Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Kriminalität: Wie sicher lebt es sich in der Region Speyer?

Drogenhandel (hier beschlagnahmtes Kokain): steigende Fallzahlen in Speyer.
Drogenhandel (hier beschlagnahmtes Kokain): steigende Fallzahlen in Speyer.

Wie gefährlich ist die Region Speyer? Laut Bilanz der Polizeiinspektion ist das Risiko, Opfer einer Straftat zu werden, 2025 statistisch gesunken. Eine Gefährdungsanalyse.

1. Die Fallzahlen sind zurückgegangen: Die Anzahl der Straftaten ist auf dem geringsten Stand der vergangenen fünf Jahre. 6048 im Jahr 2025 bearbeitete Fälle sind 21,6 Prozent weniger als im vergangenen Jahr. Die Aufklärungsquote ist von 75 auf 70 Prozent gesunken. Das sei weiterhin ein hohes Niveau, betont die für Speyer, Otterstadt und die Verbandsgemeinde Römerberg-Dudenhofen zuständige Polizeiinspektion. Die Entwicklung liege im Landestrend, so Inspektionssprecher Kevin Götz: „Die Kriminalität im Bundesland Rheinland-Pfalz ist allgemein rückläufig.“ Abgesehen vom Pandemiejahr 2021 gebe es die niedrigsten Fallzahlen seit 1992. Ein übergreifender Erklärungsansatz hierfür sei nicht erkennbar.

2. Ähnliche Entwicklung in vielen Kategorien: Rückgänge gab es etwa bei der Gewaltkriminalität (211 Fälle, minus 31 Prozent), bei der Straßenkriminalität (915 Fälle, minus 22 Prozent), bei der häuslichen Gewalt (297 Fälle, minus 19 Prozent) oder auch bei den in Speyer traditionell besonders im Fokus stehenden Fahrraddiebstählen (232 Fälle, minus 26 Prozent). Speyer und die Umlandgemeinden liegen bei der Häufigkeitsziffer – der Anzahl der Straftaten pro 100.000 Einwohnern – mit 7731 deutlich über dem Landesschnitt von 5427, aber das sei begrenzt aussagekräftig: einerseits gebe es viele Touristen, deren Straftaten ebenfalls dazugezählt würden, andererseits den zentralen Standort der Aufnahmeeinrichtung für Asylbegehrende (AfA), an dem deutlich mehr ausländerrechtliche Verstöße (wie illegale Einreise) als andernorts registriert würden. Ohne diese liege die Häufigkeitsziffer nur bei 6194.

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3. Ruhigere Zeit für Ermittlungsgruppe Migration: In der Sammelunterkunft AfA in Speyer-Nord mit mehr als 1100 Plätzen für Rheinland-Pfalz zentral zugewiesene Asylbewerber ist seit 2016 eine eigene Ermittlungsgruppe (EG) Migration der Polizeiinspektion angesiedelt, die für die AfA-Bewohner sowie Verstöße gegen das Aufenthalts- und Asylgesetz zuständig ist. Dass die Flüchtlingsankünfte in Deutschland 2025 insgesamt rückläufig waren, hat sich deutlich auf deren Statistik ausgewirkt. Sie hatte mit 1471 weniger als die Hälfte an Straftaten im Vergleich zum Vorjahr (3053) zu bearbeiten. Davon waren 1125 Straftaten nach dem Aufenthalts- und Asylgesetz, die mit der Einreise meist „automatisch“ begangen werden, sowie 346 andere Straftaten (2024: 781). Schwerpunkte dabei: Rohheitsdelikte (134) und Diebstähle (146). Aufklärungsquote: 96,7 Prozent.

4. In manchen Kategorien steigen die Zahlen: Die Anzahl der Straftaten im Bereich der Rauschgiftkriminalität ist von 205 auf 243 gestiegen, und auch bei den Straftaten gegen Polizeibeamte wurde ein Plus von 29 auf 33 registriert. Beim Rauschgift waren die Fallzahlen 2024 mit der Teillegalisierung des Cannabiskonsums deutlich gesunken. 2025 seien nur 26 Straftaten nach dem neuen Gesetz erfasst worden, was keine Erklärung für das Plus darstelle. „Es gab keine Drogenart, die besonders für einen Anstieg verantwortlich ist“, so Götz auf Anfrage. Es habe allerdings mehrere größere Verfahren gegen Drogenhändler aus dem Speyerer Bereich gegeben, womit Folgeermittlungen verbunden gewesen seien. Unter den Straftaten gegen Polizisten fällt ein Fall vom 25. September besonders auf: Ein Mann, der in Gewahrsam genommen werden sollte, habe sich in seiner Wohnung eingeschlossen. Götz: „Nachdem die Tür durch die eingesetzten Beamten geöffnet wurde, hatte der Mann ein Schwert in der Hand, welches er nach dem Einsatz eines Tasers weglegte.“ Auch ein Diensthund sei erforderlich gewesen, um den Einsatz erfolgreich zu beenden und den Mann in eine Fachklinik bringen zu können. Ebenfalls auffällig: der steigende Anteil von Senioren unter den Opfern: 155 Geschädigte über 60 Jahre bedeuteten ein Plus von 16 Prozent gegenüber 2024. „Aufgrund des demografischen Wandels in Deutschland ist zukünftig eine weitere Zunahme des Seniorenanteils in der Bevölkerung in Deutschland zu erwarten und damit auch eine Steigerung der Fallzahlen unter Beteiligung von Senioren als Opfer dieser Taten“, sagt Götz dazu.

5. Verbrechensbekämpfung greift: Die Polizeiinspektion führt die sinkenden Fallzahlen auch auf ihre Präventionsarbeit zurück, die auf die jeweiligen Risiken angepasst werde. So fruchteten die seit Jahren intensivierten Schwerpunktkontrollen gegen Fahrraddiebstähle, aber auch andere Maßnahmen wie Fußstreifen in abgelegenen Bereichen von Park- und Grünanlagen, für die 197 Personenstunden bilanziert werden. Für 2026 seien schon neue Schwerpunkte beschlossen wie die erste Teilnahme am für Juni geplanten Bevölkerungsschutztag der Speyerer Feuerwehr. Außerdem werde ein vor Jahren eingestelltes Instrument zurückkehren: „Im laufenden Jahr ist vorgesehen, eine Fahrradstreife zu etablieren“, betont Götz. In der Vergangenheit war diese mehrfach gefordert, aber von der Inspektionsleitung unter anderem mit Verweis auf ein fragwürdiges Verhältnis von Aufwand und Ertrag sowie den nicht mehr zeitgemäßen Fahrrad-Fuhrpark abgelehnt worden.

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