VG Lingenfeld RHEINPFALZ Plus Artikel Kürzere Wege, mehr Sicherheit: Mobile Arztpraxis soll Freiwilliger Feuerwehr helfen

Susanne Schellenberg-Andres
Susanne Schellenberg-Andres

Susanne Schellenbach-Andres engagiert sich als Feuerwehrärztin. Eine mobile Arztpraxis soll wichtige Untersuchungen vor Ort ermöglichen und die Bereitschaft stärken.

Susanne Schellenbach-Andres ist eine der wenigen ehrenamtlichen Feuerwehrärztinnen in Rheinland-Pfalz. Die Fachärztin für Allgemeinmedizin arbeitet als Zeitsoldatin bei der Bundeswehr und fungiert in ihrem Ehrenamt seit zwei Jahren als medizinische Fachberaterin der sechs Freiwilligen Feuerwehreinheiten in der Verbandsgemeinde Lingenfeld. Die Westheimerin berät die Feuerwehrleute zu Impfungen wie Hepatitis A und B, zur FSME- und zur Influenza-Impfung und führt diese auch durch. Die für die Wehrleute freiwillige Aktion werde sehr gut angenommen, freut sich die 41-Jährige, die selbst auf eine aktive Laufbahn bei der Freiwilligen Feuerwehr zurückblicken kann. Schellenbach-Andres achtet darauf, dass die Gerätehäuser und Feuerwehr-Fahrzeuge mit Erste-Hilfe-Material ausgestattet sind. Sie hat außerdem gemeinsam mit einem Helfer-Team die Erste-Hilfe-Ausbildung in den Wehren standardisiert.

In Zukunft plant die dreifache Mutter eine Zusammenarbeit mit ihrem Kollegen Axel Weigand aus Landau. Der 48-jährige Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, selbst freiwilliger Feuerwehrmann, ist als Betriebsarzt engagiert und hat im Frühjahr einen Lkw-Auflieger zu einer mobilen Arztpraxis umgebaut. Weigands Ziel: Die Betriebsmedizin flexibler, ohne lange Wartezeiten zu gestalten. Und hier kommt Susanne Schellenbach-Andres ins Spiel. Die Feuerwehrärztin hat die Berechtigung, die Tauglichkeitsuntersuchung für Atemschutzgeräteträger – die sogenannte G26 – durchzuführen. Die Untersuchung umfasst unter anderem ein Belastungs-EKG, einen Seh- und Hörtest sowie eine ärztliche Untersuchung, um Herz-Kreislauf-Erkrankungen auszuschließen. Damit wird festgestellt, ob Feuerwehrleute körperlich dazu geeignet sind, die mehr als zehn Kilogramm schweren Atemschutzgeräte sowie die Ausrüstung im Notfall bei einem Einsatz in verrauchten Innenräumen zu tragen.

Die mobile Praxis auf Rädern: Hier beim Stopp in Lingenfeld an der Goldberghalle Mitte März.
Die mobile Praxis auf Rädern: Hier beim Stopp in Lingenfeld an der Goldberghalle Mitte März.
Bei einer Untersuchung in der mobilen Praxis: Susanne Schellenberg-Andres.
Bei einer Untersuchung in der mobilen Praxis: Susanne Schellenberg-Andres.
Susanne Schellenberg-Andres im Gespräch mit Axel Weigand, dem Initiator der mobilen Praxis.
Susanne Schellenberg-Andres im Gespräch mit Axel Weigand, dem Initiator der mobilen Praxis.

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Situation bisher: Weite Wege, unpassender Termin

Bislang müssten Feuerwehrleute aus der Verbandsgemeinde Lingenfeld für die Untersuchung nach Landau fahren, berichtet Steffen Andres, Wehrleiter der Verbandsgemeinde Lingenfeld. Das sei mit einem Zeitaufwand von mindestens vier Stunden verbunden. Meist fielen die Termine in die Arbeitszeit der freiwilligen Feuerwehrleute. Das bedeute, dass die Verbandsgemeinde für den Verdienstausfall aufkommen müsse oder sich die Wehrleute Urlaub nehmen. „Man mutet den Ehrenamtlern schon viel zu“, fasst Schellenbach-Andres zusammen. Sie hofft, mit der mobilen Praxis den Wehrleuten entgegenzukommen. Der Zuspruch bei einem Testlauf Mitte März sei positiv gewesen – vor allem weil die Untersuchung außerhalb der Arbeitszeiten möglich war. Die mobile Praxis machte an einem Freitagabend und am Samstag Stopp an der Goldberghalle. Sieben Personen, darunter eine Frau, wurden untersucht.

Wehrleiter Steffen Andres erhofft sich von der neuen Möglichkeit auch, dass sich wieder mehr Feuerwehrleute von sich aus zum Atemschutzgeräteträger ausbilden lassen. Landauf landab gebe es immer weniger Wehrleute in dieser Funktion. Früher sei man quasi erst richtiger Feuerwehrmann gewesen, wenn man Atemschutzgeräteträger und damit auch für den Innenangriff, also die Brandbekämpfung in Gebäuden, ausgebildet war, sagt Andres. Heute sei das nicht mehr selbstverständlich, jüngere Wehrleute seien eher zurückhaltend, berichtet er. Von seinen 160 aktiven Feuerwehrleuten seien derzeit 45 Personen berechtigt und körperlich geeignet, unter Atemschutz in den Einsatz zu gehen. Sein Ziel und das seiner Frau: Möglichst viele Atemschutzgeräteträger zu erhalten und Wehrleute neu dafür zu gewinnen. Die mobile Arztpraxis von Axel Weigand, für deren Einsatz in der VG Lingenfeld Schellenbach-Andres nun ein Konzept ausarbeiten will, soll dabei helfen.

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