Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Keltische Messe in der Gedächtniskirche

Keltische Messe in der Gedächtniskirche.
Keltische Messe in der Gedächtniskirche.

Die Keltische Messe „Das Licht in unseren Herzen“ von Eugen Eckert und Peter Reulein beseelte die Besucher in der Gedächtniskirche.

„Das Licht in unseren Herzen“ – die ökumenische keltische Messe in der Gedächtniskirche greift traditionelle Menschlichkeit und Naturverbundenheit auf und vermischt keltische mit deutscher Gottesdiensttradition. Heraus kommt ein berührender Gottesdienst, der die volle Kirche beseelt.

In der Keltischen Messe hat der evangelische Pfarrer und Textdichter Eugen Eckert Anregungen der schottischen Iona-Kommunität aufgegriffen. Mit dem katholischen Kirchenmusiker und Komponisten Peter Reulein ist daraus 2010 die „Das Licht in unseren Herzen“ entstanden. Musikalisch gestaltet wurde die Messe von den modernen Chören aus dem Kirchenbezirk Speyer unter Robert Sattelberger, begleitet von einer Folkband mit Drehleier, Keltischer Harfe, Bodhram ode, Flöte.

Winzig ist sie, die schottische Insel Iona, was hebräisch „Taube“ bedeutet. Aber „so klein und grün“ wie sie ist, hat sie mit „wuchtiger Kirche“ im englischsprachigen Raum den Stellenwert, den Taizé bei uns einnimmt. Mit eigener keltischer Liturgie, keltischer Spiritualität, Ökumene, Anknüpfung an frühchristliche Wurzeln, gemeinsamen Gottesdienst ohne Pfarrer und dem Ansatz, dass sich der Glaube ganz praktisch im Alltag zu bewähren hat, trifft diese Tradition einen Nerv der Zeit auch in Speyer. Die Menschen sind sichtbar berührt, singen und summen die Melodien mit und klatschen am Ende des Gottesdienstes begeistert. Auch die Einladung auf ein Bier nach dem Gottesdienst wird gern angenommen.

Robert Sattelberger am Pult.
Robert Sattelberger am Pult.

Christlich-deutsche Traditionen und keltische treffen aufeinander und verbinden sich sehr harmonisch miteinander, auch in ein und demselben Lied, zum Beispiel „In the beginning“, „Kyrie“ und „Sanctus“. Die beiden Letzteren mit keltischem, englischem und deutschem Text. Der Kreis beginnt und schließt sich mit dem gesungenen „Halleluja“. Der Rückbezug auf urchristliche und die keltische Tradition ist sowohl in der irisch-keltischen Instrumentierung als auch in den Melodien spürbar. Aber auch die Texte zeigen den Bezug zur Natur als Lebensgrundlage und zur Menschlichkeit. Flöten, Harfe, Geigen vermitteln eine leichte, luftige, unbeschwerte, leicht sphärische Atmosphäre, die einen sofort an eine grüne, weite Landschaft und an die Wesen der Anderswelt sowie die Túatha Dé Danann denken lässt, „das Volk der Göttin Danu“.

Überall auf der Welt geht die Mythologie in ihren Ursprüngen zentral auf weibliche Gottheiten zurück, so auch in Europa. Vor der christlichen Dreifaltigkeit gab es in Europa lange davor die zyklische Dreifaltigkeit der Großen Göttin in Gestalt der Greisin, der Mutter und der Mädchengöttin mit ihren jeweiligen Aspekten. Aber auch als archetypische Göttin der vier Elemente, denn die Zahl Vier spielt nicht nur in der irischen Tradition eine große Rolle. Die Feste wurden nach Mondphasen bestimmt. Das Weibliche wurde geschätzt und eng mit dem Göttlichen und der aus dem Göttlichen geborenen Natur verknüpft.

Keltische Messe in der Gedächtniskirche.
Keltische Messe in der Gedächtniskirche.

Der keltische Gottesdienst knüpft an diese alten Traditionen an, zumal auch Jesus, vor allem im Urchristentum, Frauen sehr wertgeschätzt hat. So singen also meist die Frauen der Chöre die Soli und die lichten Parts. Trommeln und der tiefe männliche Gesang stehen für die Bodenständigkeit und Verwurzelung mit Mutter Erde. „All that is green, blue deep and growing“ in „In the beginning“ verweist auf die ursprünglichen Wurzeln, denn auch Blau war als Farbe des Himmels und des Wassers bis ins letzte Jahrhundert hinein dem Weiblichen zugeordnet sowie das Zyklische mit Wachstum und Vergehen.

Auch die Besucher singen mit.
Auch die Besucher singen mit.

Diese Verbundenheit mit der weiblichen Tradition klingt auch in „Segne den Mond über uns“ an, denn der Mond spielt für den Zyklus, auch den weiblichen, eine zentrale Rolle. Verbunden wird die europäische Göttinnentradition mit dem männlichen Gott der Christen, sowohl in den Texten selbst – „Unser Gott hat uns geschaffen, Mann und Frau, sich selbst zum Bild“, durch die Abwechslung von weiblichem und männlichem Gesang und wie erwähnt durch die keltisch-irischen Melodien. Im gleichen Lied kommt auch zum Ausdruck, dass das Göttliche den Menschen „die Erde anvertraut“ hat - eben nicht zur Ausbeutung, sondern um sie „zu bebauen und zu bewahren“. Angesichts der Klimakatastrophe, der Kriege und Krisen in der Welt berührt dies sowie „Und tiefen Frieden wünsche ich dir“ und „Deep peace of the runnig wave to you“ besonders, ebenso das Abendmahl, zu dem alle eingeladen sind: „So come, people, come“. Kein Gegeneinander, sondern ein Miteinander. Naturverbundenheit und Miteinander sind das „Licht in euren Herzen“ im tänzerisch-fröhlichen Lied „Den Weg, den du gehst, segne Gott“. Auch das Licht ist sowohl in traditioneller Mythologie als Lichtkind als auch im Christentum durch Jesus vertreten. „Thin places“ heißen die Orte, die es überall auf der Welt gibt, die wie „Seidenpapier“ die materielle und die spirituelle Welt trennen, die „durchlässig, transparent, erdverbunden und himmelwärts zugleich“ sind. Sie sind durchlässig für das Göttliche durch „Gesang und Gebet“, aber auch durch den Menschen, der „sensibler für die Welt und andere Menschen“ wird.

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