stehe für „Mehr Unglaublich Schönes Erreichen“. „Über alle Krisen und Kriege hinweg kann man sich durch Musik und Kunst verständigen.“ Hendrik Fehr, Vater des Molemol-Künstlers Martin, lobt Bury für ihre „Hingabe und Freude“, die „einfach phantastisch“ sei. „Mein Sohn hat, weil er gehörlos ist, von Musik nichts“, deswegen sei Malerei genau das Richtige. „Viele Menschen mit Behinderung sind nicht unbedingt professionelle Künstler“, weswegen Molemol etwas Besonderes sei.
„Philosophieren mit Kindern“
Im nächsten Jahr wird der Preis am Internationalen Tag der Kindheit am 20. September an das Projekt „Philosophieren mit Kindern“, initiiert vom Ehepaar Schlegel aus Freiburg, gehen, kündigt Sommer an.
Musikalisch begleitet wurde die Preisverleihung von der Gruppe „Firma Musikanten“, die ebenfalls zwei geistig behinderte Musiker in ihren Reihen hat.