Speyer Kommentar: Nicht nur Trend

Alte Gewissheiten gelten im
Speyerer Umland nicht mehr.
Das muss nicht schlecht sein.
Die Zeit absoluter, stabiler Mehrheiten, sie scheint vorbei zu sein. Dass die klassischen Volksparteien CDU und SPD an Bindungskraft verlieren, ist bundesweit schon länger zu beobachten. Im Speyerer Umland, wo es viele schwarze Hochburgen gab, ist es vor allem die Union, die unter dieser Entwicklung leidet: Dudenhofen, Römerberg, Waldsee, Lingenfeld – die Liste der Enttäuschungen für die CDU ist lang. Auch ein weiterer Bundestrend färbt auf die Region ab: Die Grünen sind stark wie nie. Sie treffen offenbar den Nerv der Zeit und wirken für das eher links orientierte Publikum frischer als die SPD, für die es vielerorts bergab geht. Die FDP konnte auf der anderen Seite wohl einige unzufriedene ehemalige CDU-Wähler abgreifen. Wäre die AfD bei Orts- oder Verbandsgemeinderatswahlen angetreten – wahrscheinlich wäre auch sie eingezogen. Vieles lässt sich aus dem Bundestrend erklären, doch manche Entwicklung ist auch hausgemacht: In Lingenfeld haben die Wähler Ortsbürgermeister Erwin Leuthner abgewählt – nicht weil er für die CDU antrat, sondern weil die Bürger offenbar unzufrieden waren mit Dingen wie der lange geschlossenen Goldberghalle oder unzureichenden Einkaufsmöglichkeiten. Auch in Dudenhofen – Stichwort Pfarrheim – oder Römerberg – Stichwort Kunstrasenplatz – hat sich die CDU in den vergangenen Wochen nicht immer geschickt angestellt. Für die Ortspolitik müssen die neuen Mehrheitsverhältnisse nicht unbedingt ein Nachteil sein. Sicher werden sich nun Mehrheiten finden müssen, wo vorher oft eine Fraktion alleine die Richtung vorgab. Das bietet allerdings auch die Chance auf lebendigere Ratssitzungen, als es sie bisher in manchen Orten zu erleben gab. Und Diskussionen sind schließlich auch ein Ringen um die beste Lösung.