Speyer/neustadt Künstlerbund stellt im Herrenhof aus

Magdalena Hochgesang: Fortidens skygge (2019).
Magdalena Hochgesang: Fortidens skygge (2019).
Reinhard Ader: Ein Sturm kommt auf V (2020-21).
Reinhard Ader: Ein Sturm kommt auf V (2020-21).
Günter Zink: Menschenentleerte Landschaft 2.
Günter Zink: Menschenentleerte Landschaft 2.

„Mensch und Raum“ ist der Titel der Ausstellung von 19 Künstlerinnen und Künstlern des Künstlerbund Speyer, die am Sonntag, 19. September, um 11.15 Uhr im Herrenhof Neustadt-Mußbach eröffnet wird.

Reinhard Ader, der Vorsitzende des Künstlerbunds Speyer, erklärt das Konzept wie folgt:

„Das Thema, dem sich die teilnehmenden Künstler des Künstlerbund Speyer für ihre Ausstellung im Herrenhof Mußbach gestellt haben, ist so alt wie die Menschheitsgeschichte selbst, mindestens aber als solches wahrnehmbar seit den Höhlenmalereien der Altsteinzeit.

Ein Lebewesen ohne Raum ist grundsätzlich nicht vorstellbar und doch wurde und wird ,Raum’ in verschiedenen Kulturen und unterschiedlichen Epochen völlig anders wahrgenommen und definiert.

Ägypter und Römer hatten eine andere Sicht auf den abbildbaren Raum, ebenso das Frühe Christentum, das unseren ,realen Perspektivraum’, der erst mit der Renaissance gefunden wurde, nicht kannte, weil der dargestellte Raum, in dem die Figuren agierten, als ein imaginärer, transzendierter, ,geistiger’ Raum gedacht und ,gesehen’ wurde.

Neue Sichtweisen

Erst durch wissenschaftliche Erkenntnisse, der Sicht auf ein heliozentrisches Weltbild, setzte sich allmählich die Erkenntnis durch, dass der Mensch im ungeheuer unendlichen Weltall vielleicht doch nicht die bedeutende Rolle spielen könnte, die die Religionen jahrhundertelang den Gläubigen weiszumachen versuchten. Die Folge dieser ,neuen’ und kaum begreifbaren Erkenntnis waren Unsicherheit und Zweifel, aber auch die Suche nach völlig neuen Denk- und Vorstellungsweisen.

Von der ,wissenschaftlichen’ Zentralperspektive eines Masaccio (Die heilige Dreifaltigkeit), wo der Gläubige den realen und den dargestellten Raum staunend kaum erfassen konnte – was ist real, was ist Vorstellung –, über Caspar David Friedrichs (Der Mönch am Meer) – der kleine Mensch vor einer urgewaltigen, kaum fassbaren ,Natur’-, bis zur Zertrümmerung des dargestellten Raums durch Picasso (Les Demoiselles d’Avignon) und den Kubisten, sehen wir einen vielgestaltigen Weg, dem Menschen im Raum näher zu kommen, ihn zu verstehen, dem Widerstreit im Glauben und wissenschaftlicher Erkenntnis gerecht zu werden.

Was heißt ,gerecht werden’? Wir sind mittendrin oder erst ganz am Anfang eines Prozesses des Verstehens, den Platon in seinem Höhlengleichnis letztlich für gescheitert annimmt:

Prozess des Erkennens

Das ,Erkennen’ ist ein schmerzhafter Prozess und manch Einer sehnt sich in die Geborgenheit der Höhle zurück, weil es leichter ist, einem schönen Schein zu folgen, als sich der harten Realität zu stellen.

Die teilnehmenden Künstler des Künstlerbund Speyer gehen so vielfältig an dieses Thema heran, wie es unsere heutigen Sichtweisen und Erkenntnisse zulassen:

Von der menschenentleerten Landschaft, der Korrespondenz zwischen Zuschauer und Raum-Bild, zu menschlichen Mischwesen, die zusammengedrängt versuchen, sich im Raumgefüge zurechtzufinden über schattenhaft-geisternde Wesen, Menschen in Zeit und Raum wie verloren, sowie dem freien Fall zwischen Erkennen, Erkenntnis und deren Negierung, bietet der Künstlerbund ein breites Spektrum in der Debatte um aktuelle Kunstströmungen und richtungsweisenden künstlerischen Aussagen.“

Es stellen aus: Reinhard Ader, Christoph Anschütz, Stefan Becker, Nina Bußjäger, Gisela Desuki, Thomas Duttenhoefer, Martin Eckrich, Fred Feuerstein, Moritz Feuerstein, Karin Germeyer-Kihm, Reinhard Harz, Magdalena Hochgesang, Thomas Mann, Luisa Schmeisser, Eberhard Spitzer, Margarete Stern und Günter Zink.

Eröffnung und Termine

Zur Vernissage am Sonntag, 19. September, um 11.15 Uhr, sind nur Personen mit nachweislicher Impfung oder Genesung zu (2G-Regelung) zugelassen. Die Laudatio hält Hans-Jürgen Herschel, Klaus Fresenius und Wolfgang Schuster machen Musik. Nicht-Geimpfte/Getestete können erst zu einem späteren Zeitpunkt, entsprechend der Öffnungszeiten, die Ausstellung besuchen. Die Eröffnung wird (auch) live gestreamt: www.menschundraum.herrenhof-mussbach.de.

Bis 10. Oktober freitags 17 bis 20 Uhr, samstags 14 bis 18 Uhr, sonn- und feiertags 11 bis 18 Uhr.

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