Römerberg RHEINPFALZ Plus Artikel Kirche trennt sich von Pfarrheim: Was nun damit passiert

Das Pfarrheim in Heiligenstein ist nicht mehr im Besitz der Kirche.
Das Pfarrheim in Heiligenstein ist nicht mehr im Besitz der Kirche.

Das Pfarrheim in Heiligenstein hat den Besitzer gewechselt: Warum die katholische Kirche sich von dem Gebäude getrennt hat und was der neue Eigentümer nun damit vor hat.

Über die Zukunft des katholischen Pfarrheims in Heiligenstein, das in Römerberg direkt neben dem Rathaus steht, wird schon seit mehreren Jahren gesprochen. Hintergrund ist, dass das Bistum die Pfarrgemeinden dazu drängt, aus wirtschaftlichen Gründen ihren Gebäudebestand zu reduzieren. Die Aufgabe von Pfarrheimen ist deshalb auch in der Pfarrei Heilige Hildegard schon länger ein Thema. Teilweise hat sie sich schon von Immobilien getrennt. So gehört das Pfarrheim in Harthausen mittlerweile der Ortsgemeinde, die dort eine Kindergartengruppe untergebracht hat.

Nun ist auch in Heiligenstein ein Verkauf über die Bühne gegangen – in diesem Fall an die Ortsgemeinde Römerberg. „Nach dem Erwerb des katholischen Schwesternhauses in Berghausen im letzten Jahr, konnte nun die Ortsgemeinde Römerberg auch das Pfarrheim in Heiligenstein erwerben“, informiert Römerbergs Ortsbürgermeister Matthias Hoffmann (Grüne). Bereits sein Vorgänger Manfred Scharfenberger (CDU) habe nach einem Weg gesucht, das Pfarrheim zu erhalten, er selbst und die Fraktionen im Gemeinderat seien diesen dann weiter gegangen.

Für Schülerbetreuung genutzt

Von der Ortsgemeinde mitgenutzt wird das Pfarrheim schon seit rund fünf Jahren: Diese hatte es tagsüber für die Nachmittagsbetreuung der benachbarten Heiligensteiner Grundschule angemietet, da in deren Gebäude kein Platz mehr dafür vorhanden war. Zwischenzeitlich war angedacht, dass die Ortsgemeinde das Gebäude in Erbpacht übernimmt. „Erbpacht ist aber nicht förderfähig, nur Eigentum“, erklärt Hoffmann, warum es letztlich anders kam und die Ortsgemeinde die Immobilie kaufte. Einen Kaufpreis nennt er nicht, sagt aber: „Es gab ein Wertgutachten. Für die weitere Mitnutzung durch die Kirchengemeinde für 50 Jahre kam man der Gemeinde preislich deutlich entgegen.“ Die Gemeinde habe ein Wirtschaftlichkeitsgutachten erstellen lassen, welches belegt, dass der Kauf gegenüber einem Neubau auf dem Schulgelände wirtschaftlicher sei. Das Gebäude habe keine gravierenden Mängel, aber verschiedene Renovierungen und Anpassungen für die schulische Nutzung stünden an.

Am 22. Dezember 2025 war es soweit: Der Eigentümerwechsel wurde notariell besiegelt, am 1. Januar trat er in Kraft. Genehmigungen verschiedener Behörden seien vor dem Kauf nötig gewesen, begründet der Bürgermeister den langen Weg zum Eigentümerwechsel. Festgeschrieben wurde, ähnlich wie in Harthausen, dass die Pfarrgemeinde das Pfarrheim künftig mitnutzen darf – mietfrei, über einen Zeitraum von 50 Jahren und in einem Umfang von 30 Prozent der gesamten Nutzungszeit.

Die Jugendräume im Keller des Gebäudes stehen der Pfarrei weiter exklusiv zur Verfügung. Das sei „ein wichtiges Signal für die Jugendarbeit“, finden die Verantwortlichen der Pfarrgemeinde. Auch die Katholische öffentliche Bücherei (KÖB), die ebenfalls in dem Gebäudekomplex untergebracht ist, bleibt erhalten. „Der Fortbestand der KÖB ist vertraglich geregelt. Sie ist nun auch die Schulbücherei“, teilt der Bürgermeister mit. Direkt davor soll eine Bücherzelle des Kunst- und Kulturvereins aufgestellt werden.

Platz für Flüchtlinge

Es sei festgelegt, dass die Gemeinde das Pfarrheim hauptsächlich weiter für die Nachmittagsbetreuung nutze, sagt Hoffmann. Da es Platz für rund 200 Personen biete, sei es aber auch eine gute Alternative für Veranstaltungen, wenn das Zehnthaus in Berghausen zu klein sei. Neben der KÖB gehöre zum Gebäude auch das vermietete Heiligensteiner Schwesternhaus. Das Schwesternhaus im Ortsteil Berghausen hat die Ortsgemeinde bereits im vergangenen Jahr erworben. In diesem müsse vor einer späteren Nutzung die Elektrik erneuert werden. Danach soll es eventuell an die Verbandsgemeinde als Flüchtlingsunterkunft vermietet werden, berichtet Hoffmann. Weiterhin als Flüchtlingsunterkunft genutzt werde auch das Pfarrhaus in Heiligenstein, das noch der Kirchengemeinde gehört und von der Verbandsgemeinde angemietet sei.

Was den Pfarrheim-Verkauf angeht, so spricht die Pfarrei Heilige Hildegard in einer Stellungnahme von „intensiven und vertrauensvollen Gesprächen“, die diesem vorausgegangen seien. „Die Entscheidung zum Verkauf ist uns nicht leichtgefallen. Sie ist jedoch Teil eines größeren Prozesses, den viele Pfarreien derzeit gehen müssen“, begründet die Kirche den Verkauf des Pfarrheims. Es gebe die verbindlichen Vorgaben zur Reduzierung von Pfarrheimflächen durch das Bistum, um die kirchlichen Strukturen langfristig finanzierbar zu halten. Gleichzeitig sei die Zahl der Veranstaltungen und Nutzungen in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen, während Unterhaltskosten stiegen.

Vor diesem Hintergrund bewertet die Pfarrgemeinde den Verkauf unter den beschriebenen Konditionen als Lösung, die für beide Seiten gute und tragfähige Perspektiven eröffne: „Diese Vereinbarung zeigt, dass kirchliches Leben auch unter veränderten Rahmenbedingungen möglich bleibt – anders organisiert, aber weiterhin präsent und wirksam. Der Verkauf des Pfarrheims ist kein Abschied von der Gemeinde vor Ort, sondern ein Schritt, um mit weniger Ressourcen weiterhin gut arbeiten zu können.“

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