Speyer
Kreuzfahrttourismus in Speyer: Mehr Kapazitäten erwünscht
Deutlich mehr als 1000 Kreuzfahrtschiffe legen in Speyer alljährlich an. Für den Großteil davon zeichnet die Viking Reederei aus Basel verantwortlich, der zwei der vier Kreuzfahrt-Anleger an der Rheinpromenade gehören. Die beiden äußeren Steiger – am Flaggenmast und an der Jugendherberge – werden von den städtischen Verkehrsbetrieben (VBS) betrieben, die zwei dazwischen von Viking. „Wir haben sie 2001 von der Köln-Düsseldorfer übernommen“, berichtet Thomas Bogler. Der 57-Jährige ist Geschäftsführer der Viking Technical GmbH (Wiebelsheim bei Koblenz) und zeichnet für insgesamt 65 Liegestellen am Rhein und seinen Nebenflüssen verantwortlich.
Die Speyerer Steiger, technisch auf gutem Stand und digital überwacht, liegen diesseits und jenseits der Salierbrücke. Sie sind bestens belegt. Viking selbst bilanziert laut Bogler jährlich konstant rund 680 Anlegemanöver: Die eigenen Kreuzfahrtschiffe gingen dann auf ihren Fahrten von Amsterdam nach Basel oder von Trier nach Basel (und umgekehrt) in der pfälzischen Domstadt vor Anker. 120 bis 150 weitere Schiffe im Jahr mieten sich demnach von Wettbewerbern an den Viking-Steigern ein, wobei die Anzahl dieser Anfragen etwa doppelt so hoch sei. Das Interesse an Stopps in Speyer ist deutlich größer als die Möglichkeiten: Viking muss bei Terminkollisionen ebenso absagen wie die VBS für die beiden städtischen Steiger. Die Reederei rechnet vor, dass 2024 in Speyer 277 Anlegungen abgesagt werden mussten und 52.630 Gäste nicht aussteigen konnten.
Immer wieder Absagen
Die städtische Wirtschaftsförderung kennt die Bedeutung des Kreuzfahrttourismus für Speyer und bedauert es, wenn nicht alle Interessenten zum Zug kommen. Die Absagen allein der VBS haben zuletzt zugenommen: 180 Kapitäne konnten 2023 aus Kapazitätsgründen nicht in Speyer anlegen, 231 waren es 2024, und 313 sind es nach jetzigem Stand schon für das laufende Jahr. Dieser Wert könne noch zunehmen, so die städtische Pressesprecherin Annika Roth. Die Anzahl der Anlegungen steige nicht im selben Maß: 2023 waren es 528, danach 454 (2024) und 512 (Zwischenstand 2025). Deutlich gestiegen sind die Werte nach der Inbetriebnahme des zweiten kommunalen Steigers, der bis 2017 für 860.000 Euro errichtet worden war. Die städtischen Liegegebühren wurden zuletzt 2023 erhöht. 400 Euro fallen pro Tag an, was jährliche Einnahmen von knapp 200.000 Euro bedeutet.
Auch bei Viking ginge noch mehr, das ist für Geschäftsführer Bogler keine Frage: „Eine weitere Anlegestelle würde sich wirtschaftlich rechnen, ist allerdings in diesem Rheinabschnitt schwer zu verwirklichen.“ Das habe vor allem mit dem begrenzten Platz im Rheinbogen zu tun. Die Reederei stehe in gutem Austausch mit der Stadtverwaltung, der die Erweiterungswünsche bekannt seien: „So könnten wir die Aufenthaltszeiten in Speyer erhöhen.“ Vorrangig sei aber die Hoffnung, beim Steiger am Rheinufer einen Landstrom-Anschluss zu erhalten und damit den Betrieb der Dieselaggregate während der Liegezeit einschränken zu können.
Sechs bis acht Stunden ankern die meisten Viking-Schiffe in Speyer, bevor sie über Nacht zum Beispiel nach Straßburg weiterfahren. Die meisten Gäste gehen von Bord und sind überwiegend in der Domstadt unterwegs. Er wisse von vielen positiven Rückmeldungen aus der Geschäftswelt und sei überzeugt, dass Viking-Kunden beträchtlichen Umsatz vor allem in der Innenstadt generieren, könne aber keinen genauen Betrag nennen, so Bogler. „Wir wissen letztlich nicht, was der Gast in der Zeit macht. Immer mehr gehen auf eigene Faust los.“ Vorsichtig kalkuliert, könnte der Kreuzfahrttourismus bei 110 bis 190 Passagieren pro Schiff, 20 Euro Umsatz pro Kopf und mehr als 1000 Schiffen an die 3 Millionen Euro in einem Jahr nach Speyer bringen.
Viele Amerikaner an Bord
Klar ist, dass die meisten Gäste Stadtführungen buchen. Viking bietet selbst welche an und kauft weitere bei der städtischen Tourist-Info ein. Vor allem vormittags gehören die englischsprachigen Grüppchen an vielen Tagen zum Stadtbild. Bei Viking kommen mehr als 80 Prozent der Passagiere aus den USA und Kanada. Den europäischen Markt überlässt das Unternehmen weitgehend anderen Anbietern. Die Nordamerikaner flögen etwa nach Zürich, Amsterdam oder Paris, bevor sie aufs Schiff stiegen. Aus der französischen Hauptstadt kämen sie dafür in Zubringerbussen nach Trier. Sieben, 14 oder 21 Tage dauern Vikings Europakreuzfahren, in der längsten Variante einschließlich der Kanal- und Donau-Strecke bis Budapest.
„Wir profitieren von den Babyboomern in den USA“, sagt Bogler. Er erwartet stabile Zahlen für die kommenden Jahre. Sorgen bereitet ihm der Klimawandel mit immer häufigeren Niedrigwasser-Phasen, die an manchen Tagen auch das Anlegen der bis zu 135 Meter langen Schiffe in Speyer unmöglich machten. Bogler kann die Nöte der Schiffsführer in solchen Fällen gut nachvollziehen, denn der Manager ist kein „Schreibtischtäter“, er kommt aus der Praxis: Er ist zur See gefahren, lernte Binnenschiffer, ging aber aus familiären Gründen irgendwann an Land und zeichnet mittlerweile im 26. Jahr für die Infrastruktur am Ufer und teilweise auch auf den Schiffen zuständig.
