Speyer Kreis fürchtet hohe Kosten der Inklusion

Germersheim. Von New York nach Neupotz: Die Behindertenkonvention der Vereinten Nationen findet sich auch im neuen Schulgesetz von Rheinland-Pfalz wieder. Dort wird das Wahlrecht der Eltern, ob das Kind eine Förderschule oder eine Regelschule besuchen soll, festgeschrieben. Wenn Landrat Fritz Brechtel (CDU) über Inklusion an der Schule redet, zeigt er zunächst begeistert eine Grafik: einen Kreis, in dem viele bunte Punkte einträchtig nebeneinanderstehen. Die Farben stehen für die unterschiedlichen Schüler - klassische Regelschüler, Kinder mit Migrationshintergrund, die Sprachprobleme haben und Kinder mit Beeinträchtigungen. Brechtels Kreis symbolisiert ein System, in das alle Individuen gleichberechtigt miteinbezogen sind. Eine Zukunftsvision, oder besser: ein schöner Traum. In der Realität besuchen zwar längst Jungen und Mädchen mit mehr oder weniger offensichtlichen Beeinträchtigungen Regelschulen, aber es läuft noch lange nicht alles rund.

Zum Beispiel bei der Finanzierung: Als Schulträger ist der Landkreis Germersheim für die Sanierungen der Gebäude zuständig, Jugend- und Sozialamt sind über Integrationshelfer, das sind Begleiter im Alltag, mit im Boot. Für dieses Jahr sind allein in den Fachbereichen Soziale Hilfen und Jugendamt zirka 1,3 Millionen Euro eingeplant. Und damit wurde noch kein Aufzug in ein historisches Schulhaus eingebaut.

Sozialdezernent Dietmar Seefeldt zieht mit sorgenvollem Blick ein Papier aus der Tasche: In einem Schreiben des Landkreistages wird auf kommunale Folgekosten der Inklusion verwiesen, die zum Beispiel für den Landkreis Borken in Nordrhein-Westfalen allein für Grundschulen bis 2019/20 Investitionskosten von 3 Millionen Euro und jährliche laufende Kosten von 4 Millionen Euro betragen. Einstimmiges Fazit von Landrat, Sozialdezernent und Abteilungsleitern der Kreisverwaltung Germersheim: Hier sollten Konnexitätsregelungen greifen, also das Land finanziell in die Verantwortung genommen werden. Doch das ist noch nicht der Fall.

Egal, ob Klassengröße, Anzahl der Inklusionskinder pro Klasse oder Zuteilung der Förderlehrer: Dafür ist die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) zuständig. Dort scheint - zumindest im Gespräch mit der RHEINPFALZ - die Welt in Ordnung.

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