Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Karpfen sind tabu: Wie es am Russenweiher weitergeht

Gute Aussichten: Vertreter der Stadt um Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler (Vierte von links) und der Anglerfreunde nehmen den
Gute Aussichten: Vertreter der Stadt um Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler (Vierte von links) und der Anglerfreunde nehmen den Russenweiher im Neuland in Augenschein und besprechen das weitere Vorgehen.

Dank der neuen Belüftung stabilisiert sich der Russenweiher. Rund um das Kleinod soll sich aber noch viel mehr tun. Anglerfreunde und Stadtspitze proben den Schulterschluss.

Was ist das Problem mit dem Russenweiher?
Der kaum 1,5 Hektar große See im Neuland im Speyerer Süden hat seit vielen Jahren mit dem Problem einer hohen Nährstoffbelastung und starker Verschlammung zu kämpfen. Zugleich ging dem Stillgewässer, das keinen natürlichen Zu- und Abfluss hat, in der Vergangenheit immer wieder der Sauerstoff aus. Es kam zu mehreren Fischsterben, zuletzt im September 2024. Die Anglerfreunde Speyer haben den See seit 1982 als Angelgewässer gepachtet.

Warum ist das Gewässer bedeutsam?
Der Russenweiher sei „von unschätzbarem Wert“ für die Frischluftzufuhr fürs Stadtgebiet, sagte Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler (SPD) beim jüngsten Termin mit den Anglerfreunden am Russenweiher. Aber auch als Naherholungsgebiet und als Biotop sei der Weiher wichtig. Um den Prozess der fortschreitenden Verlandung zumindest hinauszuzögern, habe die Stadt daher das Belüftungssystem „Drausy“ angeschafft – durchaus erst auf hartnäckiges Drängen der Angler, wie Seiler eingestand.

Wie funktioniert das neue Belüftungssystem?
Ein Kompressor pumpt Frischluft durch einen 1250 Meter langen perforierten Schlauch, der in Schleifen am Seegrund ausgelegt ist. Durch die permanente Sauerstoffzufuhr soll sich die Faulschlammschicht am Boden des Weihers besser zersetzen. Die künstliche Beatmung soll zudem verhindern, dass der Russenweiher erneut „umkippt“. Die Investitionskosten betragen rund 190.000 Euro, amortisierten sich aber nach Berechnungen von Anglern und Stadt innerhalb weniger Jahre dadurch, dass die bisher im See vertäuten Sprudler, die einen hohen Stromverbrauch hatten, nicht mehr gebraucht würden.

Wie sind die Erfahrungen mit Drausy bisher?
Installiert wurde das System im vergangenen November. Bisher laufe es „problemlos“, so Franz Wetternach vom Vorstand der Anglerfreunde. Der Verein sei „hochzufrieden“. Auch die regelmäßigen Wasserproben signalisierten einen sehr guten Zustand des Weihers. Das Wasser werde klarer. Aus Anglersicht gebe es nur eine Einschränkung: Künftig dürften keine Karpfen oder andere Fische, die den Seegrund aufwühlen, mehr dort eingesetzt werden. Denn deren Tätigkeit würde den Belüftungsschlauch zuschütten und die Poren verstopfen. Bedingung für den langfristigen Erhalt des Weihers sei jedoch, dass immer wieder der Bewuchs um den See zurückgeschnitten und ins Wasser gelangte Biomasse abgeschöpft werde. Sorgen macht den Anglern der aktuell niedrige Wasserstand des Weihers.

Klare Ansagen: Unter anderem die Beschilderung soll erneuert werden. Hinweise auf die Anleinpflicht für Hunde sollen dazukommen.
Klare Ansagen: Unter anderem die Beschilderung soll erneuert werden. Hinweise auf die Anleinpflicht für Hunde sollen dazukommen.

Welche Maßnahmen sind sonst noch angedacht?
Eine Neugestaltung des Umfelds soll die Aufenthaltsqualität erhöhen. So sollen die Wege neu angelegt, Mülleimer, Bänke und Schilder ausgetauscht und der Spielplatz an der Winternheimer Straße erneuert werden, kündigte Seiler an. An den Wegen entlang könnten Blühstreifen entstehen, auch Thementafeln, Piktogramme und eine Hundestation stehen auf der Wunschliste der Angler, die sich an der Pflege des Russenweihers beteiligen. Zu 90 Prozent finanziert werden soll all das über das seit 2018 laufende Förderprogramm „Sozialer Zusammenhalt Speyer-Süd“. Der Antrag dazu werde sobald wie möglich eingereicht, sagte Jutta Wienen, Leiterin der städtischen Grünflächenplanung. Mit einem Förderbescheid rechnet die Stadt demnach bis Jahresende.

Unschöner Anblick: Die Sitzbänke sind schon sehr in die Jahre gekommen.
Unschöner Anblick: Die Sitzbänke sind schon sehr in die Jahre gekommen.

Was passiert mit der eingebrochenen Uferbefestigung?
Die Trümmer der im November 2023 in den See gerutschten Betonbefestigung des Südostufers würden in diesem Jahr beseitigt, versprach Wienen. An der Stelle solle ein zum See hin leicht abfallendes Ufer gestaltet werden. Die morsche Holzbefestigung des Nordufers müsse ebenfalls mittelfristig ausgetauscht werden. Ob dies über ein Förderprogramm gelinge, sei noch unklar, so Wienen.

Gefahrenstelle: Das eingebrochene Betonufer wird dieses Jahr abgetragen.
Gefahrenstelle: Das eingebrochene Betonufer wird dieses Jahr abgetragen.

Bleibt der Rundweg um den Weiher erhalten?
Im Prinzip ja. Geht es aber nach Seiler, soll er an der Ostseite näher am Spielplatz und weiter entfernt vom Ufer verlaufen. Der 60 bis 70 Meter lange östliche Abschnitt des Uferwegs selbst soll gesperrt und der Natur überlassen werden, damit dort lebende Tiere, vor allem die Schwäne, nicht mehr durch Menschen oder Hunde gestört würden.

Idyllisch: Russenweiher im Frühjahrslicht.
Idyllisch: Russenweiher im Frühjahrslicht.

Wie sieht es mit dem Fischbesatz aus?
Bis neue Fische eingesetzt werden dürfen, müssen die Anglerfreunde noch Geduld aufbringen. So will die Fischereibehörde bei der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) in Neustadt abwarten, wie sich der See bis zum Herbst entwickelt. Bleibt der Zustand gut, könne dann über einen Fischbesatz nachgedacht werden. In Frage kommen dabei laut Anja Rausch vom Sportfischerverband Pfalz vor allem Rotaugen und Rotfedern als Futterfische für Hechte. Eine freudige Überraschung gab es vor Kurzem beim Anfischen: Der beste Angler holte mehr als sechs Kilo Fisch aus dem Weiher. Das habe es schon lange nicht mehr gegeben, heißt es seitens der derzeit rund 45 Anglerfreunde.

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