Speyer Klapprad ins Märchenland

Mit Klapprad und Geklapper: An den Zinnmann aus dem Musical „Der Zauberer von Oz“ erinnerte dieser Teilnehmer.
Mit Klapprad und Geklapper: An den Zinnmann aus dem Musical »Der Zauberer von Oz« erinnerte dieser Teilnehmer.

Wenn Fasnacht und Radfahren an einem Tag ist, dann ist eben Kalmit-Klapprad-Cup: Das 27. Rennen des pfälzischen Klassikers sprengte einmal mehr alle Grenzen. Mit über 1080 Radsportlern wurden nicht nur die bisherigen Erwartungen übertroffen, sondern auch ein neuer Teilnehmerrekord aufgestellt. Mit Luca Jabczynski sicherte sich ein erst 17-Jähriger in neuer Streckenrekordzeit von knapp 19 Minuten den Sieg.

Eigentlich sollte es genau 1001 Starter sein. Denn das Motto hieß „Rotkläppchen strampelt sich einen bösen Wolf“ und „1001 Scharnier – Märchen aus dem Orient und von hier“. Aber: „Wir wollten ja niemanden nach Hause schicken“, wie Holger Gockel, Zweiter Vorsitzender des in Dudenhofen ansässigen Pfälzer Klappvereins sagt. „Bei uns geht immer noch was“. Die Fans des legendären Klapprades wollten möglichst nah dran sein. Dicht gedrängt standen sie auf dem letzten Metern, Reih` und Glied, am Straßenrand und rückten immer mehr auf den Asphalt. Das Klapprad, aber auch die Gaudi und vielfältigsten Kostümierungen lockten sie immer wieder nach vorne. Davon ließ sich Luca Jabczynski aus Venningen nicht beeindrucken. Der 17-Jährige ist in der Radsportszene kein Unbekannter, trägt er doch das Trikot des Radfahrerverein (RV) Lingenfeld und gehört zu den stärksten Junioren in Rheinland-Pfalz: „Ich hatten schon so viel über den Klapprad-Cup gehört, da wollte ich es auch mal selbst ausprobieren“, erklärte der junge Mann, der mit großem Vorsprung das Ziel erreichte. Es war ein Start- und Ziel-Erfolg des jungen Venningers, der so manchen Altstars wie Olympiasieger Stefan Steinweg „Steinbeißer“, der am Tag nach seiner Hochzeit dabei war oder eben Ex-Profi Udo „Der böse Wolf“ Bölts deutlich das Hinterrad zeigte. „Das Ganze ist doch eine Gaudi, und darauf will man nicht verzichten“, sagte Steinweg. Der Olympiasieger war als Pinocchio zu sehen. Da war auch Eva Katz, die zarte „Klappunzel“, die mit strahlendem Lächeln ihre Fans sogar abklatschte, schon im Ziel. Die Otterstädterin war auch diesmal nicht zu schlagen. Als Jäger des bösen Wolf waren gleich viele Akteure unterwegs. Judith Laux und Partner Marc Christian Glaser alias Alfons I., der wohl verrückteste Steuerberater und Schatzmeister der Klappradler, aber auch Benny Hundt, der einstige Zweitliga-Handballer. Die 1970er-Jahre wurden wach. Gleich 45 Starter unter 14 Jahren (in der Szene „Jungscharniere“ genannt) wagten diesmal den Weg zum höchsten Berg im Pfälzerwald. Das Klapprad ist eben Kult. „Es ist aber auch schön, ihnen zuzusehen“, erklärte Thomas Oehl, der kurz vor dem Kalmit-Gipfel das Spektakel als Zuschauer genoss. Der Ehrenpreis für das originellste Outfit eines Klapprades ging übrigens an den Deidesheimer Ralf Esser. Als „Bremer Klapp-Migranten“, in Anlehnung der Bremer Stadtmusikanten und des dortigen Asylskandals, hatte er sein Rad dekoriert. Da staunte auch Céphas Bansah, der in Ludwigshafen lebende König aus Ghana, der gemeinsam mit Anna Lena Ziegler die Siegerehrung bei der stimmungsgeladenen Abschlussfeier übernahm. Am Ende tanzten alle eine Polonaise, als die Band Jimmy Hering Hänsel und Gretel experience ihre neuen Song „Abraka klapprad uff de Kalmit nuff jucheee“ spielte. Im Netz www.facebook.com/KalmitKlappradCup

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